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Jugendliche fühlen sich diskriminiert

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"In zehn Jahren habe ich das nicht erlebt, dass es hier eine Häufung solcher Gewalttaten gibt", sagt Guido Oetzmann. Der Jugendsozialarbeiter ist in Amorbach als Streetworker unterwegs. "Vom Sehen kenne ich fast alle", sagt er über die Jugendlichen in Amorbach und Plattenwald. "Ich denke schon, dass ich inzwischen eine Vertrauensperson bin."

Deshalb weiß Oetzmann, dass die Gewalttaten der vergangenen Monate unter den Jugendlichen ein großes Thema sind. Für die beiden Raubüberfälle im April und die Attacke auf einen 48-jährigen Mann im März fehlt der Polizei noch immer eine heiße Spur. Dem 48-Jährigen, der so brutal getreten und geschlagen wurde, dass er mehrere Wochen im Koma lag, geht es wieder besser. "Trotzdem kann er leider keinen entscheidenden Hinweis zu den Tätern geben", sagt Polizeisprecherin Yvonne Schmierer.


Von der Polizei verhört

"Natürlich ist da jetzt Angst vorhanden, vor allem Mädchen fragen mich, ob sie noch alleine durch den Wald laufen können", erzählt der Streetworker. Bestürzung über die Gewaltbereitschaft der unbekannten Täter werde häufig geäußert. Aber auch Ärger. Frust darüber, dass so viele von ihnen von der Polizei verhört wurden, teilweise Alibis angeben mussten. "Wenn sie zum fünften Mal kontrolliert worden sind, reicht es einigen." Auch Aussprüche wie: "Ja, ja – jetzt sind wir es wieder", hört Guido Oetzmann. Die Jugendlichen waren in den Fokus der Polizeiermittlungen geraten, weil der 48-Jährige, der im Wald zwischen der Amorbacher Sonnenhalde und Plattenwald Opfer einer Gewaltattacke wurde, angegeben hatte, dass die Täter Jugendliche gewesen seien.

Es sei den verschiedenen Gruppen bekannt, dass in den Orten über sie geredet wird und sie teilweise auch verdächtigt werden. "Die jungen Leute stellen sich die Frage selbst ja auch: War es jemand von hier oder nicht?", sagt der 45-jährige Streetworker. Ihm geht es dabei wie den Jugendlichen: "Eigentlich kennt man sich und kann sich nicht vorstellen, dass jemand von hier zu so etwas in der Lage ist."


Angst vor den Jugendlichen

Amorbacher und Bewohner des Plattenwalds hatten immer wieder Angst vor einer Gruppe geäußert, die sich an den Tennisplätzen am Wald zwischen Sonnenhalde und Plattenwald trifft und dort Alkohol trinkt. Der Pädagoge kennt auch diese Gruppe, ist regelmäßig mit ihr in Kontakt. "Wir sprechen über Alltägliches, über Dinge, die im Ort passieren." Auch die Gewalttaten der letzten Monate würden dort diskutiert. Die Angst einzelner Bürger vor dieser Gruppe hält er für unbegründet: "Sicherlich fehlt es manchmal an Respekt oder die Wortwahl ist nicht angemessen." Die Annahme, dass diese jungen Leute deshalb auch zuschlagen würden, sei ein Fehlschluss.


Vorurteile

Grundsätzlich sieht der Streetworker die Jugendkultur in Amorbach nicht als besonders problematisch an. "Ich will nicht behaupten, dass ich alles mitbekomme", aber mehr Auseinandersetzungen unter Jugendlichen als in anderen Orten sehe er nicht. Mit dem Vorurteil, dass die Ortsteile soziale Brennpunkte sind, kokettierten manche: "Viele schmücken sich mit einem Ghetto-Image, weil das als cool gilt, distanzieren sich aber ganz klar von Gewalttaten", erklärt er. Guido Oetzmann arbeitet gerne in Amorbach. Immer wieder gebe es Erfolgserlebnisse. "Zum Beispiel waren wir mit einem 20-jährigen Graffiti-Sprayer in Kontakt, der wegen Sachbeschädigung angezeigt worden war." Er werde jetzt von Schulen für Projekte gebucht.


Kriminalitätsstatistik

Nach der Kriminalitätsstatistik 2010 liegt Amorbach mit 3416 Straftaten je 100 000 Einwohner (Häufigkeitsziffer) unterhalb des Durchschnitts im Landkreis (3555 Straftaten je 100 000 Einwohner). Das Bad Friedrichshaller Wohngebiet Plattenwald liegt mit 4778 darüber.



Mehr zu den Gewalttaten in Amorbach:

[Behinderte Mann ausgeraubt]

[Brutaler Handtaschenraub in Amorbach]

[Mann lebensgefährlich verletzt]

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