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Falken-Trainer Michel Zeiter: „Das offensive Eishockey bleibt“

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Seinen neuen Arbeitsplatz in Heilbronn hatte Michel Zeiter wegen der Corona-Krise bislang noch nicht inspizieren können. Die Reisebeschränkungen haben den neuen Falken-Trainer ausgebremst. Am Donnerstag aber fuhr der Schweizer nach Heilbronn, traf sich mit den Gesellschaftern und Stefan Rapp – dem seit dieser Woche im Amt befindlichen neuen Geschäftsführer.

Herr Zeiter, wurden Sie vom Wechsel des Geschäftsführers überrascht?

Michel Zeiter: Ich bin natürlich davon ausgegangen, dass die Zusammenarbeit mit Atilla Eren Bestand hat. Ich habe von diesem Wechsel in der vergangenen Woche erfahren, das ist das Business heute. Ich denke, dass die Heilbronner Falken das Beste für den Club wollen und sich deshalb dafür entschieden haben. 

Für Sie aber ein relevanter Wechsel: Bei der Kaderplanung und den anstehenden Verpflichtungen müssen Sie sich eng mit dem neuen Geschäftsführer abstimmen...

Zeiter: Definitiv. Die Zusammenarbeit wird sehr eng sein, das ist klar. Wobei man auch sagen muss, dass Atilla Eren in Bezug auf die Kaderplanung bereits einen hervorragenden Job gemacht hat. Der Verein will den erfolgreichen Weg weitergehen und daher die Mannschaft zu großen Teilen zusammenhalten. Wir sind auf einem sehr guten Weg – die Mannschaft hat bereits ein gutes Gesicht. 

Wie war der erste Eindruck beim Treffen mit Stefan Rapp?

Zeiter: Sehr gut, ich denke auch gegenseitig. Wir wollen beide das Gleiche, wollen Erfolg, den Leuten Freude machen – und wir sind uns beide bewusst, dass das harte Arbeit ist.

Worum ging es neben dem Kennenlernen noch?

Zeiter: Wir haben uns über das weitere Vorgehen abgestimmt. Ganz allgemein. Es ist nicht so, dass wir aktuell etwas schnell entscheiden müssen. Wir wollen in den kommenden Wochen kontinuierlich weiter an der Mannschaft bauen. 

Sie stecken schon mitten in der Analyse. Gibt es schon neue Erkenntnisse?

Zeiter: Sehr viele. Ich konnte die Spieler im Detail scouten und ihre Stärken erkennen. Ich bin ein Trainer, der auf die Stärken aufbaut. Weil wenn ich an den Schwächen arbeite, mache ich aus schwach nur weniger schwach. Das will ich aber nicht. 

Aber die Schwächen können Sie auch nicht vernachlässigen?

Zeiter: Natürlich gehören Schwächen dazu und die sprechen wir an. Aber ich bin fokussiert auf die Stärken. Klar ist, dass ich einige Dinge adaptieren, respektive optimieren möchte. 

Was genau wird das sein?

Zeiter: In der defensiven Zone möchte ich ein bisschen aggressiver spielen, in der neutralen Zone ein bisschen mehr Kompaktheit haben. Da ist der Fokus auf den 186 Gegentoren, die wie runterbringen wollen. Das offensive Eishockey wird aber bestehen bleiben, da möchte ich den Weg weiterführen, das Gute mitnehmen, was hier aufgebaut wurde. 

Welche Auswirkungen haben Ihre Erkenntnisse auf die Kaderplanung?

Zeiter: Im Prinzip ist es so, dass wir sehr interessiert sind, auf der Ausländerposition Kontinuität beizubehalten. Wir haben im Moment den Fokus auf einen Ersatz für Derek Damon. Der Rest konzentriert sich auf die Defensive, wo wir versuchen, bald Klarheit zu bekommen. 

Inwiefern merken Sie bei der Zusammenstellung des Kaders und den Gesprächen mit Spielern die Auswirkungen der Corona-Krise?

Zeiter: Für den Club ist das natürlich ein Thema. Man ist natürlich in der Ungewissheit. Es geht alles nicht so schnell, wie es normal wäre. Man ist auch vorsichtiger, muss das eine oder andere noch abwarten. Wir haben im Moment keine Gewissheit, wann wir spielen, aber wir müssen so arbeiten, als ob die Saison normal losgeht. Das ist ein Spagat, der nicht so einfach ist. 

Sind Spieler auch vorsichtiger, warten sie bessere Angebote ab - oder sind sie froh, wenn sie einen Verein haben?

Zeiter: Ich denke nicht, dass die Spieler momentan in der Lage sind und sich über Lohnerhöhungen Gedanken machen sollten. Ich denke eher, dass man in der jetzigen Zeit, froh sein muss, überhaupt einen Job zu haben. Die Krise wird sicherlich einen Einfluss auf die Lohnstruktur haben. Dafür müssen die Spieler Verständnis haben – und schlau bleiben. Höhere Lohnforderungen jetzt einzuholen, das wäre vermessen. 

Die Falken sind mit den meisten Spielern der Vorsaison im Gespräch. Bleiben Ihnen überhaupt viele Möglichkeiten, bei den Verpflichtungen Ihre Vorstellungen umzusetzen? 

Zeiter: Ich glaube, darum geht es gar nicht. Es geht darum, den erfolgreichen Weg weiterzuführen und darauf aufzubauen. Da bin ich selber daran interessiert, dass die Mannschaft zusammenbleibt. Die Mannschaft hat sich in einem sehr guten Zustand präsentiert. Interessant wird sein, was auf der Ausländerposition passiert. 

Zentrale Personalie wird die Nachfolge von Kapitän Derek Damon sein, der Herz und Kopf des Teams war. Haben Sie schon Spieler im Auge?

Zeiter: Wir haben einige interessante Kandidaten im Auge. Wir müssen nur die richtige Entscheidung treffen. Es ist durchaus möglich, dass wir einen Spieler holen, der vom Alter und der Erfahrung gleich ist. Auch, weil Derek Damon eine Leader- und fast schon Vaterfigur war. Es hat sich gezeigt, dass das sehr gut war. 

Was muss der Nachfolger mitbringen?

Zeiter: Am Ende entscheidet immer die Leistung. Das Profil ist klar: Er muss eine hohe Qualität haben, eine zentrale Figur sein, eine gute Ausstrahlung auf die Mannschaft in der Kabine und auf dem Eis haben. Und er muss gerade für die jungen Spieler ein Vorbild sein. Möglich ist auch ein jüngerer, dynamischer Spieler. Wir schauen dabei aber auch sehr auf den Charakter, weil der Teamspirit hervorragend war. 

Drei zentrale Positionen – Geschäftsführer, Trainer und Kapitän – wurden oder werden neu besetzt. Trotzdem ist der neue Geschäftsführer vorgeprescht und hat das Playoff-Heimrecht als Ziel ausgegeben. Damit hat er Ihnen keinen Gefallen getan...
Zeiter: Hohe Ziele stecken sollte man immer. Man muss realistisch sein, das ist das wichtige. Der eingeschlagene Weg mit den Möglichkeiten, die die Mannschaft dieses Jahr hatte, soll auch nächstes Jahr wiederholt werden. Deswegen ist das schon gut so. 

Der Trainer

Der 46 Jahre alte Michel Zeiter war bei den Heilbronner Falken Wunschkandidat für den Trainerposten. Wegen der Corona-Pandemie fand das Auswahlverfahren unter erschwerten Bedingungen statt – ausschließlich per Video. Als Spieler hatte Zeiter eine beeindruckende Laufbahn hingelegt: Mit der Schweiz nahm er an sechs Weltmeisterschaften teil, lief 123 Mal für die Eidgenossen auf. Hinzu kommen 838 Spiele in der ersten Schweizer Liga, die er vor allem für die ZSC Lions absolvierte.

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