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Retter kommen zu oft zu spät

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Die Retter haben die Hürde gerissen: Erstmals seit Jahren haben Rettungsdienst und Notärzte im Stadt- und Landkreis Heilbronn die im Land vorgeschriebene Hilfsfrist-Schwelle nicht eingehalten. Die Zahlen für 2013 belegen: Knapp haben beide Einheiten die Hürde von 95 Prozent aller Einsätze unterschritten, bei denen die Notfallretter spätestens innerhalb von 15 Minuten nach Eingang eines Notrufs am Unfallort sein müssen.
94,21 Prozent lautet die Zahl bei den Notärzten, 94,27 Prozent bei den Rettungswagen. Gerade für die Rettungswagenbesatzungen ist es das erste Mal seit über zehn Jahren, dass sie die 95er-Hürde nicht schafften.
 

Verbesserungen vorgeschlagen

Und nun? Müssen Patienten sich um die Qualität im Rettungsdienst Sorgen machen? DRK-Kreisgeschäftsführer Ludwig Landzettel relativiert: Man liege knapp unter der Schwelle und habe die Chance, mit ein paar Verbesserungen "wieder in den grünen Bereich zu kommen". Der Bereichsausschuss aus Rettungsdiensten und Krankenkassen arbeite bereits die Daten auf, man werde Vorschläge diskutieren. Eine Möglichkeit ist für Landzettel, die Dienstzeit von Besatzungen in Heilbronn auszuweiten, die bisher am Abend endeten.

Überraschend ist die Entwicklung nicht. Seit Jahren klagen Notfallretter von DRK und ASB über steigende Einsatzzahlen – eine Folge der immer älter werdenden Bevölkerung. 29 021 Rettungswagentransporte stehen 2013 in der Bilanz – ein Jahr zuvor 27 921. Aber auch Bagatellfälle, die keine Notfalleinsätze sind, belasten das Zeitbudget.
 

Kosten nebensächlich

Im Jahr 2013 haben offenbar auch die vielen Baustellen, zum Beispiel in Heilbronn, einen entscheidenden Teil zur Bilanz beigetragen, sagt Landzettel. "Da kamen wir natürlich schlechter durch." Der DRK-Chef erwartet, dass bis April oder Mai feststehe, "was zu tun ist". Landzettel sieht "eine realistische Chance", die Hilfsfrist wieder einzuhalten. Und zwar ohne gleich einen neuen Rettungswagen mit Rund-um-die-Uhr-Besetzung neu aufzubauen. Laufende Kosten für solch eine Einheit aus Technik und Personal: rund 500 000 Euro im Jahr.

Die Kosten dürften nicht die große Rolle spielen. "Wir müssen sehen, dass die Bevölkerung versorgt ist", sagt Dr. Georg Breuer, Sprecher der Leitenden Notärzte. Doch auch er relativiert die verpassten Vorgaben. Wenn man bei 20 Einsätzen ein Mal über 15 Minuten liege, "sind wir schon bei 95 Prozent". Die Messlatte hoch zu halten, sei richtig. Man müsse sich nun Gedanken machen, "was man ändern kann".
 

400 Fehleinsätze

ASB-Rettungsdienstleiter Werner Eckert hatte im Vorjahr bereits betont, dass die Mitarbeiter an ihrer Belastungsgrenze seien. "Mehr als 100 Prozent geht nicht." Er wäre dafür, dass ein neutraler Experte den Rettungsdienst in einem Strukturgutachten unter die Lupe nimmt und das System überprüft wird, um die Hilfsfrist "sicher halten zu können". Die Einsatzzahlen, ist Eckert überzeugt, "werden weiter steigen".

Fast 400 Rettungswagentransporte mehr und ein Plus von 400 Fehleinsätzen gab es beim ASB im Jahr 2013. "Es muss dringend etwas passieren", betont Eckert. Weil das System sich nicht von alleine erholen werde. In Notfällen, wenn in Heilbronn sämtliche Rettungswagen im Einsatz sind, greift der ASB zu einem besonderen Mittel. Er platziert den Rettungswagen aus Ilsfeld vorsichtshalber in Donnbronn an der Grenze – damit er im Fall eines Falles in beiden Bereichen die 15-Minuten-Frist noch einhalten kann.
                  

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