Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Handyverbot wird akzeptiert

zurück zur Übersicht
Wer beim Autofahren ein Handy benutzt und dabei erwischt wird, muss 40 Euro zahlen und erhält einen Punkt in Flensburg. Schülern wird beim Benutzen des Mobilgeräts während des Unterrichts oder auf dem Pausenhof das Handy weggenommen. Lehrer und Rektoren bringen dieselbe Begründung wie die Straßenverkehrsordnung ein: Ablenkung.

Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport hat vor sechs Jahren in einer Stellungnahme Regeln für Mobiltelefone an baden-württembergischen Schulen geschaffen. Zeit also, Bilanz zu ziehen.

Wie kommt das Handyverbot bei Schülern, Lehrern und dem Landeselternbeirat an? Bisher scheint es akzeptiert zu werden. Laut § 23 Abs. 2 des Schulgesetzes gilt, dass die Schule im Rahmen der Vorschriften des Schulgesetzes berechtigt sei: "die zur Aufrechterhaltung der Ordnung des Schulbetriebes und zur Erfüllung der ihr übertragenen unterrichtlichen und erzieherischen Aufgaben erforderlichen Maßnahmen zu treffen und örtliche Schulordnungen, allgemeine Anordnungen und Einzelanordnungen zu erlassen. Inhalt und Umfang der Regelungen ergeben sich aus Zweck und Aufgabe der Schule."
 

Schulordnung

Neben einer Schulordnung ist laut Schulgesetz das Wegnehmen des Handys auch erlaubt − allerdings ohne das Post- und Fernmeldegeheimnisses zu verletzen. Die Lehrer dürfen keinen Blick ins Handy werfen.

Den Artikel 23 des Schulgesetzes legen die Schulen allerdings seit Jahren unterschiedlich aus. "Wir haben seit ungefähr zwei Jahren ein Handyverbot an der Schule. Alle Speichermedien müssen im Schulgebäude ausgeschaltet sein. Wird dies nicht eingehalten, wird das Handy eingezogen und kann am Ende des Schultags wieder abgeholt werden", sagt Rektor Andreas Meyer vom Heilbronner Mönchsee-Gymnasium.

Gründe für diese Schulordnung seien, Mobbing zu verhindern und Abschottung der Schüler vorzubeugen. Dennoch gesteht Meyer ein, dass die Konflikte, die in den Klassen vorhanden sind, sich dennoch auch außerhalb der Schule in sozialen Medien fortsetzen können. Er weiß jedoch nur von ungefähr einem Fall pro Schuljahr. "Bei uns soll die Gemeinschaft praktiziert und gepflegt werden", erzählt Meyer. Schüler der Mittelstufe seien immer wieder gegen die Regelung − ansonsten werde sie eingehalten. Das bestätigen auch die Schülersprecher des Mönchsee-Gymnasiums: Ellen Schück, Niyat Haile und Luis Lips − alle 16 Jahre alt. "Wir haben uns schnell an das Handyverbot gewöhnt", sagt Niyat Haile. "Man kann das Handy auch in der Freizeit nutzen", sagt Ellen Schück. Und Luis Lips geht noch weiter: "Ich muss nicht immer erreichbar sein. Es ist schön das Mobiltelefon auch mal ausgeschaltet zu lassen."
 

Aufnahmen im Unterricht

Im Ganerben-Gymnasium in Künzelsau hat Schulleiterin Angela Bülo in Absprache mit den Eltern ebenfalls einen Passus in der Schulordnung zur Handynutzung verabschiedet: Das Mobiltelefon darf mitgebracht werden, bleibt aber aus. In Notfällen ist eine Ausnahme erlaubt. "Wir wollen damit indirekter Kommunikation über die Geräte vorbeugen, vielmehr sollen direkte Gespräche stattfinden", sagt Bülo.

In der Elly-Heuss-Knapp Grund- und Werkrealschule in Heilbronn-Böckingen wurde in Zusammenarbeit mit den Eltern eine Sondervereinbarung verabschiedet. Dass Smartphones auf dem gesamten Schulgelände nicht benutzt werden dürfen. "Falls ein Handy eingezogen wird, müssen es die Eltern abholen", schildert Angelika Biesdorf, Rektorin der Schule. Gründe für ein Handyverbot sind für Biesdorf unter anderem Gewaltvideos oder ungefragt gemachte Aufnahmen von Schülern und Lehrern, die herum gezeigt werden sowie Mobbing. "Die Schüler akzeptieren das Agreement weitestgehend", fasst Biesdorf die Schulvereinbarung zusammen. Der Landeselternbeirat sieht die Regelung positiv, jedoch: "Wir sind gegen ein generelles Handyverbot an Schulen. Eltern müssen die Kinder in Notfällen erreichen", sagt Carsten Rees, stellvertretender Vorstand des Landeselternbeirats Baden-Württemberg. Momentan werde das Handyverbot nicht diskutiert.
 

Potenzial

Die Lehrer der Elly-Heuss-Knapp Grund- und Werkrealschule nutzen ab und zu das Potenzial der mobilen Geräte: Ein Medienkonzept sieht Handys im Unterricht vor. "Es dient als zusätzliche Motivation, etwas zu lernen", berichtet Biesdorf. So werde auch der Umgang mit Medien erlernt.
                 

Galerien

Regionale Events