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Auch an diesem Samstag wird Selina Kalmbachs Blick beim Einlaufen in die Ballei für einige Momente auf einer vertrauten Stelle der Tribüne ruhen. Dort, wo Freunde und Familie der Neckarsulmer Außenspielerin immer sitzen. Was für Kalmbach vor dem wichtigen Bundesliga-Spiel gegen die Flames der HSG Bensheim/Auerbach (18 Uhr) sonst noch zählt und wie sie die Entwicklung der Sport-Union beurteilt, hat das 20-jährige Eigengewächs im Interview verraten.

Frau Kalmbach, in Ihrer Bachelor-arbeit wollen Sie sich mit der Sport-Union als Marke beschäftigen. Wie wichtig wäre denn ein Neckarsulmer Heimsieg an diesem Samstag fürs Image der Handballerinnen?

Der Sieg ist nicht nur für das Image, sondern generell für uns alles sehr, sehr wichtig. Ich habe schon mit der Bachelorarbeit angefangen – Erfolg ist natürlich ein wesentlicher Faktor, um überhaupt eine Marke zu werden. Das haben wir in der Vergangenheit geschafft, denke ich. Jetzt wäre er trotzdem extrem wichtig. Nicht, dass wir danach schon durch wären und uns ausruhen könnten. Aber wir müssen die Spiele, in denen es gegen direkte Abstiegskonkurrenten geht, einfach gewinnen. 

In Nellingen hat das zuletzt nicht geklappt. Dort war einmal mehr zu sehen: Mentale Schwankungen wären bei der Sport-Union auch ein Thema für eine Abschlussarbeit gewesen...

Klar, das spielt immer eine Rolle. Es ist leider nicht so, dass man irgendetwas ein- oder ausschalten könnte und im nächsten Spiel einfach alles ganz anders machen. Aber man lernt aus solchen Situationen und schafft es hoffentlich irgendwann, die Nerven besser im Griff zu behalten. 

Am Samstag steht das dritte Schlüsselspiel in Folge an. Versuchen Sie das privat auszublenden, um etwas Lockerheit zu gewinnen?

Das wäre schwierig. Egal, wo ich in meiner Freizeit auch bin, das Thema Handball ist natürlich immer präsent. Auch jetzt bei den Faschingsveranstaltungen war das so – egal, mit wem man spricht, es geht in erster Linie um Handball und die drei wichtigen Spiele. Das auszublenden, ist echt schwer. 

Nervt das nicht irgendwann?

Nee. Handball ist halt der Lebensmittelpunkt von uns allen. Ich finde es toll, mich auszutauschen und die Begeisterung und das Interesse der Leute zu spüren. 

Wobei Sie am Rosenmontag wahrscheinlich hundertmal die Frage beantworten mussten, was zuletzt in Nellingen nach der 21:13-Pausenführung los war?

Hundertmal reicht gar nicht, glaube ich. Und es war jedes Mal schwierig, darauf eine Antwort zu finden, die plausibel klingt. Eine konkrete Antwort ist auf dieses 35:35 wahrscheinlich auch gar nicht zu finden. Es waren viele Kleinigkeiten. Wir haben intern lange und offen darüber gesprochen. Das war wichtig. Jetzt ist es aber genauso wichtig, das Spiel hinter uns zu lassen und nach vorne zu schauen. Die erste Halbzeit von Nellingen, die zweite Halbzeit von Bad Wildungen – wenn wir das kombinieren, sind es am Samstag zwei Punkte, die wir in Neckarsulm behalten. 

Kombiniert man die Ergebnisse der vergangenen beiden Spiele, ergibt das drei Punkte. Neun sind es bisher insgesamt und damit nur einer weniger als in der kompletten Vorsaison. Ist der Umbruch also gelungen?

Der Anfang ist natürlich nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Auch durch Verletzungspech. Ich denke, wir besitzen auch jetzt noch deutlich mehr Potenzial. Richtig abgeschlossen ist die Findungsphase wahrscheinlich noch nicht. Bis man sich so richtig gefunden hat, so etwas wie blindes Verständnis entsteht, dauert es wahrscheinlich mehrere Jahre. An diesem Punkt sind wir noch nicht. Aber – auch neben dem Feld – an einem sehr guten. Ich glaube trotzden, manchmal sind wir alle noch etwas zu sehr mit uns selbst beschäftigt. Das Wir ist nicht immer präsent. Aus der Nationalmannschaft habe ich den Leitspruch: Das Wir ist immer stärker als das Ich. Manchmal muss man die eigenen Bedürfnisse hinten anstellen, wenn man eine Mannschaftssportart macht. 

Trotzdem geht es natürlich auch um die persönliche Karriere. Und Ihre läuft mit der Berufung in die Nationalmannschaftsreserve und zwölf Toren in den vergangenen beiden Spielen gerade ziemlich rund.

Das tut einem persönlich natürlich sehr, sehr gut. Aber wenn wir am Samstag gewinnen, ist mir egal, wer wie viele Tore gemacht hat. Es geht einfach darum, dass am Ende mindestens ein Tor mehr auf der Anzeigetafel steht als beim Gegner. Diese Einstellung sollte jede haben. Trotzdem gilt es aber, Verantwortung zu übernehmen. 

Spüren Sie als regionales Aushängeschild dabei eine besondere Last?

Nein, Ballast ist das für mich nicht. Ich freue mich immer, wenn mir die Leute sagen, dass ich eine Identifikationsfigur bin und zum Bild der Sport-Union dazu gehöre. Weil ich jetzt natürlich auch einige Jahre da bin, nicht weit von Neckarsulm entfernt herkomme und in die Bundesliga reingewachsen bin. Das gibt mir ein gutes Gefühl und treibt mich nach vorne. 

Wohin geht Ihre Reise noch?

Meine Entwicklung ist in den letzten Jahren sehr gut voran geschritten. Aber ich fühle, dass da noch deutlich mehr Potenzial in mir steckt. Ich will noch deutlich mehr Verantwortung übernehmen und Akzente setzen. Wohin genau meine Reise geht, ist für mich erstmal zweitrangig. Ich will die Saison voll fokussiert zu Ende spielen. Was dann weiterhin passiert, wird sich zeigen. 

 

 

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