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Schwimmen um Schulcup

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Wenn man die Jungen fragt, warum sie in ihrer Freizeit schwimmen und regelmäßig trainieren, wenn man wissen möchte, was sie anspornt, wirken sie ein wenig erstaunt.

Ehrgeiz und Spaß

Die Antwort liegt doch auf der Hand: "Es macht Spaß.“ Unbekümmert wie sie sind, mangelt es ihnen dennoch nicht an Ehrgeiz. Sie haben Lust, ihr Bestes zu geben, Leistung auf den Punkt abzurufen, zu triumphieren, die Anerkennung von Mitschülern zu ernten. Doch das ist nicht alles. 

Acht Jungen – der jüngste ist elf, die ältesten sind 15. Sie besuchen die Fritz-Ulrich-Schule in Heilbronn. Das Schwimmen bringt sie zusammen, und gemeinsam stehen sie auf dem Siegerpodest. Zuletzt Platz eins beim Rhein-Main-Donau-Schulcup (RMD-Cup) in Nürnberg. Der Wettbewerb ist Bestandteil von Jugend trainiert für Olympia.

"Ich möchte gewinnen“, sagt Lukas Sontopski (12). Wenn er merkt, dass er nicht schnell genug gewesen sei, trainiere er halt mehr. Was schlüssig klingt, ruft sofort den Widerspruch von Mannschaftskamerad Jacob Graf (14) hervor: „Gewinnen ist nicht alles.“ 

Zusammenarbeit

Beim Schulsport geht es um Willensstärke, Leistungsstreben, Fairness beim Mit- und Gegeneinander. Die Jungen drücken es auf ihre Weise aus. "Teamfähigkeit. Man lernt Zusammenhalt“, sagt Luca Dengel (15). Daniel Scholz Herrero (13) stellt fest, dass ihm der Sport in Mathematik hilft. Er könne sich besser konzentrieren. Felix Kappes (13) ist der Meinung, "man lernt mit Leuten auszukommen, die man nicht mag“. Damit meint er nicht die Schwimmkameraden. Dass sich die acht verstehen, ist offensichtlich. Luca Dengel und Enrique Ruiz Maile (15) etwa kennen sich von klein auf. "Wir halten zusammen und beruhigen uns auch gegenseitig.“ Vor dem Start beim RMD-Cup sei er nämlich schon nervös gewesen, räumt Enrique ein. Warum? "Weil man ja nie weiß, wie es ausgeht.“

Tim Reisser (15) konzentriert sich bei einem Wettkampf beispielsweise auf den Start, "dass man den gut macht“. Teamkollege Felix Kappes bestätigt: "Man wartet auf den Pfiff, fokussiert sich darauf, alles andere auszublenden.“

Nicht festgelegt

Was sie tun, gefällt ihnen. Tim schwimmt auch in den Schulferien – ohne Leistungsdruck. Seit er vier ist, springt Adrian Scholz Herrero (11) ins Becken. Er sei gern im Wasser. Wasser ist ihr Element. Es beherrscht nicht ihr Leben. Welche Rolle das Schwimmen in Zukunft spielen wird, lassen sie offen. "Ich weiß nicht, ob ich weiter schwimme“, überlegt Adrian. Daniel Scholz Herrero denkt daran, mehr Leichtathletik zu machen. Lukas Sontopski ist heute bereits ein Triathlet. Vielleicht suche er sich mit 18 ein anderes Hobby, denkt Luca Dengel laut nach. Unklar ist, ob genügend Zeit für ein Training bleibe, wenn man eine Ausbildung mache. 

"Die Jungen sind nicht aufs Schwimmen fixiert“, sagt ihr Trainer Manfred Knodel. In der Mannschaft erziehen sie sich gegenseitig, so Knodels Erfahrung. Aber ja, sie können ihm auch mal auf die Nerven gehen, sagt der 70-Jährige.

Gut abgestimmte Truppe

Die Jungen lachen. "Wir doch nicht“, ruft einer übermütig. Trainer Knodel findet offenbar die richtige Balance bei den Jungen zwischen Vergnügen an der Bewegung und Leistungswillen. Im Training und beim Wettkampf gehe jeder Einzelne an seine Grenze. "Sie sind gefordert.“ Dass ihre Leistungen vergleichsweise dicht beieinander liegen, sei eine der Stärken der Mannschaft. Eine weitere: Dass sie in allen Schwimmstilen gut seien, sagt Knodel. "Es ist einmalig, was sie als Truppe zustande bringen.“ Zu Höhenflügen setzt dem Trainer zufolge keiner an. "Sie sind alle realistisch und können ihr Leistungsvermögen einschätzen.“ Ein zweiter Michael Phelps ist wohl nicht unter ihnen. 

Die Jungen leben im Hier und Jetzt. Sie schwimmen für sich und fürs Schulteam. Das Training empfinden sie nicht als Last, es ist Vergnügen. Es spricht für sich, wenn Felix Kappes sagt: "Ich bin meistens schon ein, zwei Stunden vorher da.“

 

 

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