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Angst vor Mathematik

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Das alte Jahr endete mit Lernen, im neuen geht es gerade so weiter: Die Abiturienten sind im Endspurt ihrer Schulkarriere – bloß noch zehneinhalb Wochen bis zu den schriftlichen Prüfungen. Vor allem Mathematik zwingt sie, auf den Hosenboden zu sitzen. In Stadt und Landkreis Heilbronn und im Hohenlohekreis wollen 2107 Schüler ein möglichst gutes Abitur hinlegen. Da hilft nur eines: Pauken, am besten in einem Kurs.

"Sich selber hinsetzen, ist viel schwerer", sagte sich Elena Fischer (18) und pendelte jetzt während der Weihnachtsferien fünfmal zum Mathe-Pauken von Hagenbach nach Brackenheim. Acht Leute saßen in dem Volkshochschulkurs, und Elena war einfach "froh, dass ich ihn mache". Denn die Mathe-Prüfung am 19. März, so ihre Einschätzung, "wird mit Sicherheit das Schwerste. Ich freue mich nicht wirklich drauf." Um die acht Punkte schafft sie bei den Klausuren meistens, gerne hätte sie mehr. Die Mathenote soll ihr nicht den Abischnitt verderben.

 

Run auf Kurse


Die Haltung bewegt viele Abiturienten, jetzt Kurse zu belegen oder schon während ihres letzten Schuljahres Nachhilfe zu nehmen. Volkshochschulen (VHS), Nachhilfeinstitute, die Akademie für Innovative Bildung und Management, auch die Aktion Bildungsinformation in Stuttgart haben ihr Angebot stark vergrößert. Viel mehr Schüler im Allgemeinen, vor allem aber auch Abiturienten, lassen sich helfen, beobachtet Heiko Schwarz, der gerade an der VHS Lauffen einen Mathekurs laufen hatte.

Am Stoff, so ist sein Eindruck, könne die wachsende Nachfrage nicht liegen. Es werde nicht mehr verlangt als früher, das Matheabitur selbst hält er sogar für "eher ein bisschen leichter". Die Hälfte, der Pflichtbereich ohne Rechner, ist "sehr kalkulierbar", pflichtet Hans-Dieter Eitel, VHS-Matheabitur-Helfer in Heilbronn, seinem Kollegen bei. So sei es für fleißige Schüler besser geworden, in Mathematik zu bestehen. Die Krux ist vielmehr für viele, dass sie dem als so schwer empfundenen Fach nicht mehr ausweichen können. Alle müssen in Mathe ran, so wollte Kultusministerin Annette Schavan vor Jahren das reformierte Abitur wieder aufwerten.

 

Superleistungsfach


Eine Aufwertung, die die Mathematik in der Schule zum Superleistungsfach gemacht habe, kritisiert Frank Jänicke die Entwicklung: "Mathe braucht deutlich mehr Zeit als alles andere." Der Abiturientenvater findet die Anforderungen schlicht zu hoch, da werde Leistungskursniveau von allen Schülern verlangt. Zwei Drittel der Jahrgangsstufe 12 am Katholischen Bildungszentrum St. Kilian Heilbronn hätten Nachhilfeunterricht, berichteten Schüler ihren Eltern. In anderen Gymnasien sei das nicht anders, ahnt Jänicke, der selbst Lehrer in einer Berufsschule ist. Beim Wechsel in die Kursstufe, erinnert er sich, seien viele Schüler in den Noten abgerutscht, selbst gute und sehr gute. Für die wöchentliche Doppelstunde Nachhilfe seines Sohnes mit zehn bis 15 Teilnehmern zahlt er 30 Euro. Sie soll ihm helfen, "in Mathematik ein einigermaßen gutes Abitur zu machen."

 

Die Übung fehlt


Peter Hawighorst, der Heilbronner VHS-Chef und Anbieter vieler Mathekurse, vermutet, dass die Leistungsverdichtung in der achtjährigen Gymnasialzeit vielen Schülern das Leben schwer macht. Wer Defizite hat, hat kaum Zeit, aufzuholen. Und es fehle Zeit zum Üben.

Üben aber ist wichtig, "das vermittelt Sicherheit", ist Hans-Dieter Eitel überzeugt, der am Justinus-Kerner-Gymnasium Heilbronn zahllose Schüler durchs Abitur gebracht hat. In seinem VHS-Kurs wird viel geübt. Und er macht den Teilnehmern Mut: "Leute, das ist überschaubar." Gelassenheit hilft.


 

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