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Schulmusik, die Staunen macht

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Jubel! Beifall für Alice Sara Ott (24). In einer Mischung aus Staunen und Begeisterung begegnen 100 Wartbergschüler der jungen Pianistin. Gestern zu Besuch in der Werkrealschule, heute Konzert in der Harmonie: So funktioniert "Rhapsody in School" und schenkt Kindern ein musikalisches Erlebnis, das sie nie vergessen.

 

Kleine Vorstellung

Wenn abends das Publikum in Anzug und Abendrobe in Heilbronns Festhalle rauscht – was mag da wohl geboten werden? Den Kindern aus den Werkrealschulen bleibt das in der Regel ein Rätsel. Doch wenn heute Alice Sara Ott mit dem Württembergischen Kammerorchester Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 spielt, dann haben sie eine kleine Vorstellung von der großen Musik. Schließlich war die Pianistin ihr Gast.

Anderthalb Stunden musizierte sie für die 13- bis 15-Jährigen und erzählte viel aus ihrem Leben. Zum Abschied standen die Kinder Schlange für ein Autogramm. Francesca (13) und Askin (12) umarmten die Musikerin. So schön war's. So dankbar sind die Mädchen. Und die Jungen genauso.

Von Anfang an liegt ein Knistern in der Luft. Die Schüler sind still wie nie, als die junge Frau die improvisierte Bühne im Mufu, dem Multifunktionsraum, betritt. Sie trägt Jeans. Hochhackige Schuhe. Einen langen Streifenpulli. Lange, glatte Haare. Sieht so eine Superpianistin aus? Offensichtlich.

Ein Lächeln, ein stilles Staunen schleicht in viele Gesichter, als Alice Sara Ott das erste Mal in die Tasten greift. Franz Liszts Campanella. Da klingeln die Glöckchen und läuten die Glocken. Otts Finger jagen über die Klaviatur. Die Töne sprudeln in den Raum. Die Kinder horchen auf.

 

Ganz leise

Verlegen suchen sich Augenpaare. Andere schauen in sich versunken auf den Boden. Sie wissen, dass sie nicht schwätzen dürfen. Und tuscheln doch ein kleines bisschen, ganz leise. Solche Musik kann man doch nicht einfach unkommentiert vorbeirauschen lassen. Die Lehrerinnen mahnen mit Blicken, drücken auch mal vorsichtig eine Schulter. Und Alice Sara Ott lobt die aufmerksamen Schüler.

Mit drei war sie zum ersten Mal in einem Klavierkonzert. Ein Jahr musste sie betteln, bis sie mit vier endlich Klavierunterricht bekam. Mit fünf spielte sie schon vor 1800 Leuten. Also, die Kinder rechnen, tritt sie seit fast 20 Jahren öffentlich auf. Und trotzdem weigert sich die Deutsch-Japanerin auf Japanisch "Ich bin die Beste" zu sagen? Darauf kommt es doch gar nicht an, sagt sie: "In der Musik gibt es keine Besten. Jeder empfindet etwas anderes."

Die Pianistin sieht sich von Fragen bestürmt. Klar ist sie bei Facebook. Ja, sie hat sich mal schlimm verspielt, mitten im dritten Satz wieder mit dem ersten angefangen. Nur als sich die Kinder Beethovens Schicksalssinfonie wünschen muss Alice Sara Ott lachend passen: "Das kann ich nicht allein spielen, da sind 90 Mann auf der Bühne."

 

Rhapsody in School

Seit 2005 gibt es die Musikerinitiative Rhapsody in School. Die Besuche von Virtuosen in Klassenzimmern ermöglichen einen musikalischen Erstkontakt insbesondere für Kinder, die sonst niemals klassische Musik hören. In Heilbronn waren schon der Cellist Daniel Müller-Schott, die Violinistin Arabella Steinbacher und die Gruppe Spark in Schulen Gäste.

Alice Sara Ott spielt Mittwochabend in der Harmonie mit dem Württembergischen Kammerorchester Beethovens Klavierkonzert Nr.5. Das Konzert beginnt um 19 Uhr. Die Sechstklässler der Wartbergschule dürfen am Morgen noch in die Generalprobe.

 

 

 

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