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Besonders zimperlich waren die Schwarzjacken noch nie

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Gelbes Absperrband, Zäune aus Stahl, Vorlage einer Ausweiskopie und ein Gang durch den Metalldetektor: Dieser Tage wird vor dem Stuttgarter Landgericht ein Fall verhandelt, bei dem für Beteiligte und Zuschauer erhöhte Sicherheitsvorkehrungen nötig sind. Denn es geht nicht um Kleinigkeiten: Die zehn Angeklagten im Alter von 18 bis 24 Jahren müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sie gehören zu den "Black Jackets", einer Gang, die in Süddeutschland unterwegs ist.


 

Baseballschläger und Eisenstangen

Der Name der Gruppe fällt immer wieder im Zusammenhang mit Gewalt: eine Schlägerei auf einem Sportplatz in Stuttgart-Botnang, ein bewaffneter Übergriff auf den Türsteher eines Cannstatter Lokals, eine Massenschlägerei auf einem Esslinger Schulhof mit Baseballschlägern und Eisenstangen, bei der ein Unschuldiger lebensgefährlich verletzt und mehrere Wochen ins Koma geprügelt wird, eine Bandenrevolte in Horb. Und immer wieder gibt es Gerüchte über Kontakte zur Prostituierten-, Drogen- und Türsteherszene.



Die Schwarzjacken sind nicht mit bloßen Fäusten unterwegs, sie haben Schlagstöcke, Sturmhauben, Quarzhandschuhe, Jackos und Eisenstangen dabei. "Die Black Jackets sind eine äußerst inhomogene Gruppe", erklärt Ulrich Heffner vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg (LKA). Die verschiedenen Chapter sähen sich teilweise als unabhängig und verfolgten individuelle Ziele.


 

Mit Schlägereien im Internet geprahlt

"Eine Geschlossenheit ist nicht gegeben. Kleidung und Symbole erinnern an klassische Rockergruppen", sagt Heffner. "Aber es fehlt das Motorrad." Viele Mitglieder seien Jugendliche mit Migrationshintegrund: Iraner, Iraker, Serben, Afghanen. Auch Deutsche sind dabei. Manche Chapter seien äußerst gewalttätig. Gegründet wurde die Gruppe nach eigenen Angaben von dem Albaner "Sedat" in einem Heidenheimer Jugendhaus. "Er erreichte die Einigkeit der Nationen untereinander ? unabhängig von Mentalität, Religion oder Hautfarbe", heißt es auf der Internetseite der "Jackets".



Ulrich Heffner vom LKA meint aber: "Untereinander sind sich die Jackets auch nicht immer grün." Denn während einige Gruppierungen immer vorne mit dabei sind, halten sich andere Chapter im Hintergrund. Während die einen in Internet-Communities mit Schlägereien prahlen, verschwinden andere Seiten ganz aus dem Netz. "Wer sich so bedeckt hält, könnte etwas zu verbergen haben", weiß Heffner. Das LKA nehme die Gruppierung sehr ernst und beobachte deren Mitglieder genau.



Mittlerweile hat neben dem Chapter South (Stuttgart) vor allem die Abteilung in Horb von sich reden gemacht. Im August 2008 hatte dort ein Großaufgebot der Polizei und das Sondereinsatzkommando einen gewalttätigen Sturz des dortigen Präsidenten verhindern. "Nach den Verhaftungen rund um den brutalen Fall in Esslingen ist es um die Black Jackets in Stuttgart ruhiger geworden", erklärt Stefan Keilbach, Sprecher der Stuttgarter Polizei. ?"Wir haben aber rund 80 Personen genauer im Blick und das wird auch so bleiben ? von Verharmlosung kann keine Rede sein."

 

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