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Training bei der Besten

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Der erste Gruß gilt dem alten Bekannten. "Hallo Flatley", sagt Isabell Werth und herzt den 15-jährigen Hengst. Die erfolgreichste Reiterin der Welt hatte Flatley einst als Fohlen gekauft, selber geritten und ausgebildet. Seit etwa einem Jahr ist der Rheinländer nach einer Zwischenstation im Beritt der Ilsfelder     U 25-Europameisterin Ann-Kathrin Lindner und steht im Stall des RV Heilbronn – wobei sich alle drei gestern Vormittag in Tübingen getroffen haben: Trainingseinheit für die Presse im Vorfeld des Stuttgart German Masters. 

"Jawohl! Gut so, Ann-Kathrin", sagt Isabell Werth wenig später ins Mikrofon. Die 20-fache Dressur-Europameisterin sitzt ausnahmsweise nicht mit schwarzen Reitstiefeln im Sattel, sondern steht mit weißen Sneakers auf dem Boden und trainiert eine halbe Stunde lang die 23-jährige Lindner und Flatley. Mutter Ulrike Königs-Lindner ist dabei, sie steht mit den beiden Hunden ganz hinten in der Ecke der Halle des Reitervereins Tübingen-Lustnau. Etwa 75 Reitfreunde und Reporter stehen zwischen Mutter und Tochter, halten Smartphones und (TV-)Kameras in den Händen. Ulrike Königs-Lindner sagt leise: "Auch das Training mit Landestrainer Karl-Heinz Streng läuft genau so ab." Was anders ist: Isabell Werth kennt Flatley; das gibt ihren Tipps noch mehr Gewicht. Werths Schlussworte: "Loben! Feiern! Ganz prima!"

Vorbild

"Es sind manchmal nur kleine Worte, durch die man besser reitet", sagt Ann-Kathrin Lindner später. Die Arbeit am Galopp und an der Piaffe sei gerade sehr aufschlussreich gewesen. Ihre Augen leuchten: Erst vor zwei Wochen hat die Physiotherapeutin erfahren, dass sie diesen gemeinsamen Termin mit ihrem Vorbild haben wird: "Ich beneide Frau Werth, wie sie ihre Nerven im Griff hat und Druck als Ansporn nimmt."

Beim einen oder anderen Turnier hat sich im Laufe des Jahres der Weg der beiden Dressurreiterinnen gekreuzt. Isabell Werth besuche nach Möglichkeit Flatley, stehe mit Kalli Streng in Verbindung. Was der 50-Jährigen an der Nachwuchshoffnung aus Ilsfeld gefällt: "Ann-Kathrin ist sehr vielseitig, kann sich sehr fein einstellen", sagt Isabell Werth. Es sei nicht einfach, ein erfahrenes Pferd wie Flatley wieder wettbewerbsfähig zu machen und gleichzeitig ein junges Pferd wie Sunfire zur U 25-EM hinzuentwickeln. "Sie macht das sehr, sehr gut." Worte von Wert(h).

Beruf

Die EM Ende Juli im italienischen San Giovanni bei Rimini: Das Gold mit der Mannschaft ist Ann-Kathrin Lindners größter Erfolg. Was sich seither geändert hat: Die junge Dressurreiterin ist ins Grübeln gekommen. "Viele haben mich gefragt, warum ich das Dressurreiten nicht zu meinem Beruf mache", sagt Lindner. Doch sie betrachtet den Sport weiterhin als Hobby, arbeitet weiter als Physiotherapeutin, hat extra für den Pressetermin den freien Tag vom Freitag auf den Montag geschoben. Ann-Kathrin Lindner ist ehrlich: "Ich traue mich nicht." Als Berufsreiter sei es noch schwieriger, sei man noch mehr davon abhängig, gute Pferde zu haben. 

Auch Lindner hat schon den Frust erlebt, wenn die Besitzer ein erfolgreiches Pferd aus dem Stall geholt, verkauft haben. Im Moment sei alles bestens: "Alle drei Besitzer stehen total hinter mir", sagt Ann-Kathrin Lindner. Isabell Werth, die eine Zeit ein sportliches Doppelleben als Juristin und Reiterin geführt hat, bedauert Lindners Entscheidung nicht: "Es besteht im Moment kein Zugzwang."Das entwickelt sich." Oder eben nicht. Lindners nächstes großes Ziel: "2020 noch einmal zur U 25-EM fahren".
Es dauert nicht lange, bis sich die interessante Dreierkonstellation das nächste Mal findet: "Hallo Flatley" wird Isabell Werth in zwei Monaten sagen – beim Stuttgart German Masters in der Schleyerhalle.

 

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