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Nur nicht langweilen

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Stefan Schletter leitet ab der kommenden Spielzeit das Junge Theater. Er will mit der Offenheit von Kindern arbeiten, um das Publikum anzusprechen.

Wer in Garmisch-Partenkirchen geboren wird, kann in der Regel früh skifahren. Bei Stefan Schletter, Jahrgang 1968, ist das nicht anders. Mit 16 zieht er mit seinen Eltern in die somalische Hauptstadt Mogadischu. "Das klingt heute absurd", sagt der designierte Leiter des Jungen Theaters Heilbronn, "aber es war mein erstes Abenteuer".
 

Theater lieben lernen

Sein Vater ist beruflich als Berater für die einheimische Polizei tätig. Stefan Schletter hat das Land, in dem es heute an jeder gesetzlichen Struktur mangelt, als „traumhaft, aber sehr arm" in Erinnerung. Weil es in Somalia keine deutsche Schule gibt, zieht er 1200 Kilometer weiter nach Nairobi in Kenia, während die Eltern in Mogadischu bleiben. Für das Abitur kehrt er allein nach Deutschland zurück. In Mainz studiert Stefan Schletter Politikwissenschaften, Ethnologie und Afrikanistik: "Erst in dieser Zeit habe ich das Theater lieben gelernt", sagt der 46-Jährige.

Auf der Suche nach einem Studentenjob ergattert Schletter eine Statistenrolle in "Nathan der Weise" am Staatstheater Wiesbaden. "Dann ging es Schlag auf Schlag": Es folgen Regieassistenzen, Beleuchter- oder Inspizientenjobs – fast alle Theaterabteilungen durchläuft er. Ihm kommt zugute, dass er sich für alles interessiert: "Eine neue Welt tat sich für mich auf. Ich war angekommen in Deutschland", erzählt Schletter rückblickend.
 

Junges Publikum

Intendant Achim Thorwald stellt ihn 1999 als Regisassistent am damals noch neuen Jungen Staatstheater Wiesbaden ein und ermuntert ihm zum Regieführen. Bald steigt er zum Hausregisseur auf und übernimmt 2010 unter Intendant Manfred Beilharz die Leitung des Jungen Staatstheaters. "Kinder- und Jugendtheater ist mein Steckenpferd, so bin ich sozialisert worden", sagt Stefan Schletter. Vor allem interessiert ihn das Publikum "in einer faszinierend großen Bandbreite von drei bis 16 Jahren".

Es ist die unmittelbare Reaktion und die direkte, unverbildete Anteilnahme des jungen Publikums, was ihn so berührt. "Kinder sind generell offen für alles. Man darf sie nur nicht langweilen", benennt er die größte Sünde des Kindertheatermachens.
 

Bildungsauftrag

Im Gegensatz zu früher ist die Aufmerksamkeitsspanne und Konzentrationsfähigkeit der "160-Zeichen-Generation" für längere Texte zwar gesunken, aber Schletter will sein Publikum auch "gezielt überfordern" zum Live-Zuhören ohne Fernbedienung. "Wir haben ja schließlich einen Bildungsauftrag." Die Zusammenarbeit mit drei Theaterpädagoginnen ist für ihn "Luxus" und "Gold wert für das Theater und die Stadt". Heilbronn hat Schletter als "offen und veränderungswillig" kennengelernt. Eine seiner ersten Aufgaben am neuen Wirkungsort wird sein, alle Kooperationsschulen abzuklappern.

Die alten Kammerspiele sollen mittelfristig als Boxx zu einer Plattform für junge Kultur jeder Couleur werden, ein eigenes Ensemble soll ab übernächster Spielzeit stehen. Schletters Kinder, die Zwillinge Paul und Leander (13) und Tochter Sophie (18) sind seine "Experten des Alltags" und Inspirationsquelle zugleich. In jeder freien Minute liest er. Und ist bemüht, viel von der Welt zu sehen. In Wiesbaden realisiert er derzeit ein Projekt mit dem Kosovo.
                 

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