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Einen eigenen Namen machen

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Lucie-Marie Kretzschmar bleibt dabei. „Es ist nicht unbedingt mein favourite, wenn der Papa live vor Ort ist. Er muss nicht nach Mainz und auch weiterhin nicht nach Neckarsulm kommen“, sagt die 20-Jährige schmunzelnd. Es ist nicht so, dass sie kein Familienmensch wäre. Im Gegenteil. „Aber ich bin dann immer besonders aufgeregt“, verrät die Tochter der Handball-Ikone Stefan Kretzschmar. Und ist froh, dass ihr Vater beim Neckarsulmer Auswärtsspiel gegen Bundesliga-Schlusslicht 1. FSV Mainz 05 diesen Sonntag (16 Uhr) nicht wieder live mit dabei ist. 

Zwar war die Nervosität Lucie-Marie Kretzschmar beim jüngsten 24:24 ihrer Neckarsulmerinnen gegen Halle-Neustadt nicht anzumerken, als ihre Familie und erstmals auch der prominente Papa live vor Ort waren. Stattdessen zeigte sie eine ihrer bisher besten Begegnungen für die Sport-Union. Vor- und Nachspiel waren aber, wie es die Neckarsulmer Nummer 33 weniger mag: „Sehr viel Trubel. Immer wieder wollte jemand Bilder machen. Ich habe mich nach der Partie zehn Minuten zu meiner Familie gesetzt. Effektive Redezeit davon waren vielleicht zwei Minuten.“

Mit kritischem Blick vom Papa

Was Stefan Kretzschmar ihr nach fünf Toren und einer Wurfquote von mehr als 80 Prozent zu sagen hatte, war nicht nur Lob: „Er hat mir gesagt, ich solle nicht so viel prellen vor dem Werfen. Mama sieht immer nur Positives und Papa ist, nach der Freude, kritischer.“ Natürlich ist Lucie-Marie Kretzschmar das Urteil des ehemaligen Weltklasse-Handballers wichtig. Und doch will sie sich in ihrem Sport einen eigenen Namen machen. 

Besonders in der Defensive ist sie dabei auf dem besten Wege. In der 6:0-Deckung steht die 1,79-Meter-Frau inzwischen als Stammkraft im Mittelblock. Den Muskelbündelriss der Vorsaison, ihre bisher langwierigste Verletzung, hat Kretzschmar bestens weggesteckt und ist in aufstrebender Form. Darüber, dass sie gegen Halle-Neustadt auch in der Offensive Akzente setzten, „war ich mega froh – ich habe es geschafft, die Chance zu nutzen“. 

Die Neckarsulmer Trainerin Tanja Logvin gibt dem Talent immer wieder Gelegenheit, sich zu beweisen. „Sie verlangt viel, aber gibt auch viel zurück. Das ist ein guter Grundstein für die Zusammenarbeit. Man spürt, dass Tanja Ahnung hat, auch praktisch, nicht nur von der Flimmerkiste“, sagt Lucie-Marie Kretzschmar. Logvin habe die Mannschaft mit ihrer Mentalität auf einen sehr guten Weg gebracht. „Zwei Punkte sind immer der Anspruch. Auch gegen Mainz.“

Hohe Ansprüche

Auch persönliche Ansprüche gäbe es gegen den vermeintlichen Außenseiter: „Alle hoffen auch mal auf Einsatzzeiten auf Positionen, die wir sonst nicht so oft besetzen.“ Unterschätzen werde man den punktlosen Kontrahenten trotz der klaren Rollenverteilung nicht, unterstreicht Kretzschmar: „Wir werden das Spiel nicht schon vorher abhaken und denken, dass es schon im Sack ist. Wir wollen über Tempo zu zwei Punkten und hoffen dabei, schon früh nicht mehr in Stress zu geraten.“ 

Den Stress der gesteigerten Anspannung hat Lucie-Marie Kretzschmar an diesem Wochenende nicht. Zumindest nicht in der Halle: „Aber am Livestream schaut Papa fast immer zu“, sagt sie.

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