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Hip Island wird zum Politikum

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Das Ende des Sandstrand-Lokals Hip Island schlägt Wellen ohne Ende. Die Heilbronner In-Location muss wie berichtet nach der Sommersaison 2014 Straßen- und Brückenbauten weichen. Jungen Leuten lässt das keine Ruhe. Das heiße Eisen ist pünktlich zur OB-Wahl (16. März) und der Gemeinderatswahl (25. Mai) zum Politikum geworden, ganz zu schweigen von der aktuellen Wahl zum Jugendgemeinderat (JGR).

Abweichend von der Tagesordnung wagte in der jüngsten Gemeinderatssitzung JGR-Sprecher Jakob Dongus (19) einen mutigen Vorstoß, dem selbst abgebrühte Stadträte Respekt zollten. "Ich habe mir die Pläne beschafft und muss sagen: Die Straßenverbreiterung tangiert das Hip Island nur minimal. Es muss einfach nur der Baustelleneinrichtung weichen."
 

Mehr Sensibilität für das Thema

Dongus schlägt dafür das direkte Umfeld mit Parkplätzen von Media Markt oder Kaiser’s Turm vor. "Ich wünschte mir bei diesem für uns Jugendliche wichtigen Thema mehr Sensibilität." Spätestens heute müsste im Rathaus seine schriftliche Anfrage eingehen.

Tatsächlich beanspruche die Straßenverbreiterung von drei auf vier Spuren, plus Geh- und Radwegen sowie Böschung nicht ganz die Hälfte des 6100 Quadratmeter großen Areals, weiß Thomas Bender vom Amt für Straßenwesen. Die restlichen 3500 Quadratmeter dienten der Baustelleneinrichtung. Für ein Zehn-Millionen-Euro-Projekt sei die Fläche "knapp bemessen", aber wegen der Nähe zu den Baustellen ideal.

Das Buga-Gelände sei selber Baustelle und falle flach, die benachbarten Parkplätze seien in Privatbesitz. Die Brücken- und Straßenerweiterung sei notwendig, um den Verkehr aufzunehmen, der sich aus dem Rückbau der Kalistraße ergebe. Diese wiederum wird für die Buga 2019 und den daraus erwachsenden Stadtteil Neckarbogen renaturiert.
 

Jugendgemeinderat setzt sich ein

Weil dies schon lange absehbar war, hatte der Jugendgemeinderat bereits 2010 einen Ersatzstandort fürs Hip beantragt. Bei der Ausschreibung zum Buga-Landschaftsplan war das tatsächlich Teil der Wettbewerbsaufgabe. Doch das Siegerbüro Sinai hat es schlichtweg vergessen, was damals keinen kümmerte. Nun scheint es für die Integration ins Buga-Gelände zu spät zu sein, laut Geschäftsführer Hanspeter Faas aus Sicherheitsgründen. "Von 2015 bis 2018 ist hier alles Baustelle." Deshalb scheide als Ersatzort auch die reizvolle Reederei Schwaben gegenüber des Hip aus.

Den Vorwurf, man kümmere sich nicht um die Jugend, weist der Leiter des Stadtplanungsamtes, Dr. Christoph Böhmer, zurück. Derzeit bemühe man sich stark um einen Ausweichplatz und wähnte ihn flussabwärts im Gewann Wohlgelegen gefunden zu haben. Der Haken: Womöglich liegt er im Sicherheitssperrgebiet der Chemiefabrik Brüggemann. Ein Gutachten soll jetzt Klarheit schaffen.
 

Schon immer klar

Geprüft werden im Rathaus noch Anträge von Ratsfraktionen, wobei Böhmer skeptisch ist: Der ins Spiel gebrachte Wertwiesenpark sei ein Familienpark, viele Anwohner klagten jetzt schon bei Konzerten über Lärm. Das Kanalufer am Stadion sei "wenig einladend". Das vom JGR ins Spiel gebrachte Trampoline-Areal sei in Privathand und ausgeschieden.

Dass das Lokal irgendwann weichen muss, war immer klar. "Hip" ist die Abkürzung von Heilbronner Innovationspark, auf dessen Gelände es 2004 von Thomas Aurich und Ralph Munz angelegt wurde. Eine Kaufoption auf den Baugrund hat die Firma Kruck + Partner, die daneben bereits drei Bürogebäude errichtete, 2014 folge ein weiteres, spätestens 2017 auch am Hip-Standort, sagt Joachim Kruck. "Wir haben das anfangs begrüßt, weil es unseren Standort bekannt machen sollte. Das haben wir erreicht."

Harry Mergel (SPD) führt das Thema Hip Island in seinem Wahlprogramm auf und sagte schon im November zu, sich als OB um einen "adäquaten Ersatzstandort" zu kümmern.
 

Forderungen angehen

Dass der jetzige Standort für das komplexe Baustellenmanagement gebraucht werde, und dass es in puncto Größe und Standort keine vernünftige Alternative dafür gebe, ist für Mergel "ein Fakt, den die verantwortliche Bauverwaltung so vorgibt". Deswegen sollte man die Kraft auf die Suche nach dem Ersatzstandort konzentrieren, zumal der Betrieb in 2014 noch gesichert ist.

Eine "Stadt am Fluss" brauche ein angemessenes Gastro-Angebot direkt am Fluss: nicht nur für die Jugend. Im Übrigen nehme Heilbronn deren Bedürfnisse ernst: "indem wir gute Bildungsbedingungen schaffen", aber auch durch Rahmenbedingungen für spannende und attraktive Freizeitgestaltung: im Sport, bei Events, beim Ausgehen. Wer junge Leute in der Stadt halten will, müsse signalisieren, "dass sie willkommen sind". "Das tun wir nicht, wenn wir eine Forderung, die seit Jahren im Raum steht, ignorieren."
 

Die Jugend ernst nehmen

Martin Diepgen (CDU) hat das Thema nicht in seinen Leitlinien stehen, aber ihm auf Facebook eine Plattform gegeben. Auch in "die nächste Broschüre" werde er das Hip aufnehmen. Nach der Stimme-Anfrage hat er das Amt für Straßenwesen "gebeten, nochmal genauer hinzuschauen", ob für die Baustelleneinrichtung nicht eine Nachbarfläche in Frage käme. "Das Amt sieht leider keine Luft", erklärt er tags darauf.

Gleichzeitig erinnert er, die Stadt habe das Areal dem Hip nur vorübergehend überlassen. Diepgen bedauert, dass ein Ersatz bei der Buga-Planung durchs Raster gefallen ist. Das Thema werde "emotional diskutiert, man muss aber auch die Fakten beachten". Wichtig sei es, die Jugend ernst zu nehmen, sonst sei schnell Vertrauen verspielt. Den Alternativstandort im Wohlgelegen nennt er "ideal".

Wenn Heilbronn zu wenig Clubs und Bars biete, müsse die Stadt für bessere Rahmenbedingungen sorgen: auch im Blick auf Studenten. Als OB setze er sich dafür ein, dass junge Menschen kulturelle Plätze und Orte entwickeln, finden und behalten können.  
           

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