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Auf Spurensuche

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Als Flöte spielender Hirte wandert Johannes Hehrmann durch den Wilhelm-Maybach-Saal der Harmonie und zieht das Publikum nicht nur in den Bann der archaischen Musik, sondern auch mitten ins Themenfeld Heimat − Migration− Integration. Hehrmann nimmt Platz im Kreise seiner Kollegen Götz Engelhardt, Sergei Drabkin und Arthur Balogh, die eine tanzbare Melodie spielen. Doch der fröhliche Charakter der Musik verebbt im unheilschwangeren Ostinato.

Rund 20 Schüler aus drei siebten Klassen der Dammrealschule schleppen Tische auf die Bühne und legen Flaggen ihrer Herkunftsländer darüber: "Der Frieden ist beendet", schlimmer noch "Vorbereitungen auf den Krieg" werden getroffen. Krieg und Verarmung sind in vielen Fällen Motiv für die Auswanderung, für die Suche nach einer neuen, friedlichen Heimat.
 

Heimat

"Lebensmusik" heißt das Projekt, welches das Württembergische Kammerorchester Heilbronn (WKO) in Kooperation mit der Dammrealschule unter Leitung von Anja Schödl erarbeitet hat. Begonnen hat das Musikvermittlungs-Projekt des mit einem Kennenlerntag Ende Januar. Die Schüler bekamen den Auftrag, ältere Familienmitglieder nach ihrem Leben zu befragen. Warum verlässt man seine Heimat? Was bedeutet es, ein neues Leben in einem anderen Land aufzubauen? Die Ergebnisse sind die Aufführung eingeflossen.

Die Schüler, deren Eltern aus Albanien, Griechenland, Marokko, Russland, Ungarn, Spanien, Sri Lanka, dem Kosovo und der Türkei kommen, haben Gedichte geschrieben, Melodien eingebracht und Wünsche geäußert: Sie wollen tanzen, rappen und Klavier spielen. "Dudelsackorgie", "Hexentanz", "Jonas" Empfang" und "Merves Lied" heißen einzelne Teile, die der Komponist Marius Ungureanu zu einem Stück vereint hat.
 

Erlebnis

Reich an musikalischen Stimmungen bezieht es die Fähigkeiten der Kinder geschickt mit ein. Trotz inszenatorischen Schwächen muss man den Hut ziehen vor dieser geglückten Zusammenarbeit, denn was in nur einer Woche Probenzeit auf die Bühne gestellt wurde, ist nicht nur ein Riesenerlebnis für die Schüler und ihre Eltern. Auf dem Humus dieser interkulturellen und pädagogischen Basisarbeit scheint es möglich, Wurzeln zu schlagen.

Der 13-jährige Kevin Harman hat seine 79-jährige Oma, die in Bielefeld lebt, interviewt. Die sei überrascht gewesen über seine Fragen und dass ihn das alles interessiere. Sein Fazit: "Man soll jeden Tag leben, als sei es der letzte."
                   

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