Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Unfall am Beilsteiner Gymnasium

Übersicht


Ein Austritt der giftigen Chemikalie Brom im Chemie-Unterricht hat gestern einen Großeinsatz von Rettungsdienst und Feuerwehr am Beilsteiner Herzog-Christoph-Gymnasium ausgelöst. 13 Schüler einer neunten Klasse und die Lehrerin wurden zur vorsorglichen Behandlung in Krankenhäuser gebracht. Sie hatten über Halsreizungen und Atembeschwerden geklagt. 17 weitere Schüler der Klasse, die keine Symptome aufwiesen, wurden vom Rettungsdienst in der Turnhalle betreut. Die Schule wurde zur Sicherheit evakuiert. Alle Schüler und Lehrer, rund 800 Personen, mussten ins Freie gehen.


Beobachtung

Es war 13 Uhr, als die Lehrerin mit der Spezialglasflasche mit dem flüssigen Brom im Abzugsschrank für Chemikalien hantierte. Nach dem Öffnen stellte sie fest, dass der Luftabzug offenbar nicht eingeschaltet war. Bromdämpfe konnten sich nach Angaben der Polizei im Klassenzimmer ausbreiten.

Alle konnten das Schulgebäude selbstständig verlassen. "Bis jetzt war nichts Dramatisches festzustellen", sagte der Leitende Notarzt Guido Guntis Ciblis später am Einsatzort. Aber: Die 13 Schüler und die Lehrerin müssten im Krankenhaus mindestens 24 Stunden beobachtet werden. Brom könne auch größere Schäden auslösen wie Bronchialverletzungen oder ein Lungenödem.

Die Feuerwehr ließ niemanden mehr ins Schulgebäude. Im Chemiesaal, der im ersten Stock liegt, wurde mit weit aufgerissenen Fenstern gelüftet. Einsatzkräfte maßen in Atemschutzmasken mit speziellen Instrumenten Brommengen. Im Bereich der Abzugs habe man Brom in geringer Konzentration festgestellt, erklärte Kreisbrandmeister Uwe Vogel. Die letzte Messung im Abzug gegen 15 Uhr lag beim halben Wert der maximal zulässigen Arbeitsplatzkonzentration – also deutlich unter dem Grenzwert.

"Brom ist schwerer als Luft", erklärte Vogel, warum der Chemiesaal mindestens bis zum Mittwochmorgen gesperrt bleibt. Da sich der Stoff auch auf Boden, Stühle oder Tische lege, soll der Saal erst noch gründlich nass gereinigt werden. Ansonsten gilt: In der Schule findet wie gewohnt Unterricht statt.

Schulleiter Harald Gleitsmann stand mit den Rettungskräften in enger Verbindung. Er strahlte Ruhe aus. Gleitsmann ist selbst Chemiker. "Die Konzentration war extrem gering. Es gab keine ernsthafte Gefährdung", sagte er. Warum die Abzugs-einrichtung in dem Moment im Chemiesaal nicht eingeschaltet war, wusste er nicht.


Ruhiger Auszug

Feuerwehr und Rettungsdienst waren mit 66 Einsatzkräften vor Ort, darunter drei Notärzte. "Sie waren sofort zur Stelle", lobte der Schulleiter. Die Evakuierung der Schule lief in seinen Augen "sehr unaufgeregt und zügig" ab. Das Sekretariat verständigte die Eltern der Kinder, die in Krankenhäuser gebracht wurden.

Gegen 15.30 Uhr konnten auch die Schüler gehen, die zur Beobachtung in der Turnhalle geblieben waren. Sie waren locker. "War mal was anderes", meinte Leonie (14), die von Gratis-Apfelsaft und Gratis-Brezeln berichtete. "Wir bleiben immer cool", sagte Georgios (15). Für Oliver (14) steht fest: Die Formel von Brom "vergisst jetzt sicher keiner".



Giftiger als Chlor

Brom kommt in Bromiden, den Salzen der Bromwasserstoffsäure, vor. Die rotbraune Flüssigkeit bildet chlorähnlich riechende Dämpfe, die giftiger als Chlor sind. Elementares Brom ist zudem stark ätzend. Inhalierte Bromdämpfe können zu Atemnot, Lungenentzündung und Lungenödem führen. Ende September war im Chemiesaal des Zabergäugymnasium Brackenheim, ebenfalls Brom aus einer offenbar nicht richtig verschlossenen Flasche ausgetreten. Zwei Lehrer kamen damals ins Krankenhaus. Mehr dazu gibts [hier]




Chemieunfall am Herzog-Christoph-Gymnasium Beilstein - 18.10.11 auf einer größeren Karte anzeigen


Galerien

Regionale Events

Mallorca-Party

Am 17. August steigt die Mallorca-Party beim TTC Zaisenhausen.