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Meditieren, schweigen und beten

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Schlicht ist der Raum hergerichtet: ein Holzkreuz an der Wand, Kerzen auf rotem Tüll, ein Teppich. Manche ziehen ihre Schuhe aus. Im Kerzenschein sucht jeder einen Platz. Wo kurz zuvor noch fröhlich der neueste Semesterklatsch ausgetauscht wurde, wird es still. "Silence" steht vorne auf dem Bildschirm eines Laptops.

Miteinander meditieren, schweigen, beten, essen und in den Alltag aufbrechen, darum geht es jeden zweiten Dienstag im Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindezentrum in Sontheim, wenn die evangelische und katholische Hochschulgemeinde (EKHG) zur Taizé-Andacht einlädt.
 

Wirkung der Stille

Die Hochschulgruppe ist allen offen, nicht alle studieren, nicht alle sind tiefgläubig. "Meistens kommen zehn bis 20 Personen", erklärt Student Niko Mitulidis (22). Vor Ostern wollen sich manche einstimmen, andere freuen sich auf das gemeinsame Abendessen und Gespräche oder kommen zum Abschalten. 
 
Das Kerzenlicht tut gut, die Augen entspannen. Dann wirkt die Stille. Irgendwie bremst sie das alltägliche Gedankenkarussell im Kopf. Jetzt ist die Stimme gefragt. Ungewohnt, sich selbst mal wieder singen zu hören. Corinna Hüttl (23) begleitet auf der Gitarre, der Laptop zeigt Nummern des Taizé-Gesangbuchs. Wie ein Mantra wird wiederholt, im Kanon und mehrstimmig, dazwischen Bibelstellen gelesen, Fürbitten gesprochen, geschwiegen. 
 

Initiative der Studenten

Seit drei Jahren gestalten Studierende den Ablauf. "Die Gruppe gibt es aber seit mehr als 20 Jahren", sagt Michael Dieterle, Pastoralreferent und Hochschulseelsorger. Mit dem evangelischen Hochschulpfarrer Christof Gebhardt freut er sich über die Initiative der Studierenden.
 
Manche von ihnen waren schon in Taizé. "Der Wochenablauf dort erinnert an die Karwoche", sagt Katharina Hamernik (28). "Freitag wird als Karfreitag gefeiert, samstags ist eine Lichtfeier, sonntags werden Auferstehungslieder gesungen." Niko Mitulidis begeistert die Atmosphäre in Taizé. Die möchte er auch am Studienort erfahren. "Das ist schwer in Worte zu fassen", sagt er. Ihn faszinieren das Singen und Beten in der Gemeinschaft, die Gespräche "über Gott und die Welt".
 

Ankerpunkt im Alltag

"Sorgen bleiben vor der Tür", findet Corinna Hüttl. Man lernt Freunde kennen, so Stephi Völkl (24). "Eishockey hätte mich heute auch interessiert", gibt Alexander Armbruster (20) zu. Er entscheidet sich für das Entspannen bei der Andacht.
 
Von zuhause her sei er nicht stark im Christentum verwurzelt, erklärt Patrick Dumrose (27): "In der EKHG finde ich einen Ankerpunkt." Stressig sei der Alltag. "Aber hier tritt man auf die Bremse", sagt Fabian Meißner. Dem 27-Jährigen gefällt die Gemeinschaft mit den anderen Studierenden. Ein bisschen ist es wie Ostern und das gemeinsame Feiern im Familienkreis.
                                                        

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