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So leben die Frisbee-Spieler

Übersicht

 

 

Wer wissen möchte, wo die 797 jungen Frisbee-Spieler aus der ganzen Welt in Heilbronn untergebracht sind, muss nur dem Geruch folgen. Ein Hauch von Harzer Käse, feuchten Handtüchern, fettiger Pizza, frischer Erde und jeder Menge süßem Mädchen-Deo liegt in der Luft der Gustav-von-Schmoller-Schule. Nicht zu vergessen: Schweiß. Schließlich fliegt seit Dienstag täglich von 8.30 bis 20.30 Uhr die weiße Scheibe durchs Frankenstadion. Ultimate Frisbee ist eine Trendsportart, die jedes Sportlerherz höher schlagen lässt: Tempo, Dynamik und jede Menge spektakuläre Szenen.
 

 

 

Freundschaften

 

Zwischen müffelnden Turnschuhen und feuchten Badelaken, die zum Trocknen über ein paar Stuhllehnen geworfen wurden, suchen Nick Boucher und seine Freundin Sara Lawlor einen Moment der Zweisamkeit. "Ein Hotel wäre netter", gesteht die 17-jährige kanadische Nationalspielerin ehrlich ein. Dort sind lediglich die Japaner und Australier untergebracht. So gehört das Zähneputzen über dem kleinen Waschbecken im Klassenzimmer zwangsläufig zur Ultimate Frisbee Junioren Weltmeisterschaft in Heilbronn. "Es gibt aber Schlimmeres", lacht Saras Freund und Mannschaftskamerad, der 17-jährige Nick. Zum Beispiel, dass die männlichen und weiblichen Spieler der Kanadier nicht auf einem Flur untergebracht sind.
 

 

Matratzenlager

 

Da haben es die US-Spieler besser. Hier liegen die Schlafräume der Mädchen und Jungen nebeneinander. Natürlich wird auch hier nach Geschlechtern getrennt geschlafen. Dicht an dicht liegen die aufblasbaren Matratzen der 23 amerikanischen Spielerinnen im leeren Klassenzimmer. Die Tische und Stühle sind an die Wände geschoben. Aus Brandschutzgründen dürfen sie nicht in die Gänge gestellt werden. "Es ist wie eine großen Pyjama-Party", sagt die 17-jährige India Stubbs, die im U-20-Women-Team spielt. Eine Woche lang müssen die Spielerinnen auf alltäglichen Luxus wie einen Fernseher verzichten. Langweile kommt trotzdem nicht auf: Sally hat beispielsweise einen große Adler, das Wappentier der Amerikaner, an die Tafel gemalt. Statt eines Glücksbringers haben die Frisbee-Spielerinnen einen Tanz einstudiert. Geübt wird seit dem Freizeitcamp in Boston sozusagen rund um die Uhr. "Es schweißt uns noch mehr zusammen", erklärt India und erntet dafür Applaus.

Auch von den männlichen Teamkollegen Justin Norden und Spencer Diamond. Die beiden 18-jährigen Nationalspieler haben zur Unterstützung ihre Familien mitgebracht. "Im Anschluss wollen wir noch ein wenig durch Europa touren", erklärt Justin. Konkret heißt das: München, Prag und Rom in sieben Tagen.
 

 

Gute Stimmung

 

Treppauf, treppab – über die gesamte Schule sind die 19 Nationen verteilt. Im zweiten Stock haben die belgischen Spieler kurzerhand den Zugang zu ihrem Flügel mit der schwarz-gold-roten Flagge zugehängt. Dahinter türmen sich seit Montag die Turnschuhe mit Lehmklumpen. Dazwischen eine alte Kaffeemaschine, die die Sportler aus dem Klassenzimmer in den Flur verbannt haben.
Während die männlichen U-20-Spieler der Belgier mit Hilfe ihres iPods und mitgebrachten Lautsprecherboxen noch eine kleine Party feiern, machen sich die kolumbianischen Mädchen ein Stockwerk höher schon fertig für die Nacht. Ab 22 Uhr soll offiziell Ruhe herrschen. Während die US-Mädels von den großen und günstigen Eiskugeln in Heilbronn schwärmen, gibt es für die Kolumbianerinnen nur eins: "Döner." Der habe ihr richtig gut geschmeckt, erklärt Camila Pelaez. Und in ihren Augen typisch deutsch, denn "jeder isst so etwas hier".
 

 

Früh aufstehen

 

Noch mit nassen Haaren aber einem breiten Grinsen kommen die Schwedinnen vom Duschen zurück. Australien, Belgien, Lettland – alle souverän geschlagen. "Morgen geht es bereits um 8.30 Uhr weiter", erzählt Sara Nilsson. Seit fünf Jahren spielt die 20-Jährige Frisbee. Warum? "Es hat mich vom ersten Tag an einfach total gepackt."

 

 

 





 

 

 

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