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Fehler in der Gleichung

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Im Trainer steckt halt ein Clown. Als der Druck endlich weg war, das Heimrecht in den Pre-Playoffs sicher, war auch Alexander Mellitzer zu Scherzen aufgelegt. Nein, viel gerechnet habe man am Ende gar nicht. "Im Rechnen sind ein paar Spieler sowieso nicht so gut“, sagte der Trainer der Heilbronner Falken bei der Pressekonferenz nach dem letzten Heimspiel. Klar, das brachte ein paar Lacher. Und ein wenig mehr Lockerheit: Die sollte bei allem Respekt vor den ab Freitag anstehenden Spielen gegen Dresden auch nicht fehlen. Zumal die Runde gefühlt mal wieder ewig gedauert hatte – und zu Lachen gab es ja auch nicht immer. "Die Saison war durchwachsen“, gesteht Mellitzer in aller Sachlichkeit.

Drei Siege

Alles beginnt mit einem Höhenflug, mit einem kleinen zwar nur, aber gut. Drei Siege in den ersten drei Saisonspielen – in Punkten gerechnet: drei plus drei plus drei. Macht neun. Da muss man kein Genie sein, um zu wissen, dass man in der Tabelle ganz vorne dabei ist. Die Falken stehen in dieser Phase sogar einmal auf Platz eins: Gefühlt hat es das in Heilbronn noch nie gegeben. Höchstens zu guten Zeiten. Aber an die können sich ohnehin nur die Wenigsten erinnern.

Der gute Start erstaunt. Den Trainer nicht. "Ich habe ja mit nichts gerechnet, weil ich die anderen gar nicht kannte“, sagt er, der Neue. Die Falken müssen zu Beginn improvisieren. "Von den ersten sechs Verteidigern haben wochenlang vier gefehlt.“ Stürmer werden nach hinten beordert.

Balance passt nicht

Drei Spiele lang ging das gut, danach wurde es wie erwartet holpriger. Zwei Dinge zeichneten sich aber ab. Erstens: Als Mannschaft funktionieren die Falken, die Jungs halten zusammen, verstehen sich gut. Und zweitens: Keeper Mirko Pantkowski ist der Rückhalt schlechthin. "Mirko hat uns sehr oft aus der Patsche geholfen, hat einen super Start hingelegt“, sagt der Trainer.

Trotzdem fallen die Falken bald in ein Loch, die Balance zwischen Offensive und Defensive passt nicht recht. Die Offensive: sucht seines Gleichen. Die Defensive auch, nur im negativen Sinn. Die Falken kriegen die mit Abstand meisten Schüsse aufs Tor, die Folge sind zu viele Gegentore. Die Ergebnisse gleichen Sätzen im Tennis. "Die Burschen wollen scoren, das ist unser Spiel“, sagt Mellitzer nur. Man muss nicht rechnen können, um zu sehen, dass es auf Dauer nicht gut geht.

Bedrohlich nah

Deswegen gibt es mit Jimmy Sharrow Ende November einen neuen Verteidiger. Die Falken-Fans: Sie atmen auf. Doch der Neue sagt vorsichtshalber: "Ich bin kein Heilsbringer.“ Vielleicht ist er es doch. Im Dezember mausern sich die Falken zum heißesten Team der DEL 2, gewinnen bis Weihnachten sechs Mal in Folge. Für alle Mathe-Legastheniker: Das sind 18 Punkte. Die direkte Playoff-Qualifikation ist greifbar.

Ist aber nur eine Momentaufnahme, im Januar verspielen die Falken ihre super Ausgangslage – und die Chance auf Platz sechs, das eigentliche Ziel. Die Abstiegsrunde rückt bedrohlich nah. Weil Pantkowski über Wochen fehlt, erst krank ist, danach in Mannheim gebraucht wird. "Da hat sich Unsicherheit breit gemacht“, sagt Alexander Mellitzer.

Unglaublicher Charakter

Das Gute aber: Die Falken ziehen sich aus dem Loch selbst raus, zeigen Moral – profitieren von ihrem Teamgeist. "Wir sind sehr geschlossen und haben einen unglaublichen Charakter“, sagt Kapitän Derek Damon. Er hat in seinen vielen Jahren als Profi selten einen so guten Teamgeist erlebt. Und plötzlich ergeben sich ein paar "nette Überraschungen“, wie er es nennt: Die dritte Sturmreihe hat sich mit Samuel Soramies, Alex Lambacher und Kyle Helms gefunden, steuert in aller Regelmäßigkeit Punkte bei.

Das macht die Falken viel schwerer ausrechenbar, zu viel hing in der ersten Saisonhälfte von der Paradereihe ab. Die liefert auch weiterhin, stellt mit Roope Ranta letztlich auch den Topscorer der Liga. Das Powerplay zählt zum Besten, was die Liga zu bieten hat. Und doch kommen am Ende nicht mehr als 74 Punkte rum, einer weniger als im Vorjahr – trotzdem springt mit Rang acht eine bessere Platzierung heraus. Der erhoffte Schritt nach vorne ist das nicht. 16 Punkte hinter Rang sechs: Das kann man nicht schön rechnen. Die Gleichung ist fehlerhaft.

 

 

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