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Rote Karte für Störenfriede

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Für einen 21-Jährigen endete der Abend in einer Pfedelbacher Disco brutal. Mit einem Flaschenwurf brach ihm ein anderer junger Besucher im November 2008 den Schädel. Nur selten begehen betrunkene Lokalgäste derart schwere Straftaten, doch wo Alkohol fließt, sind Aggressivität und Handgreiflichkeiten nicht weit. Hohenloher Wirte sprechen sich jetzt dafür aus, mit pöbelnden Gästen wie in anderen Städten Baden-Württembergs zu verfahren. Dort bekommen Störenfriede ein Hausverbot für alle Lokale in der Umgebung.


Junge glühen vor

"Ich würde so etwas begrüßen", sagt Jonny Samuel, Pächter des Öhringer "Zack". Vor allem im alten Zack im Öhringer Brenntenstock sei es bei speziellen Motto-Partys immer mal wieder vorgekommen, dass Betrunkene Streit gesucht hätten. Allgemein leiden Wirte darunter, dass jüngere Gäste beim sogenannten "Vorglühen" schon vor einem Lokalbesuch hohe Promillewerte erreichen.

"Die kommen schon betrunken zu uns", sagt Konstantin Papadopoulos, Inhaber der Künzelsauer Szene-Kneipe "Oxn". Mittwochs würden solche Leute vom Sicherheitsdienst an der Tür abgewiesen, am Wochenende sei aber keine Security zur Stelle. Für Papadopoulos wäre es eine gute Sache, wenn sich die Wirte in der Hohenloher Kreisstadt gegenseitig über renitente Störer informierten und stadtweit Hausverbote verhängten.


Überprüfung schwierig

Für die Polizei steht zunächst einmal fest, dass jeder Lokalbetreiber von seinem Hausrecht Gebrauch machen kann. Stadtweit geltende Lokalverbote betrachtet der Hohenloher Polizeisprecher Jürgen Baierl aber skeptisch. "Wer überprüft, ob so ein Zutrittsverbot überall beachtet wird?", fragt Baierl. Und wer bestimme, welche Störer auf die rote Liste gesetzt würden? "Man muss auch den Datenschutz beachten", fordert der Polizeisprecher.


Auf der Suche nach Stress

Im vergangenen Jahr hat die Hohenloher Polizei im Zusammenhang mit Gaststätten 24 Straftaten wie Körperverletzung und Beleidigung sowie 127 Ordnungswidrigkeiten registriert. Die Dunkelziffer ist freilich viel höher. "Wenn sich zwei Streithähne körperlich angehen, setzen wir sie vor die Tür. Dafür brauchen wir in der Regel keine Polizei", sagt der Pfedelbacher Disco-Betreiber Gerhard Gentele. Auch in anderen Hohenloher Lokalen werden die meisten Tumulte mit Hilfe des Sicherheitsdiensts oder eigenen Mitarbeitern geregelt.

Dennoch wären flächendeckende Hausverbote ein Fortschritt, meint Gentele: "Es gibt ja Leute, die grasen auf der Suche nach Stress die ganze Landschaft ab." Letztlich gehe es auch um die Gesundheit der friedlichen Gäste sowie der Angestellten, die raufende Betrunkene trennen müssten.


Lokalverbote

Flächendeckende Lokalverbote für Randalierer gibt es in mehreren Städten des Landes, unter anderem in Karlsruhe, Freiburg und Friedrichshafen. Seit zwei Jahren versucht die Polizei in Ravensburg, Kneipen und Discos für ein generelles Hausverbot zu gewinnen.

Bislang ohne Erfolg. Derweil spricht die Polizei in Friedrichshafen von einem Fortschritt. Bisher seien 20 Lokalverbote ausgesprochen worden, das habe die Szene beruhigt. In der Bodenseestadt treffen sich Polizei und Gastronomen einmal im Monat, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen.




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