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Totgesagte leben länger

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Immer wieder wird die Malerei in der zeitgenössischen Kunst für tot erklärt. Wie lebendig sie ist und wie sie sich gegenüber Video, Fotografie und Computerkunst behaupten kann, zeigt die Ausstellung im Wasserschloss, in der rund 40 Kunststudenten ihre Arbeiten präsentieren.

Vom Surrealismus bis zur Op Art, von der Pop-Kunst bis zum Fotorealismus reicht die Palette in der ausgestellten Malerei, die ein vielfältiges Bild der Gegenwartskunst zeichnet. Dazu kommen ein paar Skulpturen in der Ausstellung, die vom traditionellen plastischen Gestalten bis zur Konzeptkunst eine relativ große Bandbreite umfasst.


Sexistisches Kleidobjekt

Bei aller Vielfältigkeit zeigt sich doch eine Gemeinsamkeit: Vorrangig gegenüber der abstrakten ist die figürliche Kunst, die sich aber nicht auf konventionelle Materialien wie Acryl in der Malerei und Bronze in der Plastik beschränkt, sondern diese um Lack oder Leinen erweitert.

So gestaltet Eva Elisabeth Wallner aus der Klasse Stephan Balkenhols an der Karlsruher Akademie aus Leinenstoff und Holz ein sexistisches Kleidobjekt, und Sara Wahl aus der Klasse von Franz Ackermann, ebenfalls Karlsruhe, überarbeitet mit Lack- und Ölfarbe eine Fotografie.


Facettenreich

Die Thematik der Akademiearbeiten ist facettenreich und schließt die klassischen Gattungen der Landschafts- und Porträtmalerei genauso mit ein wie das Thema "Raum" der modernen Kunst: Der Reigen der ausgestellten Arbeiten setzt ein mit einer Landschaft von Christopher Andersen, die sich dem Betrachter auf zugleich lesbarer und assoziativer Ebene eröffnet und den Eingriff des Menschen in die Natur thematisiert.

Auf dem Gebiet der Porträtkunst persifliert Li-Wen Kuo das Porträt des chinesischen Philosophen Konfuzius und verbindet die Darstellung der Ikone ostasiatischer Kultur mit der Deformation des Menschenbilds in der europäischen Kunst der Moderne. Einen spielerischen Umgang mit der Zentralperspektive bietet das Ölbild von Enrico Bach, indem er die Dreidimensionalität eines Raums in kubistisch anmutender Manier aus verschiedenen Perspektiven zusammensetzt.


Große Vorbilder

Die jungen Künstler setzen große Formate ein und arbeiten mit großzügigen Formen und Farbflächen. Erstaunlich ist dabei der Bezug auf kunstgeschichtliche Vorbilder: Die unbetitelte Bronze von Sascha Patzig aus der Klasse von Peter Chevalier an der Kunstakademie Stuttgart wäre ohne Rodin undenkbar.

Und Simon Czapla nimmt in seinem noch dazu als Altarbild arrangierten neobarocken Leinwandbild die gegenreformatorischer Malerei mit ihrem Lieblingssujet des Engelsturzes auf. Doch er verbindet es mit der Malkultur der Pop Art und so halten sich die Akademieschüler an den von Wim Delvoye formulierten Grundsatz: "Kunst ist ein Spiel mit Regeln, das man nur gewinnen kann, wenn man diese Regeln verändert."


Kunstakademien

Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart ist mit ihren rund 800 Studierenden die größte künstlerische Hochschule in Baden-Württemberg. Gegründet wurde sie bereits 1761 von Herzog Carl Eugen. 1854 wurde die Staatliche Akademie der Bildenden Künste von Friedrich I. von Baden ins Leben gerufen. Hier studieren derzeit rund 300 Nachwuchskünstler.


Info

Die Ausstellung läuft bis 2. Mai , geöffnet ist Mittwoch und Freitag bis Sonntag, jeweils von 14 bis 20 Uhr.





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