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Gegen ihren Willen

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Einen Einblick in die ausgefeilte Strategie des Naziregimes bietet die Ausstellung Malgré-Elles (Gegen ihren Willen) in den Räumen der Neckarsulmer Volkshochschule. Sie zeigt in Bildern und Dokumenten aus dem Memorial de l’Alsace-Moselle in Schirmeck, dass in Süddeutschland viele junge Mädchen aus dem Elsass zwischen 1940 und 1945 zum RAD (Reichsarbeitsdienst) und zum KHD (Kriegshilfsdienst) eingezogen wurden. In einem Lager in Eppingen waren in dieser Zeit Marie Lerdung und sechs weitere junge Damen zwischen 17 und 20 Jahren stationiert.

Sie mussten zunächst bei Bauern auf dem Acker und im Stall helfen, oder sie waren bei kinderreichen Familien im Haushalt beschäftigt. Später wurden einige von Gertrud Scholtz-Klink, Chefin des RAD, zum KHD eingeteilt, wo sie – sehr gute Deutschkenntnisse und die richtige Gesinnung vorausgesetztkriegswichtige Funktionen ausübten.

 

Tagebuch


Bei der Recherche zu einem Dokumentarfilm über dieses Thema war Ausstellungsleiterin Liliane Hoffmann auf Serge Bürgy getroffen, den Sohn von Marie Lerdung. Außer etlichen Bildern von der Zeit im Kreis Heilbronn fand man auch ein sehr akkurat geführtes Tagebuch, das sehr gute Einblicke in das Leben der jungen Elsässerinnen erlaubte.

Das Urteil der im Jahr 1923 geborenen Marie über die Zeit im Lager: "Es war gut." Nach der täglichen Arbeit hatten die Frauen am Wochenende frei und konnten sogar ins Kino, zum Kaffeetrinken und in die Kirche gehen. Dass sie gezwungen wurde, ihre Post in die Heimat auf deutsch zu schreiben und im Lager "so nebenbei" in die nationalsozialistische Ideologie eingeführt wurden, kann man in den Briefen zwischen den Zeilen lesen.

Auf einer Postkarte, die sie am 15. Juli 1942 an ihre Mutter schrieb, ist von einer Verlobungsfeier die Rede. Gemeint war aber ein Fest zum französischen Nationalfeiertag, dem 14. Juli. Ihre Mutter konnte sie sogar in Eppingen besuchen und nächtigte da im Ratskeller. Dort war jetzt auch der Enkel Serge und hat dabei festgestellt, dass sich das Lokal seit 1933 nicht verändert hat.

Die Aussage der Bilder vom Leben im Lager, die Daniela Deul sehr anschaulich arrangierte, wurden durch ein Referat der Historikerin Waltraud Rohr verstärkt. Sie berichtete über die Ziele der Nazis, die die Rolle der Frau ganz neu definierten. Raus aus dem Arbeitsleben sollten sie vor allem Kinder gebären und so das Volk erhalten. Dafür wurden finanzielle Anreize geschaffen, beispielsweise Ehestandsdarlehen in Form von Gutscheinen, die die Wirtschaft ankurbelten und durch die Geburt von vier Kindern abgelöst werden konnten.

 

Kriegsgeschehen


Dass diese Ausstellung nach Neckarsulm kam, verdankte Susanne Blawert dem Kontakt zu Otmar Gotterbarm, dem ehemaligen Leiter der Volkshochschule Münsingen, der sich mit dem Kriegsgeschehen auf der Schwäbischen Alb beschäftigt. Er wiederum stand in Verbindung zu Liliane Hoffmann, die im elsässischen Schirmeck die Ausstellung über die elsässischen Mädchen eingerichtet hatte. Dank der guten Öffentlichkeitsarbeit ist es dann auch gelungen, den betreffenden Damen die verdiente Anerkennung und auch eine kleine Entschädigung zukommen zu lassen.

Die Ausstellung und der Vortrag brachte die Anwesenden miteinander ins Gespräch, und es stellte sich heraus, dass viele Besucher eigene Erfahrungen in diesem Bereich gemacht haben. Für Ehrenbürger Kurt Bauer war die Einladung ein Anlass ins Archiv zu sehen. Danach muss auch auf der Viktorshöhe bei der Hermann-Greiner-Realschule ein ähnliches Lager bestanden haben. Die dort untergebrachten Frauen waren als Zwangsarbeiter bei der Firma Karl Schmidt eingesetzt.


Ausstellung
 
Die Ausstellung ist bis zum Freitag, 12. Dezember, zu den üblichen Öffnungszeiten der Volkshochschule Neckarsulm zu sehen. 


 

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