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"Schmerzfrei" in der Harmonie

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Kommt ein Comedian in ein gewisses Alter: Da kann er zusehen, wo er bleibt. Weit und breit ist kein Vorbild in Sicht. Noch gibt es keine akzeptierten Elder-Comedians unter den ganzen Heerscharen von Jungspunden von TV-Persönlichkeiten. Aber nun droht sie eben allmählich doch, die große Fünf für Atze Schröder.

Der 50. Geburtstag steht vor der Tür. Was sich dahinter verbirgt? Die Verdammnis, immer jung bleiben zu müssen? Oder doch der Hoffnungsschimmer, dass man nachreifen darf? Das sind so die Fragen, denen sich Atze Schröder, der mit der affigen Ruhrpott-Herrendauerwelle, herumschlägt.
 

1900 Fans

Ein bisschen die Sau rauslassen, das möchte der Mann, der, wenn er nicht auf der Bühne steht, großen Wert legt auf Privatsphäre, immer noch. Auch in der Harmonie Heilbronn, wo ihm 1900 treu ergebene Fans an den Lippen hängen. Kann man nichts machen, ist wohl so ein alter Reflex. Ein bisschen muss Atze Schröder ja auch seiner blaugetönten Porno-Brille gerecht werden, er kann ja nicht über Nacht die Brille durch ein schwarzes Nerdgestell ersetzen.
 

Auf Du und Du

Also plappert er über Witze, die dann doch eher frei ab 18 sein sollen, was sie aber gar nicht sind. Atze markiert den Voll-Proll, den man ihm aber nicht so recht abnehmen will, und wirft ab und zu den Namen Fritz Wepper in die Runde. Das ist der ältere Schauspieler, bekannt aus "Derrick", mit dem er sich derzeit regelmäßig vor Gericht trifft. Das Publikum grölt. Freundschaftlich. Genauso wie es über andere Jung-Väter grölt, den Uli (Wickert), den Calli (Calmund) und den Jean (Pütz). Man ist schließlich auf Du und Du. Doch genug der Pflicht. Jetzt kommt die Kür. Atze Schröder hat sich in den letzten Jahren nämlich aufgeregt. Und wenn sich ein Atze aufregt, ist mit ihm nicht zu spaßen.

Über die verluderte Sprache regt er sich auf, à la "Coffee to go – jetzt auch zum Mitnehmen", über das Unterschichten-Fernsehen wie das "Dschungelcamp", das jüngst mit einem Grimme-Preis geadelt worden ist, und die Porsche fahrenden Taliban-Mütter, die ihre Kinder im Waldorfkindergarten, vulgo Öko-Guantanamo, abliefern.


Doktor Mabuse

Die grobschlächtigen Atze-Sprüche sind das eine. Was aus seinen kleinen Atze-Geschichten durchschimmert, das ist ein überraschend fein gezeichnetes Gesellschaftsporträt. Er ist gar nicht so "Schmerzfrei", so der Titel seines Programms, wie er tut.

Mit Sinn und Verstand greift Atze Schröder, jenseits der aktuellen Vulgaritätsdebatte, Themen auf. Die Sache mit den Herren und Frauen Doctores etwa, die keine mehr sein dürfen. Atze reiht sie in eine in ihrer ganzen Absurdität entlarvende Reihe mit Doktor Mabuse, Doktor Oetker und Doktor Stefan Frank ein. Das ist jener Arzt, auf den Frauen vertrauen dürfen.
 

Aristoteles und Co.

Ja, Atze und Herr Schröder, beide haben ihre Meinung. Auch zu Griechenland. Wenn Atze über Griechenland spricht, dann hört sich das so an: "Pythagoras, das ist doch der, der sagt, dass über ein gleichschenkliges Dreieck immer noch ein Tanga passt, oder?" Herr Schröder zieht es derweil vor, über die Kollegen von Pythagoras zu philosophieren. Die Herren Aristoteles & Co. Überraschung gelungen.

                                                           

                                                                                                         

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