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Durch Pippi Langstrumpf aufs Pferd

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Sophia Luisa Aland ist mutig und sie weiß, was sie will. In Estland ist die bald 15-Jährige aufgewachsen. Vor vier Jahren zog Familie Aland nach Deutschland, um der Tochter eine Karriere als Springreiterin zu ermöglichen.

Eine umzugsfreudige Jugendliche 

Über Schleswig-Holstein und den Nordschwarzwald führte der Weg Anfang des Jahres nach Leingarten. „Ich habe Landestrainer Jürgen Kurz gefragt, ob ich bei ihm reiten kann“, sagt Sophia Luisa Aland, die seit 2019 dem Junioren-Landeskader angehört. „Er hat mir die Möglichkeit eingeräumt.“ So stehen nun im Stall des 62-jährigen Pferdewirtschaftsmeisters in Leingarten drei Pferde der Jugendlichen vom SV Leingarten, die am Sonntag mit Naomy das wichtigste Springen beim Turnier in Schwaigern gewonnen hat, eine Prüfung der Klasse M*. 

„Ja“, nickt Jürgen Kurz mit Blick auf die umzugsfreudige Jugendliche, „Sophia ist mutig – und es funktioniert mit ihr im Stall.“ Sie sei ein sehr talentiertes Mädchen; aber auch noch ein Mädchen mit nicht ganz so viel Erfahrung. Rhythmusgefühl, Grundsitz und Auge seien gut, „sie muss lernen, alles noch exakter durchzuziehen“. Das hat in Schwaigern mit Naomy beim erst dritten oder vierten gemeinsamen Turnier bestens geklappt. „Wir haben die Aufgabe gut erledigt“, sagt Sophia Luisa Aland nach dem einzigen fehlerfreien Ritt der gesamten Prüfung. „Ich bin sehr zufrieden.“

Ziel ist Olympia

Das gelte übrigens auch für die neue Heimatstadt Leingarten („Es ist nicht zu groß und trotzdem schön“) und das Robert-Mayer-Gymnasium in Heilbronn, wo für sie am Montag die 9. Klasse begonnen hat („Schule ist wichtig“). Dass die Coronavirus-Pandemie den Neu-Start der Alands erschwert hat – Sophia Luisa hat drei ältere Brüder – würde die 14-Jährige nicht behaupten. Sie sieht es ganz pragmatisch und sagt: „Ich war trotzdem zuletzt quasi jedes Wochenende auf Turnieren und fand Homeschooling ganz gut.“ Denn so konnte sie deutlich mehr Zeit als sonst im Stall verbringen. Bei der Frage nach ihren Zielen huscht ein Lächeln über ihr Gesicht, selbstbewusst antwortet sie: „In zwei Jahren bei der Junioren-EM dabei sein. Und natürlich eines Tages bei den Olympischen Spielen.“ Na klar. 

In Schwaigern weht die estnische Fahne hinter dem Namen Sophia Luisa Aland. Für Estland mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern international zu reiten, dürfte einfacher sein, als für die Reiternation Deutschland – die sie nun aber fördert. Eine Schwedin ist übrigens dafür verantwortlich, dass sie mit neun Jahren auf einem Pferd saß: „Ich wollte so stark sein wie Pippi Langstrumpf. Und so habe ich mich für Pferde entschieden“, hat Sophia Luisa Aland vor zwei Jahren dem „Schwarzwälder Boten“ erzählt.

Große Zufriedenheit 

Dass in den vergangenen Monaten in der Region etliche Turniere wegen Corona ausgefallen sind, sei schade, aber das müsse man akzeptieren. Sie habe kein Problem damit, wie in Schwaigern mit Mundschutz, aber ohne Pferd bei der Siegerehrung zu erscheinen. Die Organisatoren waren zufrieden. „Die Reiter wussten, wie´s abläuft“, sagt Markus Kuhnle, der die Meldestelle managt. „Die Leute wollen“, fasst Oliver Schmiech, der zweite Vorsitzende des veranstaltenden RV Schwaigern, zufrieden zusammen. 

Auch Frank Uhde, Vorsitzender des Pferdesportkreises Franken vom RV Ilsfeld, erfreuen die Starterzahlen: „Es war alles besser besucht als bei den Meisterschaften, die Schwaigern sonst zu diesem Zeitpunkt ausrichtet. Die Reiter sind froh, dass sie wieder auf Turniere dürfen, sie waren ja monatelang kaserniert.“ Dass ausgerechnet in der schwersten Springprüfung am wenigsten Starter in den Parcours gingen, nämlich lediglich elf, war mit parallel stattfindenden Turnieren und dem allgemeinen Trend erklärbar – aber Sophia Luisa Aland kann das egal sein. Sieg ist Sieg.

Bedrohung für den Reitsport

Jürgen Kurz hält das Corona-Virus für eine Bedrohung des Reitsports. „Ich befürchte, dass der Fundus an Leuten noch kleiner wird“, sagt der Landestrainer aus Leingarten. „Über das Turnierreiten kannst du
deine Kosten nicht mehr reinbekommen.“ Derzeit sind alle Turniere als Late-Entry-Turniere ausgeschrieben. Das heißt für die Reiter: doppelte Gebühr, deutlich weniger Preisgeld. Und für Turniere muss derzeit zudem weiter gefahren werden. lm

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