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Spaß beim Rollenwechsel

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Melanie Kohlhaw ist in eine dicke Staubwolke eingehüllt. Das macht der 13-Jährigen aber nichts. Beim Girls’ Day hat sich die Realschülerin ganz bewusst für einen Tag auf der Baustelle der Firma Schneider Bau entschieden. "Das ist mal was anderes. Hier ist es dreckig und es gibt viele große Maschinen", sagt die Horkheimerin. Die findet das gut.

In über 300 Betrieben und Einrichtungen in der Region testeten Mädchen gestern, ob ihnen typische Männerberufe liegen. Parallel dazu versuchten sich rund 100 Jungen in Frauenberufen.


Einfacher

Der Motor surrt, die Rüttelplatte gleitet über den lockeren Schotter und verdichtet ihn. Die Achtklässlerin von der Mörike-Realschule Heilbronn lenkt die 400 Kilo schwere Maschine scheinbar mühelos. "Es war cool und überhaupt nicht anstrengend", sagt sie unbekümmert. "Durch die heutige Technik ist es für Mädchen etwas einfacher geworden, auf dem Bau zu arbeiten", erklärt der Bauleiter der Firma Schneider Bau, Ingo Meyer.


Geschick

An ihrem ersten Tag auf dem Baustelle braucht Melanie vor allem eins: Geschick und auch ein bisschen technisches Verständnis. "Das Radladerfahren hat gleich auf Anhieb geklappt", sagt Polier Erich Klenk. Er zeigt der Schülerin die Arbeit und ist sichtlich stolz auf seinen Schützling. Sonst hat der 54-Jährige fast nur mit Jungs zu tun. Denn bei Schneider in Heilbronn hat bis jetzt nur ein Mädchen eine Ausbildung gemacht.


Ausbildungsplatz

Waldemar Pusch hat am Boys’ Day seinen Ausbildungsplatz gesichert. Der Zehntklässler war einen Tag im Eugen-Bolz-Kindergarten in Amorbach. "Ich wollte schon vorher was in diesem Bereich machen und das Praktikum heute, hat mich noch bestätigt", erzählt der 16-Jährige. Dass er aber ab September wiederkommen darf, hatte er aber nicht erwartet. Eines der wichtigsten Dinge hat er gestern gelernt : "Ein Kind muss immer beachtet werden."

"Jungs sind begehrt als Erzieher, vor allem natürlich bei den Jungs", sagt Milena Jerschabek vom Kindergarten Hofwiesen in Flein. Tim Schmidt und Robin Britsch waren beim eintägigen Praktikum schnell die Stars im Kindergarten. "Am Anfang haben sie uns erst nicht beachtet", beobachtete der 14-jährige Robin. Seit die beiden aber mit den Kindern Fußball gespielt haben, ist die ganze Zeit eine Traube um die Mörike-Realschüler.

Die dreijährige Alina zieht am Pullover von Tim. "Kommst du mal mit", flüstert die Dreijährige kaum hörbar und senkt den Kopf etwas. Der Achtklässler aus Flein geht geduldig mit. Kaum ist er zwei Schritte gegangen: "Fußball, Fußball", rufen Jerome und Moritz und hüpfen begeistert auf und ab. Auch Alina hält plötzlich inne und schließt sich dem Chor an. Da bleibt dem Nachwuchserzieher keinen andere Wahl.


Girls’ und Boys’ Day

Seit 2001 schnuppern Mädchen jedes Jahr am vierten Donnerstag im April in Berufe, die für sie als eher untypisch gelten. Technische Unternehmen, Forschungszentren oder Hochschulen bieten ein breites Angebot an Informationen und Aktionen an.

Grundsätzlich kann jede Schülerin ab der fünften Klasse teilnehmen. Parallel dazu gibt es in Baden-Württemberg auch den Boys’ Day. Jungen erhalten einen Einblick in Berufe, in denen bisher meist Frauen zu finden sind.


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