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In Händen Pädophiler

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Mehrfach war die Polizei schon wegen der verbotenen Weitergabe von Nacktfotos an Schulen in der Region im Einsatz. Unser Redakteur Jens Dierolf hat sich mit Harald Pfeifer vom Referat Prävention der Polizei Heilbronn über das Phänomen Sexting unterhalten.


Stimmt es, dass die Zahl der Fälle von Sexting rasant ansteigt?

Harald Pfeifer: Definitiv. Aber Sexting ist nur eines von vielen sehr fragwürdigen Phänomenen von Jugendlichen im Umgang mit dem Internet. Der ganze Komplex, den ich jetzt einmal Cyber-Mobbing nenne, hat ganz verschiedene Ausprägungen. Dazu zählen öffentliche Beleidigungen im Netz, Bloßstellungen, oder eben gegen den Willen der Fotografierten verschickte Nacktfotos. Haben Sie schon einmal etwas von „happy slapping“ gehört?
 

Gedemütigt und bloßgestellt

Nein, noch nie.

Pfeifer: Das sind Fälle, in denen Unbeteiligte angegriffen und dabei gefilmt werden. Die Opfer haben den doppelten Schaden. Sie werden geschlagen, gedemütigt und dann auch noch öffentlich bloßgestellt und dem
Spott ausgesetzt.

Das klingt nach einer Verrohung. Warum steigt die Zahl der Fälle?

Harald Pfeifer: Es handelt sich ja oft um Straftaten, die vor wenigen Jahren so gar nicht möglich waren, weil die technischen Möglichkeiten fehlten. Heute besitzen fast alle 14-Jährigen ein Smartphone und sogar sehr viele Jüngere. Die Geräte schießen gestochen scharfe Bilder, Videos lassen sich in Sekundenschnelle an jeden weiterleiten, die Speicherkapazitäten sind gewaltig. Und viele Jugendliche wissen überhaupt nicht, welche Folgen ihr Handeln haben kann.

Beim Thema Sexting: Gibt es typische Fälle an Schulen?

Pfeifer: Da gibt es die unterschiedlichsten Formen. Manchmal fotografieren sich Jugendliche nackt, oder nur einzelne Körperteile von sich. Mädchen machen zum Beispiel Bilder von ihren Brüsten, Jungen von ihrem Geschlechtsteil. Meistens werden die Bilder oder Videos an die Freundin oder den Freund verschickt. Man erwartet eine Bestätigung, oder sieht es als eine Art Liebesbeweis. Kriminell wird es, wenn die Bilder dann ohne Einwilligung weitergeleitet werden. Nach einer Beziehung sind die Bilder dann ein Mittel, um Rache zu nehmen, oder den Ex-Partner zu erpressen. Dass sich Jugendliche beim Sex oder der Selbstbefriedigung filmen, ist keine große Ausnahme mehr und kommt leider immer häufiger vor. Manchmal werden auch Nacktbilder unter falschem Namen verschickt.
 

Am Boden zerstört

Was geschieht dann mit den Bildern?

Pfeifer: Wenn jemand das Vertrauensverhältnis missbraucht und die intimen Bilder an Unbeteiligte weiterschickt, lässt sich die Verbreitung kaum noch stoppen. Wenig später hat die ganze Klasse, der ganze Pausenhof die Aufnahmen. Diejenigen, die darauf zu sehen sind, sind am Boden zerstört. Viele trauen sich nicht mehr an die Schule.

Wie schreiten Sie dann ein?

Pfeifer: Wir gehen an die Schulen, sprechen mit den Jugendlichen. Wir zeigen, dass es sich um ein schwerwiegendes Vergehen handelt. Wir machen die Täter ausfindig. Es geht oft nicht nur um Verstöße gegen das Recht am eigenen Bild und die Verletzung der Privatsphäre. Bei eindeutigen Motiven handelt es sich bei Aufnahmen unter 14-Jähriger um Kinderpornografie, bei über 14-Jährigen um Jugendpornografie. Sowohl der Besitz als auch die Verbreitung dieser Bilder ist strafbar. Bei einem konkreten Verdachtsmoment müssen wir auch Smartphones kontrollieren. Dies kann so weit gehen, dass wir auch die Computer zu Hause überprüfen und sicherstellen.
 

Sicherheitseinstellungen überprüfen

Können die Bilder auch in die Hände von Pädophilen gelangen?

Pfeifer: Diese Gefahr ist real. Oft wird sehr lax mit den Sicherheitseinstellungen am Smartphone umgegangen. Bei manchen Geräten werden die Bilder automatisch auf externe Datenspeicher geladen. Vor kurzem gab es eine Studie der Internet Watch Foundation. Demnach sind 88 Prozent aller Sexting-Bilder oder -Videos auf fremden Webseiten aufgetaucht nicht selten auf pornografischen Webseiten.

Wie können Eltern ihre Kinder schützen oder aufklären?

Pfeifer: Es sind ja die Eltern, die den Jugendlichen ein Smartphone kaufen. Also stehen sie auch in der Verantwortung, über die Gefahren aufzuklären. Zum Beispiel müssen sie die Sicherheitseinstellungen überprüfen. Wichtig ist auch, dass sie mit ihren Kindern über Themen wie Cyber-Mobbing oder Sexting sprechen. Es ist wichtig, dass sie lernen, wie folgenreich ihr Handeln im Netz sein kann.
   

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