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Farbenschlacht ist eröffnet

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Dumpfes Geballer oder strategisches Teamplay? Am Paintball scheiden sich die Geister. Für Fans gibt es seit dem vergangenen Wochenende eine Paintballhalle im Sinsheimer Gewerbegebiet In der Au – eine echte Rarität in Baden-Württemberg. Zum Auftakt reisten die Gäste aus Karlsruhe oder Heidelberg an.

 

Sprachcode

"Das ist doch das, wo man sich gegenseitig abschießt?", fällt der junge Mann mit der Tür ins Haus. Der freundliche Herr am Empfang des Paintball-Funparks weist den Jagdtrieb in die Schranken: "Abgeschossen wird hier gar niemand", sagt er beschwichtigend. Neulinge müssen den Sprachcode erst lernen. Die Druckluftpistole beim Paintball heißt Markierer, der Inhalt nicht Munition, sondern Paint. Wer vom Gegner einen Farbklecks verpasst bekommt, ist nicht getroffen, sondern markiert.

Man kann das als Spitzfindigkeit abtun. Es zeigt aber das Bemühen der Szene, aus der Ecke der martialischen Kriegsspielerei herauszukommen und als Sportler wahrgenommen zu werden. "Beim Fechten sagt doch auch keiner: Die stechen sich gegenseitig ab", hadert Franziska Weigele mit dem schlechten Image. Die Mannheimerin und ihre Geschäftspartner haben lange eine Immobilie gesucht. Die Tennis-Krise hat unzählige leere Hallen hinterlassen, meist wurden sie mit Indoor-Spielplätzen für Kinder bestückt. "Der Standort hier", schwärmt die Betreiberin, "ist ideal."

 

Strategie zählt

Das Einzugsgebiet bietet jedenfalls Potenzial, das wird schon am ersten Tag klar. "Viele aus der Gegend sind bis ins Elsass gefahren", sagt ein Besucher, der seinen Namen nicht nennen will. Aus Karlsruhe kommt Rodrigo Mora, der für die Farbenschlachten bislang auch Zugfahrten bis nach Stuttgart in Kauf nahm. Auch in Öhringen gibt es eine Paintball-Anlage. "Manche sagen, das ist kein Sport, auf jeden Fall ist es sehr anstrengend." Mora stülpt sich die Schutzmaske über, die innerhalb des von Netzen umgebenen Spielfelds absolute Pflicht ist. Sein Kumpel Sergey Arnold geht hinter einer roten Gummitonne in Deckung, die beiden Gegner nehmen auf der gegenüberliegenden Seite Platz. Die Spieler werfen sich hinter Hindernisse, schlagen Haken, rufen sich Kommandos zu, nehmen die Widersacher ins Kreuzfeuer.

"Raus", ruft einer. Er ist getroffen, nein halt, markiert. Die grüne Lebensmittelfarbe geht problemlos aus der Kleidung. Je nach Entfernung sind die mit 200 bar abgefeuerten Patronen aber allemal für blaue Flecke gut. Sergey Arnold geht mit weißer Weste vom Feld. "Eine Partie haben wir wegen der Strategie gewonnen", ist er sich sicher.

 

Rot ist tabu 

Neben dem Spielfeld erkundigen sich zwei Jungs nach Sparringspartnern. Sie spielen Paintball in der Liga, suchen Trainingsmöglichkeiten. So wird die neue Halle gleich zur Kontaktbörse für die Szene. Neben solchen Semi-Profis haben die Betreiber es aber auch auf Spaß-Schützengesellschaften abgesehen, die bei Junggesellenabschieden oder Geburtstagspartys den Nervenkitzel suchen.

Wer möglichst realistische militärische Manöver für Spaß hält, ist hier falsch. Die Auflagen sind streng. Minderjährige bleiben draußen. Tarnanzüge sind ebenso tabu wie rote Farbpatronen oder das Nachspielen von Kriegsszenen.

Rodrigo Mora und seine Kumpels sind nach drei Stunden bedient und sputen sich, zum Zug Richtung Karlsruhe zu kommen. Erst wird noch die eigene Ausrüstung im Koffer verpackt. Um ein paar blaue Flecke sind sie reicher, um 29 Euro pro Person ärmer. "Das ist nicht billig", findet Mora, "aber ein-, zweimal pro Monat wollen wir das machen."

                                   

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