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Harry Mergel als OB

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Wie gebannt blicken 300 Wahlbeobachter im überfüllten Großen Ratssaal auf die Großbildleinwand. Fünf Balkendiagramme verschieben sich im Minutentakt. Rot liegt von Anfang an vorne, nur als der Stadtteil Kirchhausen eingeblendet wird, ändert sich das, aber nur für Sekunden.

"Aus meiner Sicht war’s das", sagt der ehemalige IHK-Chef Günter Steffen um 18.20 Uhr. Er verlässt schon 20 Minuten nach Schließung der Wahllokale das Heilbronner Rathaus. 35 von 100 Wahllokalen sind bereits ausgezählt. Die Spannung steigt weiter. Schon fallen sich SPD-Fraktionsvorsitzende Sibylle Mösse-Hagen und Stadträtin Marianne Kugler-Wendt um den Hals. Allein die schwache Wahlbeteiligung trübt die Freude im Lager von SPD, Grünen und FWV. 39 Prozent, das gibt allen zu denken. 
 

Absolute Mehrheit

Als um 18.40 Uhr nur noch sechs Wahllokale ausstehen, greift der noch bis 30. April amtierende Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach zum Saalmikrophon und sagt: "Wenn meine Rechenkünste nicht trügen, müsste die absolute Mehrheit mit über 17 000 Stimmen jetzt erreicht sein." Viele im Saal johlen, anhaltender Applaus setzt ein.

Um 18.50 Uhr steht das vorläufige Endergebnis fest: Harry Mergel (SPD) erreicht mit 18 915 von 33 859 Stimmen 55,9 Prozent, also die absolute Mehrheit. Er ist der neue OB, schon im ersten Wahlgang, das überrascht viele.

Händeschütteln und Schulterklopfen von allen Seiten, Küsschen von Susanne Bay (Grüne), Jürgen Zieger (OB in Esslingen) und anderen. Ein Blitzlichtgewitter aus Kameras und Handys setzt ein, als sich die Mergels zum Familienfoto vor die Verwaltungsbank stellen. "So sehen Sieger aus", sagt Himmelsbach und wünscht seinem Nachfolger alles Gute.
 

Anstrengender Wahlkampf

"Sie sehen mich überwältigt und überglücklich vor ihnen stehen", ruft Mergel, "dieses Ergebnis gibt uns Kraft und Zuversicht, die großen Herausforderungen gemeinsam zu bestehen." Sein Dank gilt allen Wählern, auch seinem Mitbewerber und Kollegen Martin Diepgen (CDU). Mergel reicht ihm "symbolisch die Hand für eine neue Kultur des Miteinanders und der Beteiligung." Nicht zuletzt zollt er seinem Vorgänger Respekt und verzichtet "nach einem langen und anstrengenden Wahlkampf auf weitere lange Reden. Ich will jetzt erstmal feiern und dann gibt es nur noch eines: Heilbronn."

"Die Heilbronner wollten einen Ur-Heilbronner." So schließt Martin Diepgen (CDU) auf auf Anfrage seinen ersten Wahlkommentar. Der Erste Bürgermeister betont mit fester Stimme "weiterhin mit viel Elan für die Stadt aktiv zu sein". Der konstruktiven und kollegialen Zusammenarbeit mit seinem neuen Vorgesetzten sehe er "mit guten Erwartungen" entgegen.
 

Stargäste

Demonstrativ gut gelaunt gibt sich der drittplatzierte Kandidat, Ratskellerwirt Jürgen Mosthaf. "Angesichts der Tatsache, dass ich spät und ohne Team zur WM gefahren bin, bin ich zufrieden." 9,0 Prozent wertet er als "deutliches Signal der Unzufriedenen". "Meine Erwartungen haben sich erfüllt", sagt der Rettungsassistent Rolf Rinkenauer mit Blick auf 2,4 Prozent. Er hoffe, "dass Mergel den einen oder anderen Punkt von mir übernimmt." Kandidat Björn Brett wurde im Getümmel gesehen, war per Handy bis Redaktionsschluss aber nicht erreichbar.

Einer der Stargäste des Abends ist der SPD-Landesvorsitzende und Finanzminister Nils Schmid. Mergel sagt an ihn gerichtet: "Es ist ein tolles Gefühl, dass die SPD mal eine Wahl gewinnen kann." Und Schmid − ganz leger in Jeans und Sweat-Shirt erschienen − nimmt den Faden auf: "Dass das alles in Heilbronn geschehen ist, in der Stadt eines anderen Landesvorsitzenden..." Lacher im Saal: Der kleine Seitenhieb auf den CDU-Vize Thomas Strobl kommt an. 
 

Foto mit dem Gewinner

Heute Abend kommt alles gut an bei der SPD im VHS-Foyer. Vor dem Büfett mit selbstgemachtem Quark-Brotaufstrich, Sekt und Lemberger fasst Norbert Winzek vom Unterstützerkreis das Ergebnis so zusammen: "Wir sind Oberbürgermeister." Christoph Eberlein, einer der Wahlkampfmacher, bekommt wie das neue Stadtoberhaupt das Lächeln an diesem Abend nicht mehr aus dem Gesicht. Alles passt für ihn an diesem Sonntag, sogar die Häppchen: "Wir haben Wurstwecken, keine Lachsschnitten − das gibt das Gefühl der Unterstützer wieder", erklärt Eberlein augenzwinkernd.

Die Unterstützer freuen sich riesig, etwa Susanne Bay (Grüne): "Für Harry und Heilbronn." Heiner Dörner (Freie Wähler) will unbedingt noch ein gemeinsames Foto mit dem Sieger haben, "bevor ich wieder zurück in den dunkelsten Stadtteil Heilbronns muss, nach Kirchhausen". Dort wohnt Mergels Rivale Martin Diepgen, dort holte der CDU-Kandidat die absolute Mehrheit − nur dort. Doch am Abend des Triumphes ist das nur ein Detail, über das man lacht. Nichts kann die Stimmung dieses makellosen Tages trüben.
                      

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