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Trickdiebe in der Region

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Vor allem Senioren werden immer wieder Opfer von Trickdieben. Über die Täter ist wenig bekannt. Nach Polizeiangaben arbeiten sie häufig in Gruppen und sind nicht ortsgebunden.

Es sind vor allem ältere Frauen, häufig jenseits der 70. Sie sind die Opfer dieser miesen Betrugsmasche: dem sogenannten Kettentrick. Die Polizeipräsidien Heilbronn und Mannheim berichten von mindestens fünf Fällen in den vergangenen Tagen, in denen Seniorinnen auf offener Straße Schmuck abgenommen wurde. Anfang März fiel eine 85 Jahre alte Frau in Heilbronn diesen Trickdieben zum Opfer. Ihr wurde eine wertvolle Halskette gestohlen. Einen Tag später schlugen die Täter in Sinsheim zu. Die Vorgehensweise der Diebe ist dabei immer dieselbe.

Aus dem Auto heraus sprechen sie ihre Opfer an, fragen sie nach dem Weg zum nächstgelegenen Krankenhaus. Geben die Seniorinnen Auskunft, beginnen die Täter sie zu bedrängen. Scheinbar aus Dank wollen sie den Frauen eine Kette umlegen. Dabei nehmen sie den Frauen ihren echten Schmuck ab. "Die Opfer sind meistens ältere Frauen, die sichtbar Schmuck tragen", sagt Harald Pfeifer, stellvertretender Leiter der Präventionsabteilung der Heilbronner Polizei.


Nicht ortsgebunden

Über die Täter ist wenig bekannt. Nach Polizeiangaben arbeiten sie häufig in Gruppen und sind nicht ortsgebunden. Sie verüben ihre Überfälle in verschiedenen Städten und Regionen und ziehen weiter. Die fünf bekannten Fälle haben sich in Heilbronn sowie im benachbarten Rhein-Neckar-Kreis ereignet. "Ich denke, dass unterschiedliche Tätergruppen unterwegs sind", sagt Norbert Schätzle, Sprecher der Mannheimer Polizei.

Waltraud Wagner (Name geändert) hat selbst schon leidvolle Erfahrung mit Trickdieben gemacht. Sie ist auf den sogenannten Enkeltrick reingefallen. Es ist schon zwei Jahre her, überwunden hat die 83-Jährige den Vorfall noch nicht. Das Telefon klingelte damals. "Oma, weißt du wer ich bin?", fragte ein Mann am anderen Ende der Leitung. Als Wagner sich erkundigte, ob ihr Enkel Thomas am Telefon sei, sagte er ja. Der Mann forderte Wagner auf, 11.500 Euro von der Bank abzuholen. Das Geld würde dringend benötigt. "Ich war ganz durcheinander. Der hat ständig angerufen", sagt Wagner.
 

Geld weg

Schließlich holte sie das Geld. Zur Übergabe erschien aber nicht ihr Enkel Thomas, sondern eine Frau. Die 83-Jährige weigerte sich. Das Geld wollte sie nur Thomas persönlich übergeben. Das Telefon klingelte erneut. Eine Frau, die vorgab, von der Polizei zu sein, bat Wagner, das Geld zu übergeben. Man wolle die Täterin mit der Beute festnehmen. Wagner glaubte der falschen Polizistin. Ein Irrtum. Das Geld hat sie nie mehr gesehen.

Unterstützung hat sie bei der Organisation Weißer Ring gefunden. Neben finanzieller Hilfe in der Not hat die 83-Jährige dort auch seelischen Beistand bekommen. "Die Opfer stehen so unter Druck, die können gar nicht reagieren", sagt Alfred Kulka, Außenstelleleiter des Weißen Rings Heilbronn. "Man denkt immer die Opfer sind senil. Die, die ich kennengelernt habe, sind aber sehr fit für ihr Alter."

Die Täter gehen professionell vor, sagt Harald Pfeifer. "Die sind mit Sicherheit geschult." Die Tat soll unauffällig begangen werden. Ob die Trickdiebe Teil der Organisierten Kriminalität sind, ist unklar. Nach Angaben von Norbert Schätzle handele es sich aber oft um junge Täter. "Da muss jemand dahinter stehen, der sie trainiert", sagt er. Die Täter zu ermitteln sei schwierig. Dennoch gebe es immer wieder Festnahmen. Vor allem dann, wenn Opfer die Täter und deren Tatfahrzeug beschreiben können.

 

Hintergrund: Kriminalstatistik

Die Kriminalstatistik der Polizei zeigt: Senioren werden Verhältnismäßig selten Opfer von Kriminellen. Fast 100 000 Menschen fielen 2012 in Baden-Württemberg einem Verbrechen zum Opfer. Davon waren rund 5200 Menschen über 60 Jahre alt, also etwa 5,2 Prozent. In der Gesamtbevölkerung macht diese Altergruppe aber einen Anteil von etwa 25 Prozent aus.

Entgegen dieser Statistik werden ältere Menschen jedoch häufig Opfer von Trickdiebstählen und Betrügereien, sagt Harald Pfeifer, stellvertretender Leiter der Präventionsabteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn.
                  

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