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Die Stimme der Jugendlichen

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Es gibt ja diese Menschen, denen scheinbar nichts zu viel wird. Florian Nowack ist so einer. Manchen Kommilitonen dürfte die Belastung in einem Studiengang reichen – der Student der Hochschule Heilbronn (HHN) schrieb sich zusätzlich an einer Fernuniversität ein. Und wenn mal wieder über Politik geschimpft wird, dann will es der 23-Jährige nicht dabei belassen. Er will mitreden. Im Herbst reist er als Jugenddelegierter zur Generalversammlung der Vereinten Nationen. In New York wird er sich für die Themen der Jugend einsetzen – und vielleicht auch mal frech werden.

 

Delegation

Denn zwar ist Nowack wie auch Elise Zerrath, die andere Jugenddelegierte, ein Teil der deutschen Delegation. Aber im Gegensatz zu den hauptberuflichen Diplomaten sind die Jugendvertreter weniger an Konventionen gebunden. "Wir können frei das aussprechen, was die Jugendlichen uns mit auf den Weg geben", sagt Nowack.

Damit sie wissen, was die Jugend hierzulande bewegt, begeben sich die beiden ab April auf Deutschland-Tour. Dabei besuchen sie einerseits Jugendliche, die gesellschaftlich engagiert sind. Pfadfinder oder politische Jugendorganisationen. Genauso möchte das Duo aber Jugendliche treffen, die es in der Gesellschaft vielleicht schwerer haben: Junge Straftäter oder Migranten. "Wir wollen zeigen, dass das Programm nicht nur für die junge Elite da ist", sagt Nowack, der an der HHN zurzeit seine Bachelorarbeit in internationaler BWL schreibt.

Nowack selbst ist schon lange aktiv. Erst in der evangelischen Jugend in seiner Heimat Niedersachsen. Dann bei den Jusos und zuletzt verstärkt beim europäischen Jugendforum. Wie er das alles schafft? Zwei Studiengänge, eine Hiwi-Tätigkeit, ehrenamtliches Engagement? "Ich habe mich daran gewöhnt, wenig Schlaf zu brauchen", sagt der 23-Jährige lachend.

 

Bewerbung

Von der europäischen Plattform wechselt er nun auf die internationale. Die Anforderungen an Jugenddelegierte sind hoch, das Auswahlverfahren dauert etwa vier Monate. Die anfänglich rund 50 Bewerber werden von Runde zu Runde weniger – bis zwei übrig bleiben. "Wir müssen uns auf dem diplomatischen Parkett und auf der Straße bewegen können", erklärt Nowack. Heißt: Die Sprache der Jugend und die der Politiker verstehen.

Mit dem Vorwurf, die heutige Jugend sei unpolitisch, kann der 23-Jährige nichts anfangen. "An Politikverdrossenheit glaube ich nicht. Eher an Parteienverdrossenheit. Junge Leute engagieren sich deshalb lieber in Projekten – da sieht man eher, dass man etwas bewegen kann."

Bewegen und anregen, das will Nowack bei den Vereinten Nationen. Auch mit einer eigenen Rede. In der Politikwissenschaft wird zwar gerne von der Anarchie in den internationalen Beziehungen gesprochen. Forscher meinen damit, dass es keine Weltregierung gibt, auch die UN ist das nicht. Probleme werden immer noch zwischenstaatlich gelöst. "Ich werde im Oktober auch nicht die Welt retten", meint Nowack dazu. Aber ein bisschen besser machen, das wäre doch auch etwas.

               

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