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Mangelndes Interesse

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Am Tag nach dem Urnengang macht die geringe Wahlbeteiligung von 39 Prozent viele ratlos. Das absolute Rekordtief meldete das Heilbronner Wahllokal in der Ellwanger Straße. Hier gaben nur 8,8 Prozent der Wähler ihre Stimme ab. Erklärungsversuche: "Da leben viele Migranten", sagt Pfarrer Steven Häusinger von der Kirchengemeinde Wartberg-Au, in dessen Gebiet das Wahllokal liegt. "Vielleicht ist es bisher nicht gelungen, sie so zu integrieren, dass sie die OB-Wahl auch als ihre ansehen."

Für den Seelsorger wird es in Zukunft spannend sein zu beobachten, ob die Kommunalpolitiker künftig mehr vor Ort gehen und mit den Leuten dort reden. "Doch das ist eine Daueraufgabe und gilt nicht nur von OB-Wahl zu OB-Wahl." Es gehe darum, die Migranten mehr an den politischen Prozessen teilhaben zu lassen.
 

Mehr Aufklärungsarbeit

Über das Wahlverhalten der Migranten "lässt sich schwer eine Aussage treffen", sagt die Integrationsbeauftrage der Stadt, Roswitha Keicher. "Die Gruppe ist einfach zu heterogen." Außerdem fehlt die Datenbasis. Denn das städtische Bürgeramt wertet die Wählerverzeichnisse nicht nach Alter oder Herkunft aus. Allerdings kündigt Keicher an, künftig noch mehr Aufklärungsarbeit zu leisten. Vor der Kommunalwahl im Mai "gehen wir in die Vereine" der Migranten − und zwar persönlich. So soll das Interesse geweckt werden.

Da es keine Statistik gibt, unterliegt das Wahlverhalten der stimmberechtigten EU-Bürger bei der OB-Wahl dem Subjektiven. "Ich bin richtig traurig, dass nur ein Drittel gewählt hat", sagt die Französin Jaqueline von Houwald, die in Frankenbach lebt. Warum das so war, kann sie sich nicht erklären. Unter den Franzosen in ihrem Bekanntenkreis sei die Bereitschaft, sein Kreuz zu machen, groß gewesen. Mit gutem Grund: "In Frankreich gibt es keine Briefwahl für die Wähler im Ausland." Darum ist Jaqueline von Houwald froh über die Möglichkeit der politischen Teilhabe in Deutschland. "Wählen ist für mich Pflicht."
 

Gegen Politikverdrossenheit

Das unterstreicht der Italiener Salvatore Vitolo: "Wir haben lange gekämpft, um hier wählen zu können, also wähle ich." Allerdings hätten in seinem italienischen Bekanntenkreis die meisten nicht von ihrem Recht Gebrauch gemacht. Warum? "Ich weiß es nicht." Viele würden denken, "wenn ich in der Rente bin, gehe ich eh fort".

Erstmals durften 16- und 17-Jährige wählen. Hat ihr Desinteresse die Wahlbeteiligung gesenkt? "Das glaube ich nicht", meint Jakob Dongus, früherer Jugendgemeinderat. Auch bei den Jüngsten schätzt er die Wahlbeteiligung auf knapp 40 Prozent. Der 20-Jährige prognostiziert aber, dass zur Kommunalwahl noch mehr Jüngere wählen gehen. "Denn da stehen Jüngere zu Wahl." Für ihn ist das Wahlrecht für 16- und 17-Jährige "ein erster Schritt gegen die Politikverdrossenheit meiner Generation". Auch Jugendgemeinderat Muhammed Furkan Sel "hat sich die Chance nicht entgehen lassen, erstmals zu wählen". Allerdings habe ihn schockiert, das einige seiner Altersgenossen die OB-Wahl schlicht vergessen hätten.
                          

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