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Welcher Sport passt zu mir?

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Präsenzunterricht in den Schulen findet nur alle paar Wochen statt und das Training in Mannschaftssportarten war coronabedingt lange Zeit stark reduziert und reglementiert. Angesichts der vielen zur Verfügung stehenden Zeit überlegt aktuell so mancher, welche Alternativen es für die Freizeitgestaltung gibt.

Wir fragen: In welchen Sportarten ist ein unproblematischer Einstieg möglich? Nehmen Vereine überhaupt neue Mitglieder auf? Welche Voraussetzung sollten Sportler mitbringen und was kostet der Spaß? Vier Jugendliche im Alter zwischen 13 und 15 Jahren testen das in vier Vereinen aus den Regionen Heilbronn und Hohenlohe. Hannah, Selma, Mia und Jonas probieren, wie es ist, zum ersten Mal in einem Ruderboot zu sitzen oder wie lange man üben muss, bevor man einen ordentlichen Abschlag auf dem Golfplatz schafft.

Die – zum Zeitpunkt des Testlaufs noch strengeren – Corona-Regeln sind dabei bei allen vier Trainingsstunden großes Thema. Vor und während der Stunden erinnern die Trainer die Teilnehmer immer wieder daran, Abstände einzuhalten. Bälle oder Schläger dürfen jeweils nur von einer Person genutzt werden, das Ruderboot und die Skulls (Ruder) werden nach dem Training auf dem Wasser von den Sportlerinnen selbst gereinigt. Den Spaß an den Schnupperstunden unter freiem Himmel trüben diese Einschränkungen nicht. 

Tennis beim TC Nordheim

Die Tennisstunde beginnt vielversprechend. „Handballer können eigentlich immer auch gut Tennis spielen“, sagt Trainer René Posch. Die Bewegungsabläufe seien ähnlich und Ballsportler hätten gelernt abzuschätzen, wie sich der Ball verhält.

Also erst Schlägerhaltung bei Vor- und Rückhand erklären und üben – dann wird Jonas schon auf die andere Seite des Platzes geschickt. Der Auftrag von Posch: „Jetzt versuchen wir mal, den Ball mindestens zweimal hin und her zu spielen.“ Gar nicht so leicht, auch wenn allen Dreien schon einige ganz gute Schläge glücken. Nur mit dem Rennen zum Ball ist das so eine Sache. Posch zieht die Jugendlichen auf: „Tennis ist ein Bewegungssport“, sagt er und grinst.

Der TC Nordheim tut Einiges, um neue Mitglieder zu werben, erzählt der Vereinsvorsitzende Thomas Wierk: Man habe diverse Kooperationen mit Schulen und Kindergärten und jedes Jahr gebe es im Frühjahr ein Schnupperangebot für Einsteiger. Posch ist es wichtig, den Kindern Freude an der Bewegung zu vermitteln und sie zu motivieren. Bei den drei Testpersonen gelingt das hervorragend. Er lässt sie spielen und korrigiert immer wieder locker die Armhaltung und den Stand zum Ball. Dann fordert er die drei auf, sich gegenseitig zu verbessern. „Was, schon vorbei?“, meint Jonas nach einer Stunde auf dem Platz. „Das war mega!“

Beim TC Nordheim beträgt der Jahresbeitrag laut Mitgliedsantrag 65 Euro für Jugendliche bis 18 Jahre, wenn sie noch in Schule oder Ausbildung sind. Mindestens ein Elternteil muss zusätzlich passives Mitglied werden (40 Euro). Selbst zu kaufende Ausrüstung: Schläger und Bälle. Zusätzliche Kosten fallen für Trainerstunden an (häufig zwischen 25 und 30 Euro pro Stunde).

Im Video erklärt Trainer René Posch, dass Ballsportlern der Einstieg beim Tennis meist leicht fällt.

Rudern bei den Heilbronner Ruderschwaben

Bisher sei erst einmal jemand mit dem Trainingsboot, genannt „Trimmi“, gekentert, sagt Bernhard Münzing von den Heilbronner Ruderschwaben. Als Mia ihre erste Runde auf dem Neckar unterhalb der Rosenbergbrücke dreht, ist sie davon überzeugt, dass sie die zweite Person sein wird. Hannah saß schon einmal im Boot und kann sich nach ein paar Minuten wieder an die Bewegungsabläufe erinnern.

Damit die Mädels in der starken Strömung nicht abdriften, nimmt Trainerin Jasmin Seiler sie an eine Leine. Das ist auch nötig, denn wie die Skulls ins Wasser kommen und auf welcher Seite man rudern muss, um in welche Richtung zu fahren, ist zunächst nicht leicht zu verstehen. Auch deshalb, weil viele Begriffe unklar sind. Wo war noch mal backbord? Und was bedeutet „streichen“?

Bernhard Münzing sagt, Anfänger bräuchten in der Regel einen einwöchigen Kurs, bis sie die Grundlagen gelernt hätten, danach könnten sie das Erlernte eigenständig vertiefen. Auch viele Ältere entdeckten den Sport noch für sich – weil man an der frischen Luft seinen ganzen Körper schonend trainieren könne. Auch den sozialen Aspekt stellt er heraus – in normalen Zeiten sei man ja meist zu mehreren in einem großen Boot unterwegs. „Hat Spaß gemacht“, meint Hannah nach der Übungsstunde. Mia ist froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Die Mitgliedschaft bei den Heilbronner Ruderschwaben kostet laut dem Vereinsvorsitzenden Bernhard Münzing 246 Euro pro Jahr für Erwachsene, Jugendliche bezahlen 126 Euro und Familien 366 Euro. Boote sind Vereinseigentum und werden gestellt, Trainerstunden werden vom Verein bezahlt.

Der Ruderschwaben-Vorsitzende Bernhard Münzing sagt, die Nachfrage nach Ruder-Unterricht sei auch vor Corona schon hoch gewesen.

Leichtathletik bei der NSU

Mia hat zu kämpfen. Die Dehnübungen nach dem Warmlaufen waren schon anspruchsvoll, aber die diversen Hopserläufe zum Koordinationstraining, die danach kommen, sind die noch größere Herausforderung. Trainerin Lisa Glaeske lacht, macht den Bewegungsablauf langsam vor und schickt Mia und Hannah dann zu einer neuen Runde.

Der Einstieg in die Leichtathletik erfolge häufig bereits mit fünf oder sechs Jahren, sagt die Trainerin. Kinder probieren im Training alle Disziplinen aus, „das läuft sehr spielerisch“. Ab der U16 werde es dann für Neuanfänger schwierig, den Anschluss zu schaffen. Denn in diesem Alter spezialisieren sich Jugendliche in der Regel auf die Disziplinen, die ihnen besonders gut liegen und trainieren diese dann intensiv, meist mehrmals pro Woche.

Lisa Glaeske ist überzeugt, dass Leichtathletik so ziemlich für jeden geeignet ist. „Man bekommt ein gutes Körpergefühl, und jeder kann seine Stärken ausleben.“ Mia und Hannah sind begeistert davon, wie gut die Trainerin erklärt und auf jeden eingeht. „Aber das war verdammt schwierig“, lautet ihr zweites Fazit.

Der Beitrag für die Leichtathletik-Abteilung der Neckarsulmer Sport-Union liegt nach Auskunft von Trainerin Lisa Glaeske für Jugendliche bei 80 Euro (Hauptverein und Abteilung). Benötigt werden außer normalen Sportklamotten in den höheren Jahrgängen Schuhe mit Spikes, vor allem für das Training im Herbst und Winter.

NSU-Trainerin Lisa Glaeske sagt, ab der U16 spezialisieren sich Leichtathleten auf Einzeldisziplinen.

Golfen beim Golfclub Heilbronn-Hohenlohe

„Oh mein Gott, ich mache bestimmt den Rasen kaputt“, sagt Selma vor dem ersten Abschlag auf der Driving Range des Golfclubs Heilbronn-Hohenlohe. „Das macht nichts, das gehört so“, erwidert Trainer Sebastian Kübler. Gerade hat der den drei Gästen erklärt, wie der Schläger richtig zu halten ist, dann bekommt jeder Tees ausgehändigt. Diese werden in den Boden gesteckt und der Ball dann draufgelegt, damit er leichter zu treffen ist.

Jonas ist voll bei der Sache, einige seiner Bälle fliegen recht weit. Der Schwung sieht – zumindest für den Laien – schon ein wenig nach Golf aus. Die Mädels tun sich schwer damit, die Schlägerfläche gerade zu führen, der Ball geht häufig zur Seite weg. Sebastian Kübler erklärt die Haltung noch einmal und gibt den Tipp, sich lieber auf die Ausführung des Schwungs statt auf den Ball zu konzentrieren. Nach einigen weiteren Schlägen haben auch Selma und Mia Erfolgserlebnisse.

„Mit dem Golfen kann man mit drei Jahren anfangen“, sagt Kübler – sein ältester Spieler sei 82. Die Golf-Novizen sind alle drei begeistert. Vom lockeren Trainer, der schönen Umgebung und den schnellen Erfolgserlebnissen.

Der Jahresbeitrag für Jugendliche der Jahrgänge 2002 bis 2007 beträgt laut Gebührenordnung des Golfclubs Heilbronn-Hohenlohe 120 Euro. Die Ausrüstung für Kinder und Jugendliche kann geliehen werden. Kinder nehmen in der Regel am Jugendtraining teil. Dieses findet je nach Alters- und Leistungsgruppe ganzjährig oder zwischen Oster- und Herbstferien statt und kostet pro Kind zwischen 200 und 250 Euro im Jahr.

„Golf ist Sport“, bekräftigt Trainer Sebastian Kübler vom Golfclub Heilbronn-Hohenlohe. 

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