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„Zweier ohne“ in der Diskussion

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Sie hätten auch "Andorra" von Max Frisch ihren Schülern als Pflichtlektüre für die Abschlussprüfung an der Realschule auf den Nachttisch legen können. Doch die Deutschlehrer in Stadt und Landkreis Heilbronn haben sich für "Zweier ohne" entschieden.

Die Novelle von Dirk Kurbjuweit spielt in der Lebenswelt der Jugendlichen. Freundschaft, Sport, Schule, Tod und Selbstmord sind die großen Themen. Die Schilderung erster sexueller Erfahrungen hatte schon im vergangenen Jahr christliche Kritiker auf den Plan gerufen, daher machte das Kultusministerium das Alternativangebot "Andorra". Unterdessen wird die Uraufführung "Zweier ohne" in den Heilbronner Kammerspielen begeistert gefeiert. Schulklassen tragen sich in Wartelisten ein. "Wir spielen so oft wir können", verspricht Pressereferentin Silke Zschäkel. Am 30. April ist die Deutschprüfung.
 

Themen zum Reflektieren

Wenn Dirk Kurbjuweit heute auf seiner Lesetour durchs Land in der Selma-Rosenfeld-Realschule in Eppingen Station macht, werden wohl nicht alle Schülerinnen und Schüler teilnehmen. Irritiert von der Diskussion um "Zweier ohne" wollen einige Mädchen die Auseinandersetzung meiden. Rektor Wolfgang Neumann sieht solches Ausscheren nicht gern: "Ich fand es mutig, sich für dieses Buch zu entscheiden." Und wenn die Entscheidung für eine Pflichtlektüre gefallen ist, "dann kann man sich nicht ausklinken".

Sebastian Wirges, Fachleiter Deutsch im Kreis Heilbronn und Lehrer an der Mörike-Realschule Heilbronn, kennt keine Schule, die "Andorra" gewählt hat. Auch die benachbarte Realschule im Katholischen Bildungszentrum St. Kilian liest "Zweier ohne". Schulleiter Marc Hennen sieht in dem Buch "nichts, was man nicht auch reflektieren könnte". Von der "sehr guten Aufführung" im Theater waren seine Schüler regelrecht begeistert.
 

Nachdenken über die Liebe

Shakespeare, Schiller, Goethe, Kleist, alle haben über Suizid geschrieben. Sebastian Wirges sieht darin kein Tabuthema, sondern vielmehr ein gesellschaftliches Phänomen, das Jugendliche beschäftigt. Der Lehrer hat keine Berührungsängste beobachtet. Die Lektüre bietet reichlich Diskussionsstoff. Und genau das macht sie für Schüler lesenswert, findet die Weinsberger Rektorin Rita Eichmann, die an der Auswahl des Prüfungsbuches beteiligt war. Erwachsenwerden, unerbittliche Freundschaft zwischen Johann und Ludwig, Selbstfindung – darin sieht sie Themen, an denen sich die Schüler reiben können. Sie identifizieren sich – oder gehen auf Distanz.

"Das Stück trifft den Nerv der Jugendlichen", sagt Silke Zschäckel. 17 nahezu ausverkaufte Vorstellungen und jetzt der große Run sind ihr entwaffnender Beweis, dass Stadttheater wie Kultusministerium mit "Zweier ohne" richtig liegen. "Es geht ja gar nicht um Sexualität. Es ist die Geschichte einer absoluten Freundschaft“, sagt Zschäckel. Auch als Mutter kann sie die Aufregung um das Buch nicht nachvollziehen: "Wenn man den jungen Leuten das Nachdenken über Liebe verbietet – was soll das werden?"
               

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