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Bildung rückt in den Mittelpunkt

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Der Gebetsraum ist der Stolz der türkischen Gemeinde in Neckarsulm. Gebetsnische und Kanzel rahmen den Saal ein, über dem roten Teppich hängt ein 600 Kilogramm schwerer Kronleuchter von der Kuppel. Jeden Freitag finden sich hier mehrere Hundert Gläubige ein. Doch ab dem nächsten Jahr soll das neue türkische Kulturzentrum an der Rötelstraße mit noch mehr Leben gefüllt werden. Dann sollen rund 50 Schüler ab Klasse 5 ins Wohnheim nebenan einziehen. In jenen Trakt, auf den Yilmaz Kocak noch stolzer ist als auf die Moschee selbst. Der Vorsitzende des Vereins Kulturzentrum für Bildung und Integration, der die Einrichtung betreiben wird, gibt zu: "Wenn das Wohnheim nicht gekommen wäre, dann hätte ich das alles wohl auch nicht gemacht."

Mit "das alles" bezieht sich Kocak auf so einiges. Er koordiniert seit rund vier Jahren die Arbeiten auf dem Bau, mit seiner eigenen Sanitär- und Heizungsfirma hat er einige Aufträge auch gleich übernommen. Außerdem erarbeitet der Diplom-Ingenieur neben seinem Beruf derzeit auch das pädagogische Konzept, damit das Schülerwohnheim 2014 in Betrieb gehen kann.

 

Erfahrungen

"Ich bin natürlich kein Pädagoge", räumt Kocak ein. Dennoch habe er Erfahrungen, zum Beispiel durch seinen Sohn Alperen (16), der seit sechs Jahren in einer vergleichbaren Einrichtung in Rastatt lebt und sich dort schulisch deutlich verbessert habe. "Mit Rastatt bin ich in Kontakt, ein bisschen was abschauen darf man ja", sagt der 44-jährige Weinsberger. Die Bildung liege ihm am Herzen. Und ohne weitere Nachfrage wiederholt er, was er schon mehrfach erklärt hat: Es werde hier in Neckarsulm keine Koranschule entstehen.

Der Vater von zwei Töchtern könnte sich sogar vorstellen, dass in dem Wohnheim einmal Mädchen unterrichtet werden. Vorgesehen ist es nicht. "Das muss die Gemeinde entscheiden, da halte ich mich raus", so Kocak.
Noch geben sich in dem Neubau die meist türkischen Handwerker die Klinke in die Hand. Die Fliesen sind weitgehend verlegt, Lampen, Rauchmelder und Lautsprecher installiert, Türen werden gerade eingebaut. "Diesen Sommer soll eigentlich alles fertig sein, das haben wir uns persönlich als Ziel gesetzt." Aber ein Bau, der sich aus Spenden finanziert, brauche eben oft etwas mehr Zeit als geplant.

 

Noch keine Zahlen

Wie viel Geld bisher geflossen ist? Kocak sagt, er wisse es nicht. Was die Einrichtungsgegenstände noch kosten werden, möchte er sich gar nicht ausmalen. Aber er verspricht: "Wenn ich die Endabrechnung habe, kann ich es sagen."

20 Wohnräume mit je 26,5 Quadratmetern werden den Kindern und Jugendlichen im ersten und zweiten Obergeschoss zur Verfügung stehen. Dazu Klassenzimmer, ein 100-Quadratmeter-Seminarraum, Bibliothek und Computerraum mit je gut 50 Quadratmetern. Es ist Platz für mehrere Sozialpädagogen, Räume für Lehrer, Heimleiter und vielleicht auch einen Geistlichen. Denn zumindest am Wochenende soll Religionsunterricht angeboten werden. Priorität habe aber die ganz normale Schule, die in Neckarsulm besucht wird. Ganz klar formuliert Kocak: "Hier wird deutsch geredet." Nicht einmal türkischer Sprachunterricht sei geplant, nur die Religion werde wohl auf türkisch unterrichtet.

 

Läden vermietet

Schon etwas früher als das Wohnheim sollen übrigens die Ladengeschäfte im Erdgeschoss eröffnet werden. Ein Teeimbiss, ein Dönerladen, ein Friseur und ein "Tante-Emma-Laden" sind vorgesehen. Noch gebe es keine Pächter. Aber bald beginne die Suche, sagt Kocak. "Wir wollen ja auch ein paar Einkünfte haben."

                                               

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