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Historisches Lichdi-Lädle

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Das Bad Wimpfener Rathaus hat sich seit gestern in ein nostalgisches Kolonialwarengeschäft gewandelt: Apothekerschränke mit großen Bonbongläsern zieren das Foyer, Emailtafeln werben für Persil und Maggi. Noch bis zum 27. April ist das historische Lichdi-Lädle im Foyer beherbergt, das bereits bei seiner Eröffnung regen Zuspruch erfuhr.
 

Rund 70 Lichdi-Läden

"Wunderschön", urteilt Manfred Gieß, der mit seiner Frau Helga die Ausstellung bewundert. Er fühlt sich an alte Zeiten erinnert, als es in Bad Wimpfen neben dem alten Spital noch ein Lichdi-Lädle gab. "Die Mutter hat mich oft mit einer Sprudelflasche hingeschickt, um einen halben Liter Öl oder Essig abfüllen zu lassen." Und er merkt an: "Damals hatte man noch einen Bezug zu Lebensmitteln."

"Früher füllte man den Zucker von Hand in Spitztüten ab", erzählt Wolfram Glück, Enkel von Adolf Lichdi. Während sein Großvater vor allem im Sinsheimer Raum tätig war, betrieb dessen Bruder Gustav weitere Läden rund um Heilbronn. "In den 70er Jahren gab es in ganz Süddeutschland rund 70 Lichdi-Filialen", erzählt der gelernte Einzelhandelskaufmann.
 

Ans Herz gewachsen

Scheuermittel Ata, Edelseife Dalli oder der praktische Wundermop: Das historische Geschäft seines Großvaters ist Wolfram Glück ans Herz gewachsen. Mit Begeisterung zeigt der 70-Jährige den Besuchern Originalgegenstände und weckt damit auch bei jungen Besuchern Interesse: "Unsere Generation kennt das gar nicht mehr, die Art der Verpackung", staunt Sarah Layer (15). "Voll süß" findet Selina Vogt (16) die Ausstellung, mit der sie sich wie in einen großen Kinderkaufladen versetzt fühlt.

Gemeinsam mit Jessica Kühn blättern die Teenager im Gästebuch. Prompt entdeckt Sarah ein Foto, das sie als Kind im Lichdi-Laden zeigt. "Mit Oma und Opa war ich zweimal in Sinsheim zu Besuch." Im Keller seines Hauses hat Wolfram Glück den Kolonialwarenladen normalerweise aufgebaut und etliche Nostalgiefans empfangen. Mehrfach hat er im Sinsheimer Museum ausgestellt, zudem in Eppingen. In Bad Rappenau lockte er in vier Wochen mehr als 12 000 Besucher an.
 

Humorige Ergänzung

"Schön nostalgisch", findet Kurgast Jutta Hartmann aus Waldkirch. Ihr Mann Dieter entdeckt ein grünes Emailschild: "Das Waschmittel haben meine Eltern früher benutzt." Liebevoll hat Wolfram Glück die Ausstellung an acht Tagen in Bad Wimpfen aufgebaut: die Kosmetik-Abteilung mit echter Nivea-Creme und Froschfett, die Wein-Schatztruhe, die Sarotti-Mohren, der Kassenbereich mit bunten Dosen oder der kunstvoll verzierte Kaufmannsschreibtisch. Massive Holzschubschränke beherbergen Leckereien, darunter entdeckt Jara Berger (8) zwei Plastikmäuschen und eine echte Falle als humorige Ergänzung.

Der Verkauf von Nudeln, Schokolade, Kaffee, Gewürzen, Backzutaten oder Schleichtieren sorgt für Wiederbelebung. Stadtführerin Helma Göhring hat eine Flasche Sekt erstanden und freut sich, dass sie den Preis dafür in die historische Registrierkasse aus Gusseisen selbst eintippen darf. "Die Ausstellung ist schon was Besonderes und was Tolles für Bad Wimpfen."
 

Wie beim Großvater

Claus Brechter freut sich über das Déjà-vu-Erlebnis: "So habe ich es als kleiner Junge bei meinem Großvater in seinem Neudenauer Geschäft erlebt", erinnert sich der Bürgermeister. Als gebürtiger Bad Wimpfener genießt es Wolfram Glück, in der Stauferstadt seinen Lichdi-Laden für einen Monat wiederzueröffnen: während der Öffnungszeiten des Rathauses, zudem am Wochenende von 10 bis 17 Uhr.

                                                                          

 

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