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Die Kunst des natürlichen Führens

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Die Co-Trainerin ist abgelenkt. Sie spielt lieber selbst, als zu helfen. Dauernd springt sie hin und her, schnappt nach der Leine. Dann entdeckt die Co-Trainerin hinter dem Waldschulheim in Kloster Schöntal auch noch ein Stöckchen. Ab da ist es mit ihrer Konzentration vorbei. Sie bellt lieber fröhlich. Richtig erkannt, die Co-Trainerin ist ein Hund.


Machtwort

Thorsten Scheuermann soll die Hundedame gerade durch einen Parcours führen. Doch die zwei Jahre alte Hexe will nicht so, wie Thorsten Scheuermann es gerne hätte. Nach einem kurzen Kampf um die Leine gibt Thorsten auf, erst beim zweiten Versuch klappt es besser. "Ich hätte wohl ein Machtwort sprechen sollen", denkt er später.

Das wäre eine Möglichkeit, sagt Christoph Tiebel. Er leitet das Institut für Sozialmanagement an der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau. Das Hundetraining ist Teil der Vorlesung über Management, die Tiebel in Künzelsau hält. "Emotionale Intelligenz im Management – Die Kunst des natürlichen Führens", heißt der Kurs mit Hund in Kloster Schöntal.

Die Studenten sollen gute Führungspersönlichkeiten werden. Wer Menschen führen will, muss auf andere eingehen können. Der Hundeparcours ist dafür ein gutes Training, findet Professor Tiebel. Hunde reagieren unmittelbar und direkt auf den Menschen: "egal ob Männlein oder Weiblein, egal ob Student oder Professor, egal was jemand an hat". Tiebel ist seit Jahren bei der Rettungshundearbeit des Roten Kreuzes dabei. So entstand auch die Idee zum Seminar.


Aufgaben bewältigen

Die Studenten sollen mit Hexe und der zweiten Hundedame, Rübe, verschiedene Aufgaben bewältigen. Fast wie mit menschlichen Mitarbeitern. Wie kann ich ihn zum Mitmachen motivieren? Wie reagiere ich auf das Verhalten eines Mitarbeiters? "Man kann das nicht eins zu eins von Hunden auf Menschen übersetzen, aber vieles ist übertragbar", erläutert Trainerin Ulrike Ernst. Ein Beispiel: Wer unsicher ist, dem gehorcht der Hund nicht. Wer zu dominant ist, nimmt dem Hund den Spaß an der Übung. Das kann auch unter Menschen passieren. Die Studenten müssen einen Mittelweg finden.


Video im Einsatz

Vielen Teilnehmern gefällt der Ansatz. Über 80 Studenten lernen an mehreren Wochenenden mit den Hunden. "Fast alle aus der Vorlesung wollten am Training mitmachen", erzählt Thorsten Scheuermann. Der 22-Jährige findet die Reaktionen der Hunde "sehr interessant". "Die reagieren nur auf das Verhalten und Emotionen", sagt auch sein Kommilitone Roman Eberhardt.

So könne man über das eigene Führungsverhalten viel lernen. Jeden Lauf von Student und Hunde-Co-Trainerin filmt Ulrike Ernst. Später analysieren die Studenten das Video und sprechen darüber, was sie besser machen können. Am Nachmittag üben die Studenten dann in Rollenspielen weiter – mit richtigen Menschen.


Emotionale Intelligenz

Wenn Manager soziale Beziehungen zu ihren Mitarbeitern aufbauen können und diese freundlich motivieren können, sind sie am erfolgreichsten, lernen die Studenten während des Trainings in Kloster Schöntal. Fähigkeiten, die dazu nötig sind, fassen Wissenschaftler allgemein unter dem Begriff "Emotionale Intelligenz" zusammen.

Dazu gehört es unter anderem, das eigene Verhalten reflektieren zu können und sich selbst motivieren zu können. Wichtig ist es allerdings auch, sich gut in andere hineinversetzen zu können und auf den jeweiligen Gesprächspartner ehrlich eingehen zu können.




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