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Lindner wiederholt Triumph

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Es ist faszinierend zuzuhören, wenn Ann-Kathrin Lindner von Dulcia spricht. Die zwölfjährige Stute ist das Pferd im Stall, auf dem die 23-jährige Ilsfelderin am längsten reitet. "Sie ist total unkompliziert, wir kennen uns in- und auswendig", sagt die Dressurreiterin und erzählt, wie ihr Freund als Reitanfänger und die Leistungssportlerin Dulcia gemeinsam auf der Anlage des RV Heilbronn großen Spaß haben: "Sie passt auf ihn auf und kann andererseits mal machen, was sie will."

Am Donnerstag standen für Dulcia nicht Jux und Tollerei auf dem Programm, sondern Hochleistungssport und die wichtigste Prüfung des Jahres: 21. Dressur-Cup in der Stuttgarter Schleyerhalle, Finalprüfung der besten zehn Paare aus Baden-Württemberg und Bayern – vor einem Jahr hat Ann-Kathrin Lindner die Prüfung auf Sunfire mit 73,525 Prozent gewonnen, ihr bis dahin größter Erfolg. Gestern hat sie diesen Erfolg mit Dulcia mit 73,800 Prozent bestätigt. Der perfekte Abschluss eines perfekten Jahres – wobei heute die Zugabe kommt. 

Selbstgemachter Druck

Rhythmisches Klatschen bei der Ehrenrunde; besonders engagiert macht ein junger Mann mit: Moritz Bauer, der Freund von Ann-Kathrin Lindner. Für wen er sich mehr freut, für Ross oder Reiterin? Der junge Mann aus Waiblingen, der zwei Mal die Woche mit der süßen Dulcia reiten darf, lacht und sagt: "Für beide gleich." Beide Siege machen die Physiotherapeutin gleich stolz. Doch die Geschichten hinter den Triumphen 2018 und 2019 in dieser schweren Zwei-Sterne-Prüfung sind verschiedene: Der erste große Sieg ist eine große Sache. Ihn zu bestätigen die womöglich noch größere. Jedenfalls muss die Freude nach dem erneuten Coup raus. Die Glückliche sagt es so: "Ich weiß genau, dass schwierige Phasen kommen. Ich mache mir den Druck selber: Ich weiß, wie schwer es ist, so erfolgreich zu bleiben und es noch besser zu machen." Das Jahr 2019 war für sie noch erfolgreicher als das erfolgreiche Jahr 2018. 

Erfolg ist keine Selbstverständlichkeit. Erfolg kommt durch harte Arbeit – und durch Erfolg. Ann-Kathrin Lindner wurde im Mai in den U 25-Bundeskader berufen, holte im Juli in Italien EM-Gold mit dem Team und Platz fünf im Einzel. Eine Bewusstseinserweiterung: "Durch die EM habe ich gelernt, dass ich noch viel besser sein kann." Und besser wird man im Reitsport nur durch Prüfungen auf dem nächsten Level. Wobei auch die Zugehörigkeit zum Bundeskader hilft: "Man hat einen Personaltrainer, Leistungsdiagnostik – schade, dass man das vorher gar nicht bekommt."

Ann-Kathrin Lindner ist bestens gelaunt, sie spricht in der Pressekonferenz wieder über Dulcia: "Meine Eltern wollten sie eigentlich schon in die Zucht geben. Aber sie ist so motiviert und soll sportlich noch reifen." Schon am Dienstag habe sich die Stute beim Training in der Halle wohlgefühlt. "Woran man das merkt? Sie macht sich groß, ist selbstbewusst, präsentiert sich", sprudelt es aus Ann-Kathrin Lindner heraus. "Wenn sie mal kein Selbstvertrauen hat, kommt sie nicht aus sich raus. Das ist wie Stottern bei einer Präsentation." Dulcia liebt die Bühne. Vor ein paar Wochen durfte Einsteiger Moritz Bauer mit ihr eine E-Dressur reiten, wie er stolz berichtet. Doch jetzt ist bis vermutlich in den März erst einmal Turnierpause.

Harte Nuss

Wobei es am Freitag für Ann-Kathrin Lindner und Flatley eine Zugabe gibt: Piaff-Preis, schwere Drei-Sterne-Prüfung, ein Grand Prix, Finalprüfung, eine harte Nuss. Mit dem 15-jährigen Hengst, den einst Isabell Werth ausgebildet hat, wurde Lindner Donnerstagmorgen in der Vorbereitungsprüfung Vierte. Der Erfolg vom Donnerstag nehme ihr für den Freitag ein bisschen den Druck: "Ich freue mich, wenn ich nochmal eine schöne Runde reite."

 

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