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Ein amerikanischer Traum

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Das Outfit passt schon mal. Timo Wirth hat sich ein graues T-Shirt mit dem Logo der Barry University in Miami Shores Florida übergestreift. Dazu Shorts und Sportschuhe. In zwei Wochen soll die Reise in die USA losgehen, wenn es die Einschränkungen durch Corona zulassen. Der Bitzfelder hat sich für ein Fußball-Stipendium beworben und den Zuschlag bekommen. 

Amerika könnte für Timo Wirth ein Umweg zum Profi-Fußballer sein. Denn das ist sein großer Traum, ein Ziel, das er schon im Alter von fünf Jahren geäußert hat. Bis zur fünften Klasse turnte und kickte Wirth parallel, dann konzentrierte er sich auf den Fußball. Doch das Training bei der KTV Hohenlohe macht sich noch heute positiv bemerkbar. „Ich habe dadurch eine super Grundausbildung, ein gutes Körpergefühl“, sagt der 18-Jährige. Das brachte ihm in der praktischen Abiturprüfung 15 Punkte ein. In der Theorie kam er auf 14. Damit gewann er den Landessportpreis.

„Es ist extrem selten, dass jemand so gut ist“, sagt Dieter Kurtze, Schulleiter des Paul-Distelbarth-Gymnasiums in Obersulm. „Wir sind sehr stolz, dass einer unserer Schüler den Preis gewonnen hat. Man muss ja sehen, dass eine glatte Eins nicht reicht, es müssen 15 Punkte für den Preis sein.“ Insgesamt hatte Timo Wirth einen Abiturschnitt von 2,0. Auch das öffnete ihm die Türen für das auf vier Jahre angelegte Stipendium.

Vorfreude auf die Strände und das Nachtleben

In Florida studiert er nun von September an International Business. „Ich freue mich darauf. Ich habe schon gehört, dass das Leben dort geil ist mit den Stränden, dem Nachtleben und dazu mit der akademischen Laufbahn“, sagt Wirth. Angst vor einer erhöhten Corona-Ansteckungsgefahr hat er keine. „Ich hatte Kontakt zu einigen Studenten. Die meinten, es wäre kein Problem“, sagt Wirth. 

Viel Zeit wird der Sport einnehmen. „Wir werden tagsüber Vorlesungen haben, abends trainieren“, sagt Wirth. „Dazu haben wir alle drei, vier Tage ein Spiel.“ Der Uni-Sport ist in den USA der Unterbau der Profiligen. „Die Durchlässigkeit ist sehr hoch“, sagt Wirth. „20 Prozent der Sportler schaffen es in die professionellen oder semiprofessionellen Ligen. Es ist auch mein Ziel, Profi zu werden. In Deutschland habe ich es nicht geschafft, jetzt versuche ich es in Amerika.“

Der Uni-Sport: Unterbau der Profiligen

In Deutschland führte ihn der Weg von seinem Heimatverein TSV Bitzfeld zum SC Michelbach/Wald und dem DFB-Stützpunkt Schwäbisch Hall bis zum SGV Freiberg. Dort spielte er von der U15 bis zur U19. Zuletzt in der A-Jugend-Oberliga. Für zusätzliche Motivation sorgte sein jüngerer Bruder Linus, der Torwart in der U17 bei Borussia Mönchengladbach ist. „Ich habe früher im Garten geschossen und er stand im Tor. Dabei wollte jeder immer der Bessere sein“, sagt Timo Wirth. Durch einen mexikanischen Bekannten, der selbst College-Fußball spielt, hörte er von der Möglichkeit. Vor etwa einem Jahr, während eines Probetrainings bei Viktoria Köln, reifte die Idee, sich für ein Stipendium zu bewerben. Also suchte er eine Agentur. Es folgten verschiedene Tests. Außerdem wurde ein Highlight-Video zusammengestellt, auf das Trainer amerikanischer Universitäten Zugriff hatten. Im Laufe der Zeit sammelten sich auf diesem Wege 30 Anfragen an den Flügelspieler.

„Vergangenes Jahr hatten wir ein Probetraining vor rund 50 Uni-Trainern“, erzählt Timo Wirth. Er überzeugte, erwischte einen guten Tag und nutzte die Chance, nach den Einheiten mit den Trainern zu reden. Die Chemie zwischen ihm und dem Coach der Barry University stimmte. Wirth überzeugte mit Fitness, Wendigkeit, Mentalität und Technik. „Die suchten nach einem Flügelspieler“, sagt er. „Außerdem wird in den USA deutlich physischer gespielt als hier. Da passte ich ganz gut ins Profil.“

Wirth hatte auch Angebote anderer Universitäten, doch für ihn passte das Gesamtpaket in Miami. Auf den Sportanlagen dort trainierten bereits die brasilianische Nationalmannschaft, Real Madrid oder Paris St. Germain. „Es ist alles sehr professionell“, sagt Wirth. Unter anderem stehen Eisbäder oder ein Kraftraum zur Verfügung.

Ein großer Teil der Studienkosten wird übernommen

Und das sportliche Niveau? „Ich denke, es ist vergleichbar mit einer Herren-Oberligamannschaft bei uns“, sagt Wirth, der einen zusätzlichen Ansporn hat: Je besser er spielt, desto höher dotiert ist sein Stipendium. Im ersten Jahr werden etwa 80 Prozent der Studienkosten übernommen, dann wird neu bewertet. Das Gute aber: „Weniger als 80 Prozent werden es auf keinen Fall und ausgemustert wirst du auch nicht.“ Damit ist zumindest das Studium gesichert. Und was aus dem Traum wird, den Sprung ins Profilager zu schaffen, zeigt die Zeit. 

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