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Jugendliche polieren ihr Image auf

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Vor der Anlaufstelle für Jugendliche in Möckmühl, der sogenannten ''Station'', gehen Lilli (15), Nico und Mustafa (beide 17) noch einmal die Interviewfragen durch. Dann geht es los: Begleitet von den Jugendsozialarbeitern Volkan Bölükbasi und Aiste Herrmann machen sich elf junge Leute mit Filmkameras und Mikrofon auf den Weg ins Rathaus.


Vorurteile

''Es ist interessant, was die Erwachsenen von uns halten'', sagt Lilli. ''Meistens heißt es asozial und Alkohol.'' Um diese Vorurteile zu entschärfen, drehen die jungen Leute einen Imagefilm. Initiiert wurde das Projekt vom Kiwanis-Club Möckmühl. ''Ziel ist, dass der Kunstgedanke gefördert wird'', sagt Sekretär Frank Hemmerich.


Bürgerumfrage

Erste Meinungen haben die Teenager schon bei einer Bürgerumfrage erhalten. Und die fielen überraschend aus: ''Ich habe erwartet, dass sie schlechter über uns denken'', gibt Nico zu. Er findet es ''top'', dass die Erwachsenen für Interviews bereit sind. ''Da merkt man, dass man denen nicht egal ist'', sagt Mustafa.

Auch Bürgermeister Ulrich Stammer steht der Filmcrew im Sitzungssaal Rede und Antwort. ''Was halten Sie von den Jugendlichen in Möckmühl? Was machen Sie, um Möckmühl für die Jugendlichen lebenswerter zu machen?'', wollen die Teenager wissen. Er sähe beide Seiten, antwortet Stammer, einerseits die unproblematischen Jugendlichen, andererseits die Zerstörung. Besonders hebt er die Vereine und Sozialarbeiter hervor, die die jungen Leute unterstützen. Er fordert die Teenager auf, sich mit ihren Wünschen ans Rathaus zu wenden.

Nach einer kurzen Pause geht es weiter zum Interview mit Polizeipostenführer Armin Dikel. ''Das sind die wenigsten, die uns das Leben schwer machen. Die erreicht auch die 'Station' nicht'', sagt er später über die Jugend Möckmühls. Er lobt die Arbeit der Anlaufstelle: ''Die bringen die Kinder von der Straße weg.''



Station

Astrid Wagner, die Vorsitzende der Aktiven Senioren Möckmühl und Umgebung, erwartet die Interviewer in den Räumen ihres Vereinsheims, genau über der ''Station''. Ihr ist der Dialog zwischen Jung und Alt wichtig. Wie es zu ihrer Zeit war, wollen Melanie (16) und Thomas (15) wissen. Wagner zeigt Familienfotos, erzählt, dass es früher weder Disco noch Computer oder Handy gab. Melanie ist beeindruckt: ''Man denkt immer, die alten Leute sagen das einfach nur so. Aber wenn man Fotos sieht, weiß man mehr zu schätzen, was man hat.''

Um sich selbst vorzustellen, erzählen die jungen Leute vor der Kamera, was Freunde oder Familie für sie bedeutet, wie sie ihre Zukunft sehen. Sie filmen ihr Zuhause oder ihre Lieblingsplätze in der Stadt.


Verantwortung

Neben der Dokumentation hat das Projekt ein zweites Ziel: Die Jugendlichen lernen, wie man einen Film dreht: ''Sie übernehmen die Verantwortung für die Kamera und deshalb auch für die Qualität'', sagt Bölükbasi.

Professionelle Unterstützung erhalten die Teenager von Regisseur und Kameramann Roy Herzog. Er ist eigens für das Projekt aus Berlin angereist. Die Teenager sieht er bereits mit anderen Augen: ''Ich habe viel von den jungen Leuten gelernt, davon, was denn so los ist. Am Anfang war es eine Horde Jugendlicher, aber nach zwei Tagen habe ich viele verschiedene Persönlichkeiten kennengelernt.''

In Deutschland gibt es rund 140 Kiwanis-Clubs. Sie unterstützen soziale Projekte. Der Kiwanis-Club Möckmühl wurde 2004 gegründet. Unter dem Oberbegriff ''Kunstsommer 2011'' fördert der Club dieses Jahr auch Vorhaben im künstlerischen Bereich. Etwa 50 junge Leute der Jugendanlaufstelle nahmen an dem Filmprojekt teil.

Bei den viertägigen Dreharbeiten wechselten sie sich ab. Die Jugendlichen waren stundenweise von der Schule freigestellt oder ließen sich vom Ausbildungsbetrieb beurlauben. Nach der Fertigstellung wird der Film voraussichtlich den Vertretern der Stadt Möckmühl und der Bevölkerung vorgestellt.

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