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Liebesbeweise können bleiben

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Heilbronn ist nicht Paris, und die Liebesschlösser an der Götzenturmbrücke dürfen bleiben. Die Brücke Pont des Arts in der französischen Hauptstadt war jüngst in die Schlagzeilen geraten, nachdem ein zweieinhalb Meter langes Stück des Geländers unter der Last der Schlösser herausgebrochen war. 700.000 hingen zuletzt an der Pariser Brücke, inzwischen wurden die tonnenschweren Geländer entfernt. In Heilbronn sind es gerade mal 6.000 Schlösser, für die eigens vom Tiefbauamt der Stadt stabile Gitter an den Brückenköpfen angebracht wurden: ordentlich und mit offizieller Genehmigung.


"Wir haben damals geprüft, welcher Standort sich auch von der Ästhetik her eignet", berichtet Bernhard Winkler, Chef der Heilbronn Marketing GmbH. Geordnet sollte es hier aussehen, und die Schlösser sollten vor Regen geschützt sein, damit sie nicht rosten: "Anderswo sieht das wild aus", kann Winkler die Kritik nachvollziehen. "Wir aber bekommen nur Lob von allen Seiten."
 

Herzform


Den Brauch 2010 nach Heilbronn zu holen, war die Idee von Hans A. Hey. Und auf der Götzenturmbrücke sind die Schlösser durchaus eine Attraktion. Max und Mika, zwei Elfjährige auf Ferienausflug in Heilbronn, bewundern besonders die goldglänzenden Schlösser in Herzform: "So eines würden wir uns mal aussuchen", sagen die Buben. Und es in Schönschrift gravieren lassen: "Nicht einfach mit Filzstift die Namen draufkritzeln." Ihre einzige Sorge: Dass der Neckar mal voller Schlüssel sein könnte.

"Ich habe eines", sagt Andy, ein Mittdreißiger und läuft schnurstracks auf ein kleines rotes Vorhängeschloss zu. Weihnachten 2010 haben er und seine Frau Alex es aufgehängt, nachdem sie sich im Wonnemonat Mai, das bezeugt das Schloss, das Ja-Wort gegeben hatten. Andy findet den Brauch "einfach schön". Dass eine Ehe mit Schloss besser hält, will er nicht glauben: "Abergläubisch bin ich net."

"Meine Tochter hat da auch eines hängen", erzählt Susanne Walter aus Heilbronn. "Sabrina & Christian, 20.12.2009" ist eingraviert, ohne Mühe findet sie das Schloss der beiden: Sie hat es erst vor kurzem wieder in die erste Reihe gezogen, es war nach hinten verrutscht. "Wenn man teure Eheringe kauft, will das auch nichts heißen", spricht die Mutter und Schwiegermutter den Schlössern jede Bindekraft ab. "Man muss sich Mühe geben, bei allem, auch in der Ehe."

Einfach aufhängen und nie wieder danach schauen, das scheint für die Schlösser der Hiesigen nicht zu gelten. Es gibt den Kontrollblick. Das Drandenken beim Vorbeilaufen. Auch die Suche: Ist es noch da. Unter die Schlösser der Frischvermählten haben sich auch etliche Ehejubilare ein Zeichen ihrer Treue gehängt: ein Eberhard und seine Helga zum Beispiel, zu ihrer goldenen Hochzeit am 30. Dezember 2011.
 

Image


Bernhard Winkler ist überzeugt: "Die Schlösser sind für uns ein positiver Imagefaktor." Es gibt sogar ein Pauschalangebot für verliebte Paare mit Liebesmenü und Rosenstrauß. Ein Renner sei das nicht, aber einige Buchungen habe es bereits gegeben. Platz für Schlösser gibt es an der Götzenturmbrücke noch genug. Wenn die zweiten Gitter voll sind, geht es mit der Brückenseite zur Badstraße weiter. Heilbronn-Besucher Wolfram Lutz macht sich seine Gedanken: "Wer weiß, wie viele Schlösser man schon wieder entfernen könnte, weil die Paare nicht mehr zusammen sind."

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