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Knochenjob unter Tage

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Ein bisschen erinnert die Szenerie an die Aufnahmen von Alexander Gersts Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation ISS am 6. Oktober: ein Mensch im weißen Schutzanzug in der Finsternis. Der wesentliche Unterschied ist, dass der Astronaut aus Künzelsau den ganzen Weltraum um sich herum hatte, die Arbeiter unter der Künzelsauer Hauptstraße dagegen haben mit der Enge im Untergrund zu kämpfen.

"Ich möchte das keinen Tag lang machen", sagt Peter Blumhagen. Der Stadtbaumeister im Rathaus hat großen Respekt vor dem, was die Männer der Firma Schwab unter der Hauptstraße leisten.

Der künstliche, unterirdische Verlauf des Künsbachs ist dringend sanierungsbedürftig. Die Verdolung gilt als Brückenbauwerk. Das heißt: Die gesamte Hauptstraße ist im Grunde eine Brücke, über die der Verkehr nicht quer, sondern längs zum Künsbach rollt.

 

Hochwasser


"Eigentlich hätte die Sanierung zum Beginn des Neuwagenmarkts am vergangenen Wochenende abgeschlossen sein sollen", erklärt Blumhagen. Im oberen Bereich der Hauptstraße ist das auch gelungen. Dass die Arbeiten weiter unten noch im Gange sind, hat mit wiederholten starken Regenfällen im Sommer zu tun. Blumhagen: "Das Wasser stand dort bis zu zehn Zentimeter unter der Oberkante des Einlasses."

Sanierungsarbeiten in der Verdolung waren so nicht möglich. Der Stadtbaumeister hofft, dass die Arbeiten bis Ende des Jahres erledigt sind – wenn das Wetter mitspielt.

 

Filter


Für die vier Mitarbeiter der Bausanierungsfirma aus dem fränkischen Oberschwarzach ist der Job Routine, lässt Martin Hartwig durchblicken. "Wir machen das seit 25 Jahren", sagt der Polier. Morgens braucht der Trupp rund eineinhalb Stunden, um die Baustelle auf dem Unteren Markt vorzubereiten. Einer schlüpft in den Ganzkörper-Schutzanzug, setzt den Helm mit dem Luftfilter auf und wird über einen Schlauch mit Atemluft versorgt. Dann steigt er in die gerade mal 1,1 Meter hohe Verdolung.

"Acht bis neun Stunden lang arbeitet der Spritzer dann dort unten", erklärt Hartwig. Mit einer Hochdruckspritze entfernt er schadhaften Beton und legt verrostete Eisenteile frei, die später durch neue ersetzt werden. Ein weiterer Mitarbeiter sorgt für die Beleuchtung und führt den Luftschlauch nach. Auch er trägt einen Helm.

Wenn der Spritzer seinen Standort wechselt, blasen Ventilatoren den Staub aus der Verdolung. Zwei weitere Mitarbeiter mit Staubmasken entfernen dann den Schutt aus dem Kanal. Jetzt, nach dem Sommer, sei die Hitze im Schutzanzug nicht mehr so schlimm, sagt Hartwig. Eines aber habe sich im Herbst nicht geändert: "Das T-Shirt kann man danach auswringen."


 

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