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Ein Hausarzt für alle Fälle

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Der Bagger ist angerückt, der Abbruch hat in Teilen begonnen. Zwischen Oberer und Unterer Weihergasse hat die Gemeinde Flein damit ein Gelände für eine Arztpraxis in einem Wohn- und Geschäftshaus. Unsere Redakteurin Sabine Friedrich sprach mit Bürgermeister Alexander Krüger.

Herr Krüger, die Gemeinde plant, in eine Hausarztpraxis zu investieren. Das ist ja keine kommunale Aufgabe.

Alexander Krüger: Wir sehen die Sicherung der hausärztlichen Grundversorgung mittlerweile als örtliche Daseinsvorsorge.

Ihre Grundstücksverhandlungen waren erfolgreich?

Krüger: Ja. Wir hatten schon zwei Grundstücke, die in der Oberen Weihergasse 1 und in der Ilsfelder Straße 14. Jetzt konnten wir das Gelände Nummer 12 erwerben. Die ersten Grundstücke kauften wir mit der Zielrichtung, eine Verbesserung in diesem Bereich zu schaffen. Bisher war die Nutzung noch offen.

Dann trifft es sich ja gut, dass Sie dieses Areal für das geplante Wohn- und Geschäftshaus mit Praxen haben.

Krüger: Es gab dort schon ein genehmigtes Bauvorhaben für barrierefreie Wohnungen, das aber nicht verwirklicht wurde. Jede Kommune weiß, welchen Altersdurchschnitt die Ärzte haben. Aus diesem Grund haben wir die sonstige Wohnbebauung dort auf Eis gelegt und wollen es jetzt für Ärzte zur Verfügung stellen.

Ist der Standort zwischen Oberer und Unterer Weihergasse ideal?

Krüger: Je näher zu einer Apotheke, desto besser. Man spricht von einem Rollatorradius von 300 Metern. Zur Fleiner Apotheke sind es 200 Meter Luftlinie, so dass dieser Bereich als gut anzusehen ist.

Und wie könnte das 1260 Quadratmeter große Areal aufgeteilt werden?

Krüger: Entweder wir bauen in der Oberen Weihergasse neu und schaffen die erforderlichen Parkplätze an der Ilsfelder Straße oder umgekehrt. Das ist die Entscheidung des Gemeinderats. Wir würden gerne eine Tiefgarage errichten, aber weil es sich hier seit kurzem um einen Überschwemmungsbereich handelt, ist das wohl nicht zulässig. Nach dem neuen Landes-Wassergesetz darf im Überflutungsbereich nicht gebaut werden. Das macht die Sache für uns kompliziert. Es ist recht dubios, denn der Deinenbach ist an der Stelle ja verdolt. Das Baurechtsamt des Landratsamts Heilbronn prüft jeden Einzelfall.

Dann steht das Projekt auf wackeligen Füßen?

Krüger: Wenn wir erst einmal den hinteren Bereich bebauen, wohl nicht. Dort ist im Plan keine "blaue Pfütze" eingezeichnet.

Die Gemeinde schwimmt im Geld mit fast zehn Millionen Euro in den Rücklagen. Lässt sich damit nach dem geplanten Lebensmittelgeschäft nun auch die Subvention eines Ärztehauses rechtfertigen?

Krüger: Es geht nicht um Rechtfertigung, sondern eher darum, dass wir das Glück haben, als Kommune tätig zu werden. Wären wir entsprechend verschuldet, müssten wir sagen, wir können nicht unterstützend in die Niederlassung von Ärzten eingreifen. Es ist noch nicht entschieden, ob wir den gesamten Komplex finanzieren oder nur den Teilbereich der Praxisräume.

Wo wäre Ihre Schmerzgrenze?

Krüger: Ich würde wenigstens für die Allgemeinarztpraxis den erforderlichen Betrag setzen. Es hat natürlich Vorteile, so einen Komplex in einer Hand zu behalten. Unser großer Vorteil ist, dass wir einen hohen Stand an Aufgabenerfüllung haben und so gut wie keinen Investitionsstau. Wir sind schuldenfrei, haben hohe Rücklagen und seit knapp zehn Jahren unveränderte Steuerhebesätze.

Ist denn ein Investor in Sicht?

Krüger: Wenn die Gemeinde nicht selbst investiert, werden wir uns auf die Suche nach einem machen.

Gibt es überhaupt Bedarf für weitere gewerbliche Flächen?

Krüger: Für Ladenflächen sicherlich an der Stelle nicht, aber für einen Dienstleister aus dem Gesundheitsbereich schon.

Wie soll der Komplex aussehen?

Krüger: Es könnten je eine Praxiseinheit im Erd- und Obergeschoss und eventuell noch Wohnungen im Dachgeschoss entstehen.

Wird sich die Gemeinde ihre Ausgaben über die Miete reinholen?

Krüger: Wir müssen mit einem modernen und barrierefreien Praxiszuschnitt Anreize schaffen, dass wir Ärzte nach Flein bekommen. Ziel ist eine Gemeinschaftspraxis. Inwieweit wir finanzielle Zugeständnisse machen, wird sich zeigen. Wir werden höchstwahrscheinlich nicht an die Mietobergrenze gehen können.

Brennt das Thema Arztversorgung den Bürgern tatsächlich so auf den Nägeln? Ein Notstand ist ja mit der Schließung der zweiten Allgemeinmediziner-Praxis nicht ausgebrochen durch die Nähe zu Heilbronn.

Krüger: So sieht das auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Vom Altersdurchschnitt her gehört Flein zur Spitze im Landkreis. Man muss feststellen, dass ältere Leute mit eingeschränkter Mobilität nicht ohne weiteres mit dem Pkw oder Stadtbus fahren können. Zumal die Ärzte in Alt-Sontheim mit der Buslinie auf direktem Weg nicht zu erreichen sind. Insbesondere ältere Menschen haben mir gegenüber ihre Sorge über die Hausarztversorgung klar zum Ausdruck gebracht. Das Thema beschäftigt die Bevölkerung sehr.

Erst bauen und dann Ärzte suchen: Ist das nicht ein zu großes Risiko?

Krüger: Ein gewisses Risiko ist natürlich vorhanden. Aber bei der öffentlichen Wirksamkeit dieser Maßnahme sind wir zuversichtlich. Momentan gibt es bei den Hausärzten im Landkreis 13 freie Sitze, sprich Zulassungen. Wir sind optimistisch, dass wir bei unserer sehr guten Infrastruktur einen Arzt finden.

Wie sind denn die Signale der KV?

Krüger: Die KV steht uns hier nicht im Weg. Sie gibt uns aber Stand heute keine Zusage, dass tatsächlich noch Zulassungen möglich sind, wenn unser Objekt fertig gestellt ist.

Einen (Zahn-)Arzt haben Wüstenrot oder Cleebronn mit einem Headhunter gefunden. Auch ein Weg für Sie?

Krüger: Wir werden das wahrscheinlich auch ins Auge fassen. Aber erst einmal ein Schritt nach dem anderen.

Und der nächste Schritt ist?

Krüger: In der Dezember-Sitzung des Gemeinderats stellt das Büro Zoll konzeptionelle Voruntersuchungen zur Bebauung vor. Wir brauchen dann einen Planer. Ich hoffe, dass in eineinhalb bis zwei Jahren die Praxis bezugsfertig ist.


 

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