Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Achterbahn-Interview

zurück zur Übersicht

Mit dem Kopf voraus – das kennen Henning Mühlleitner und Annika Bruhn nur zu gut. Beim Sprung ins kühle Nass gehört das zum Alltag. Kopfüber aber im Freizeitpark in Tripsdrill jede Menge Loopings zu durchfahren, das war auch für die beiden Unterländer Sportler des Jahres etwas Neues.

Hartes Training

Zwischen Training und Wettkampf-Highlights verlieren die Europameister der Neckarsulmer Sport-Union auch beim Extrem-Interview in der Karacho-Achterbahn nicht ihr Ziel aus den Augen: die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. 

Doch vor dem Spaß steht erstmal das harte Training. Wie jeden Morgen begann um 6.30 Uhr die erste Einheit. Diesmal "nur“ 3,5 Kilometer schwimmen – ehe es ab zum Interviewtermin der anderen Art ging. Lockeres Aufwärmen, bevor sie rasant nach oben katapultiert werden. Mit Erinnerungen an die sportlichen Anfangszeiten. Annika Bruhn kam durch ihre Eltern zum Schwimmen, die beide diese Sportart betrieben.

Ganz anders bei Henning Mühlleitner: "Ich war oft mit einem Freund im Freibad, habe mir viel selbst beigebracht. Nach einem Jahr Flehen hat sich meine Mutter dann erbarmt und erlaubt, dass ich in den Schwimmverein darf.“ Ausdauer ist eben gefragt – auch bei wöchentlich zehn Trainingseinheiten. Schließlich stehen die nächsten Höhepunkte schon bald an. Annika Bruhn startet im Juli bei der Weltmeisterschaft im südkoreanischen Gwangju, wo sie bei bis zu fünf Staffeln eingesetzt werden kann. Henning Mühlleitner, der nach seiner langen Verletzungspause die WM-Norm nicht geschafft hat, schwimmt im Juli in Neapel bei der Universiade, einer Art Olympische Spiele für Studenten.

Staffelsiege

Nach den ersten Loopings blicken beide noch einmal auf ihren großen gemeinsamen Erfolg zurück: die Goldmedaille bei den Europameisterschaften in Glasgow. "Der EM-Titel 2018 war total überraschend, das konnte man nicht absehen“, sagt Annika Bruhn. Henning Mühlleitner meint: "Eine Mixed-Staffel ist immer ein spannendes Thema, man weiß nie genau, wo man steht. Am Ende war es der erste Platz mit einer Hammer-Abschlussleistung von Annika.“ Nicht ihre einzige: Zudem gewann die erfahrenste Neckarsulmer Schwimmerin Silber in der 4 x 200 Meter Staffel Freistil der Frauen und über 4 x 100 Meter Lagen. Kein Wunder, dass sie von ihrem Trainer als "Staffelmonster“ bezeichnet wird. 

So gut wie ein Olympia-Anwärter werden Hobby-Schwimmer zwar nie, aber dennoch gibt es für sie auch Tipps von der Fachfrau: "Immer dranbleiben, üben, üben, üben. Die Körperspannung im Rumpf halten, mit den Beinen auf dem Wasser liegen und sie nicht auf den Grund des Beckens baumeln lassen“. Klingt fast so einfach wie die zweite Runde in Tripsdrill.

Während der rasanten Fahrt gibt es Einblicke in das Leben abseits des Schwimmbeckens. Annika Bruhn (26) studiert Sport und Gesundheitsmanagement, Henning Mühlleitner (21) Wirtschaftsinformatik. Doch Hauptjob ist natürlich das Schwimmen – finanziert über Sponsoren, Sporthilfe oder die Neckarsulmer Sport-Union. "Schwimmen ist Alltag in unserem Leben geworden. So wie andere ihr Berufsleben haben, gehen wir eben ins Schwimmbad“, sagt Annika Bruhn. 

Abendgarderobe

Während man im Neckarsulmer Sportbad abtauchen kann, gab es andernorts einen großen Auftritt – die Ehrung bei der Unterländer Sportlerwahl wirkt immer noch nach. Henning Mühlleitner beeindruckte dabei gleich mal mit der besten Abendgarderobe. "Das sah gut aus“, meinte Annika Bruhn. "Es war die erste Ehrung, da dachte ich mir, bei so einer Gala am Abend muss ich mich entsprechend kleiden“, so Henning Mühlleitner, der mit Fliege und edlem Anzug auftrat. 

In Tripsdrill tut es dagegen der legere Trainingsanzug auch in Runde drei. Stichwort Motivation. Dazu braucht es die Trainer. "Ohne die würde das auf keinen Fall gehen, die pushen uns schon am Beckenrand, geben entscheidende Tipps. Wir sehen uns tagtäglich, ich sehe meinen Trainer mehr als meinen Partner“, sagt Annika Bruhn. "Irgendwann entwickelt ein Trainer ein Feingefühl. Unserer hat das, der weiß, dass die persönliche Entwicklung des Sportlers wichtig ist, nicht nur die sportliche“, erläutert Henning Mühlleitner.

Dieses positive Gefühl soll die beiden Top-Schwimmer auch nach Tokio und im Falle von Henning Mühlleitner sogar zu Olympia 2024 nach Paris bringen. "Dann wäre ich 27 Jahre, das geht noch. Ich werde nochmal versuchen anzugreifen. Annika ist dagegen 2024 ja schon ein altes Eisen, 2020 wären ihre dritten Olympischen Spiele“, scherzt er. Jetzt aber geht es erst mal kopfüber in die vierte Runde – vom Nervenkitzel können die Schwimmer wohl nicht genug bekommen. 

 

 

Galerien

Regionale Events