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Im Drehbuch steht ein Überfall

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Hektisch zieht er an einer Zigarette und schaut sich nervös um. Die Einfahrt zur Tankstelle ist frei, an den Zapfsäulen nichts los, im Laden nur die Kassiererin. Jetzt oder nie. Der junge Mann zieht eine Pistole aus seiner Gesäßtasche. Klick, klack, er lädt die Waffe, zieht sich ein Tuch bis unter die Augen und marschiert los.

"Und Schnitt." Die Szene ist im Kasten. Wer am vergangenen Freitag bei Spathelf in der Happelstraße tankte, wurde zum überrumpelten Statisten. Für einen Werbespot drehte Dozent Dr. Volker Hahn mit seinen Schülern von der privaten Akademie für Kommunikation fünf Szenen in Heilbronn. Auf dem Weg zur Fachhochschulreife entwickeln die Schüler für das Fach "Film und Video" gemeinsam ein Skript und drehen. Aus 90 Minuten Material schneidet jeder seinen Spot von 45 bis 150 Sekunden Länge.
 

Vom Liebesbrief zum Überfall

Eine heikle Szene steht für den letzten Drehtag im Skript: der Überfall auf eine Tankstelle. Für einen Werbespot? Ja. "Es geht um die Werbung für etwas Altmodisches, Feder und Tinte", erklärt Hahn. Die Geschichte ist skurril: Ein junger Mann schreibt einen Liebesbrief. Sein Stift läuft aus. Er dreht durch, seine Mutter wirf ihn raus, er landet auf der Straße und wird kriminell. Mit Feder und Tinte wäre das so nicht passiert, mutmaßt das Skript.
 
Ob Drama oder Komödie, die fertig geschnittenen Spots bewertet Hahn im Juli. "Gelungen heißt: eine gute Mischung aus Unterhaltung, Tempo und dem Wesentlichen."
 
Übung haben viele der 16 Schüler zwischen 16 und 22 Jahren. "Filme und Videos begeistern uns. Viele sind Hobbyfilmer", sagt Jan Feinauer und setzt sich Kopfhörer auf. Gedreht wird schweigend, was der Erzähler sagt, soll jeder selbst entscheiden. Trotzdem hört das Team genau hin. Johanna Lenhart stemmt eine Tonangel mit Mikrofon.
 

Polizei und Tankstelle informiert

"Ich nehme Geräusche auf, die später eingefügt werden können." Jeder hat seine Aufgabe am Set. Mustafa Bakisgan sorgt etwa als Aufnahmeleiter für einen zügigen Ablauf. "Ruhe – wir drehen!" Das Startzeichen für Regisseurin Tatjana Winkler: "Und bitte. Kamera läuft." Sie hat das nach offiziellen Regeln erstellte Skript studiert. Wann wird eine Nahaufnahme gedreht, was machen die Darsteller, wo steht die Kamera, sollen Töne wie das Laden der Pistole gesondert aufgenommen werden? Das Filmen ist Kay Raidls Aufgabe. Er hat die Softair-Waffe, die er sonst für sportliche Zwecke nutzt, als Requisite mitgebracht.
 
"Eine Waffe in der Hand zu halten, ist ein komisches Gefühl", sagt Darsteller Johannes Mantsch. Seine Rolle spielt er authentisch. Auch wenn die Schüler mit ihrer Ausrüstung sofort als Filmteam zu erkennen sind, wurden Polizei, Ordnungsamt und die Tankstelle informiert. "Ein Überfall ist ein heikles Thema", sagt Tankstellenleiter Udo Spathelf. "Wir haben uns das gut überlegt und wollen den jungen Leuten die Chance geben, an einer echten Tankstelle zu drehen."
                            

 

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