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Einheitslehrer auf Gymnasialniveau

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Der klassische Gymnasiallehrer hat nach Ansicht einer unabhängigen Expertenkommission ausgedient. "Wir sind für den Einheitslehrer auf Gymnasialniveau", fasst Sybille Volkholz ihre Empfehlungen für die Reform der Lehrerausbildung in Baden-Württemberg zusammen. Die elf Fachleute wollen die Ausbildung für Haupt-, Werkrealschulen, Realschulen und Gymnasien in einem Studium zusammenfassen. Eigenständig bliebe das Lehramt für die Grundschulen.
 

Absenkung des Bildungsniveaus

Die Vorschläge scheinen maßgeschneidert für die grün-rote Konzeption der Gemeinschaftsschule, in der Schüler aller Leistungsstufen gemeinsam unterrichtet werden. "Damit wird das Totenglöcklein für das Gymnasium geläutet", fürchtet der Landeschef des Philologenverbandes, Bernd Saur. Für das Gymnasium seien akademisch ausgebildete Lehrer existenznotwendig. Saur spricht von einem "Angriff auf eine historisch gewachsene Schulform". Es drohe eine Absenkung des Bildungsniveaus insgesamt.

Volkholz, früher Schulsenatorin in Berlin, versucht die Befürchtungen zu entkräften. "Wir wollen die Fachexpertise hochhalten", betont sie. Die Arbeitsgruppe, zu der auch der Schweizer Vordenker der Gemeinschaftsschule Peter Fratton gehörte, sei gegen "Abstriche an den Fächern". Volkholz: "Es ist ein Irrglaube, dass bei leistungsschwächeren Schülern weniger Fachkenntnisse notwendig wären."

Das neue Lehramtsstudium soll auf das gestufte Modell mit Bachelor und Master umgestellt werden. Die Absolventen könnten sowohl in der Mittelstufe bis zur zehnten Klasse unterrichten wie in der Sekundarstufe II ab Klasse 10. Für die Ausbildung der Grundschullehrer wären weiterhin die Pädagogischen Hochschulen (PH) zuständig, bei der Ausbildung der Einheitslehrer schlagen die Experten eine Kooperation von Universität und PH vor. Für den Masterstudiengang sind neue "Professionell Schools of Education" vorgesehen.


Reformkonzept bis zum Sommer

Die für die Reform zuständigen Minister Theresia Bauer (Wissenschaft) und Andreas Stoch (Schule) wollen die Empfehlungen offen diskutieren. "Wir werden schauen, was passt", sagt Bauer vorsichtig. Die Umsetzung sei "nicht banal". Stoch kündigt auch eine Kostenanalyse an. Bis zum Sommer werde die Regierung ein Reformkonzept ausarbeiten.

Der SPD-Abgeordnete Stefan Fulst-Blei fordert eine "vorbehaltsfreie Diskussion" der Vorschläge. CDU-Landeschef Thomas Strobl sieht seine Einschätzung bestätigt, dass es "dieser Landesregierung um die komplette Abschaffung des Gymnasiums geht". Passend zur Einheitsschule gebe es jetzt den Einheitslehrer.

                                                                                    

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