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Michael Knaub wandelt auf schmalem Grat

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Geburtstage sind in Zeiten von Kontaktbeschränkungen keine Feiertage: Gäste sind größtenteils tabu, die Schar der persönlichen Gratulanten ist überschaubar. Insofern hatte Michael Knaub noch Glück, er durfte seinen 26. Geburtstag am Dienstag mit seiner sportlichen Familie begehen: Auf dem Programm der Heilbronner Falken stand statt des üblichen Trainings sogar ein Spiel, ein besonderes zudem: das Derby in Bietigheim. Ein Feiertag für Clubs, Spieler und Fans. Virtuelle Gratulanten wünschten dem Stürmer das Beste und ganz uneigennützig noch den Siegtreffer für den Abend. Die Voraussetzungen für einen gelungenen Abend in netter Runde waren famos. Doch der Geburtstag des Michael Knaub nahm eine ungute Wendung. Seine Feier versaute sich der 26-Jährige selbst: Nach einem groben Foul an Robin Just wurde er von der Partie ausgeschlossen, als es gerade lustig werden sollte. Es war der Wendepunkt. Denn ihre fünfminütige Überzahl nutzten die Gastgeber, drehten das Derby in ihre Richtung. Die Party damit: gecrasht.

Dumme Aktion

Bill Stewart nahm Knaub zwar in Schutz: Er habe das Richtige tun wollen, meinte der Trainer hinterher. Aber auch er kam zum Urteil, dass das „eine dumme Aktion“ war. „Du musst mit Kopf spielen, deinen Körper und Stock kontrollieren.“ Stewart sagte, dass Knaub am Abend der Traurigste von allen gewesen sei. Der Spieler selber durfte auch in den Tagen danach nichts sagen: Die Falken lehnten eine Interviewanfrage ab und wollten sich auch selber nicht äußern. Stewart hoffte am Dienstag aber noch, dass Knaub daraus lernt.

Zeit zum Nachdenken hat er: Der Disziplinarausschuss der DEL 2 hielt es für angemessen, ihn für fünf Spiele zu sperren. „Michael Knaub hat zum wiederholten Male einen Gegenspieler rücksichtslos verletzt bzw. deren Gesundheit gefährdet“, heißt es. Ein Denkzettel, sicher. Aber auch schwierig für Knaub: Für seine emotionale Spielweise wurde er 2020 in seinem ersten Jahr in der Liga zum Fan-Spieler gewählt. Mehr als 7000 Stimmen entfielen auf den Stürmer der Falken, der auf der anderen Seite 151 Strafminuten kassierte. In 26 Spielen. Aktuell sind es 82 in 25 Spielen. Deutlich humanere Werte, aber für viele keine Besserung. Michael Knaub wurde in den letzten Tagen in Foren angefeindet, auch von den eigenen Fans. Viele würden ihn gerne vom Hof jagen. So wie es der Verein mit Tim Miller getan hat.

Teamplayer

Das ist unwahrscheinlich. Am Sonntag erst lobte Manager Stefan Rapp Knaub für dessen Disziplin – dabei hatte er sich eine wüste Keilerei mit Brad Ross geliefert und vier Strafminuten kassiert. Eine gewisse Härte ist gern gesehen. Stewart schätzt Knaub als einen, für den das Team zuerst kommt. Der Coach forciert ein schnelles, hartes Spiel. Wie gemacht für Knaub, der indes auf einem schmalen Grat wandelt. Mit 1,95 Metern und 102 Kilo ist sein Körper per se eine Waffe. Das wusste schon Vorjahres-Trainer Alexander Mellitzer. „Er muss lernen, seinen Körper richtig einzusetzen“, sagte der. Denn Knaub ist im wahren Leben alles andere als ein Grobian. Vielmehr einer, dem man einen schönen Geburtstag wünscht.

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