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Vielfalt ist längst Realität

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Schule spiegelt Gesellschaft wider, auch deren Vielfalt. Das Land Baden-Württemberg will Homosexualität als Thema in der Leitlinie des Bildungsplans verankern, schon der Entwurf dazu hat große Proteste ausgelöst. Dabei ist sexuelle Vielfalt nichts Neues: "Wir setzen uns schon lange damit auseinander ", sagt der Rektor der Eppinger Realschule, Wolfgang Neumann. Die Realität sei längst an den Schulen angekommen.

Dennoch glauben viele Schüler, wer homosexuell ist, sei "irgendwie krank", weiß Heike Biegel. Sie arbeitet in der Lehrplankommission Ethik des Landes mit und verteidigt die Verankerung sexueller Vielfalt im Leitbild: "Es ist eine Chance, Menschen normal an die Sache heranzuführen." Es gehe um Bildung. Ziel sei, Schüler zu informieren, damit jeder seinen eigenen Weg findet.
 

Vorurteil ist Bildungslücke

Doch die haben Berührungsängste, verursacht durch Bildungslücken: "Sollen wir alle schwul werden?" fragt ein Achtklässler im Gespräch über die neuen Leitlinien. Auch die Kirchen befürchten Indoktrination. Heike Biegel klärt auf: "Man kann niemanden sexuell umerziehen." Aber es gehe um die Würde des Menschen und damit auch um Respekt vor dem anderen, denn "schwul" sei nach wie vor negativ besetzt. "Ängste blockieren das Gehirn", so Biegel. Die Folge sind beispielsweise Eltern von Siebtklässlern, die befürchten, dass statt Lesen und Rechnen künftig nur noch Sexualkunde unterrichtet werde.

Dabei habe man Homosexualität in der Realschule schon immer thematisiert. "Es ist wichtig zu zeigen: Das ist normal", sagt Heike Biegel. Eine, die den Schülern diese Selbstverständlichkeit vorlebt, ist Simone Heitz. Seit sieben Jahren unterrichtet die Vertrauenslehrerin an der Realschule. Dass ihre Partnerin eine Frau ist, hat sie dabei nie verschwiegen. "Meine Homosexualität ist kein Thema", sagt die Eppingerin. Fragen kämen kaum – und wenn, werden sie beantwortet: "Das ist ganz normal." Elternbeiratsvorsitzende Heidi Bucher betont: "Die Schüler akzeptieren das."
 

Mut zur Wahrheit 

Etwas Besonderes sei die homosexuelle Lehrerin längst nicht mehr für ihre 15-Jährige Tochter. An anderen Schulen jedoch kennt Simone Heitz durchaus viele Kollegen, die nicht den Mut haben, zu ihrer Sexualität zu stehen. Trotzdem war Heidi Bucher überrascht von der deutlichen Formulierung im Bildungsplan. Als Mutter hätte ihr die Erwähnung "allgemeiner Vielfalt" gereicht.

Das Thema Sexualität sei längst in der Öffentlichkeit, entgegnet Heike Biegel. Deshalb mache die Erwähnung Sinn. Die Pädagogin erfährt in allen Klassen "noch zu viel Unwissen". Hinzu komme die brisante Verbindung mit digitalen Medien, durch die Jugendliche heute überall Zugang beispielsweise zu pornografischem Material haben. "Das ist alles miteinander vernetzt", sagt Heike Biegel. Eltern können sich das ihrer Meinung nach teilweise gar nicht vorstellen: "Das ist ein riesiger Explosionsherd." Die einzige Chance, Wissen zu vermitteln, sei eine gut funktionierende Beziehungsebene mit dem Lehrer.
 

Persönlichkeitsentwicklung

Schule habe sich verändert, sagt Rektor Neumann. Schüler werden heute in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt. Mit seinem Abschluss soll der Schüler mündiges Mitglied der Gesellschaft sein, betont Heike Biegel. "Sexuelle Identität ist Teil der persönlichen Identität." Und die zu finden, sei Teil der schulischen Bildung, die vorurteilsfrei "Felder für Schüler begehbar" machen muss. "Den Kopf in den Sand zu stecken, ändert die Situation nicht", ergänzt Neumann.
                                       

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