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Zeigen, wo Eltern lebten

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Auf Brasilien kleben je ein roter und ein grüner Punkt. Zwei Punkte jeder Farbe zieren Sri Lanka. Viele Punkte markieren die Türkei als Heimat der Eltern von Obersulmer Realschülern. Aber auch Russland, Polen, Rumänien, die Philippinen oder Thailand, die USA und Ungarn sind auf der Welt- und Europakarte im Schulfoyer mit Punkten versehen. Wo liegen die Wurzeln meiner Familie? Wo wohne ich jetzt? Diese Fragen visualisiert Schulsozialarbeiter Albrecht Weippert mit fünf Landkarten und bunten Klebepunkten beim Migrationsprojekt der Realschule Obersulm.

Seit Mitte Februar interviewt Weippert mit den Achtklässlern Marie, Lea Madlen und Julian von der Schülermitverwaltung (SMV) in der großen Pause die Realschüler zur Herkunft ihrer Eltern. Auf einem Tisch im Foyer der Realschule hat der Schulsozialarbeiter Strichlisten ausgelegt. Dort tragen er und seine Helfer die Herkunftsländer der Elternteile ein.
 

Große Weltkarte

"Machst du mit? Kannst du uns sagen, aus welchem Land und welchen Orten deine Eltern kommen?", fragt Marie (14) am Dienstagmorgen den zwölfjährigen Peter aus der Klasse 5c. Peter ist dabei, lässt sich je einen roten und grünen Klebepunkt geben. "Meine Eltern stammen aus Russland", erklärt der Fünftklässler und sucht auf der Weltkarte die Stadt Wolgograd.

Mit dem gelben Punkt für seinen eigenen Wohnort markiert Peter auf einer alten Landkreiskarte Obersulm-Affaltrach. "Ich finde das Projekt interessant, weil es zeigt, aus wie vielen Ländern unsere Mitschüler stammen", sagt Peter.

"Der Aufhänger war, dass ich in Gesprächen mit Schülern festgestellt habe, dass unterschiedliche Nationalitäten bei Auseinandersetzungen immer wieder zu Beleidigungen und Belustigungen geführt haben", erläutert Weippert die Idee seines Migrationsprojekts. Indem er mithilfe alter ausgemusterter Landkarten im Foyer allen Schülern, Eltern und Lehrern vor Augen führt, wie kulturell vielfältig die Schülerschaft der Realschule zusammengesetzt ist, hofft er, das gegenseitige Verständnis zu fördern.
 

Verständnis und Toleranz

Mit Erfolg, wie der bisherige Projektverlauf zeigt. "Die Schüler sind oft stolz, wenn Sie zeigen können, wo ihre Eltern herstammen", hat der Schulsozialarbeiter festgestellt. "Bisher haben wir 28 Nationen erfasst", erläutert Weippert. Überraschend sei, wie viele Schülereltern aus Ungarn oder aus den USA stammen. Dabei habe sein SMV-Team erst ein Viertel der 700 Schüler in den Pausen befragen können.

Laut Schulstatistik haben nur 21 Schüler eine ausländische Nationalität. "Ich finde das Projekt gut, da sieht man, dass nicht alle Schüler aus Deutschland kommen", sagt Vithusan (17), dessen Eltern aus Sri Lanka stammen. "Ich finde es cool, wenn man sieht, von wo überall auf der Welt Eltern unserer Mitschüler herkommen", gefällt Donata (14) aus der Klasse 9e die Idee.

Zustimmung erhält Weippert vom kommissarischen Schulleiter Erhard Friedl: "Dieses Projekt weckt bei unseren Schülern viel Verständnis füreinander." Er hat beobachtet, dass die Jugendlichen vor den Landkarten miteinander reden. Nun beginnen die Elternabende, die Schüleranmeldung, und auch bei einem Tag der offenen Tür werde das Projekt im Foyer dann im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen. Bis zu den Osterferien soll das Projekt abgeschlossen sein. Das Ziel heißt dabei, möglichst alle Schüler zu beteiligen.
                       

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