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Historische Spurensuche

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Gestern wurde in London eine Deutschland-Ausstellung eröffnet, die das in britischen Massenmedien gepflegte Nazi-Image auf den Kopf stellt. Gleich zum Auftakt fanden bei freiem Eintritt auch zahlreiche Auslands-Deutsche den Weg ins British Museum, darunter Student Kilian Huber, der schon im Vorfeld auf ein Ausstellungsstück "Made in Heilbronn" aufmerksam wurde: ein von Hans Anton Linden 1596 gefertigtes Metallkästchen, das als "Smartphone des 16. Jahrhunderts" in Szene gesetzt wird: neben anderen deutschen Top-Produkten von Riemenschneider, Guttenberg, Adidas oder etwa BMW.

Inzwischen sorgt das 12,7 auf 7,5 Zentimeter große Goldstück auch in seiner Heimatstadt für Aufsehen. Im "Haus der Stadtgeschichte" ist ein anderes Werk des Künstlers ausgestellt: ein silberner Häufebecher von 1584. "Häufe?", fragte sich beispielsweise Margot Maurer, die gestern extra den Weg an die Eichgasse gesucht hatte. "Das kommt von Häufen oder Stapeln", so Peter Wanner vom Stadtarchiv. Der Historiker hilft auch sonst gerne weiter. Leider sei von dem wohl 1540 geborenen Meister Linden wenig bekannt und überliefert. Über eine aktuelle Anfrage beim British Museum hoffe man mehr zu erfahren.

Was das Stadtarchiv schon selbst recherchiert hat: Mutmaßlich hat Linden – dessen Name in verschiedenen Varianten auftaucht – neben dem Rathaus am Kieselmarkt gewohnt. Dafür spricht ein Verkaufsprotokoll "beim Kornhaus". Der Heilbronner Bürger war mit Barbara Bräulin verheiratet. Neben einem gleichnamigen Sohn, der 1588 in eine Nürnberger Goldschmiedefamilie einheiratete, sind im Taufbuch zwei weitere Kinder erwähnt.

 

Astrologie


Der Goldschmied war laut Wanner wohl ein herausragender Meister seines Fachs. Zwei Astrolabien, also Sternhöhenmesser, werden ihm ebenfalls zugeschrieben. Von seinem astrologischen Interesse zeugt auch seine Übersetzung eines lateinischen Werks des Tübinger Astronomieprofessors Johannes Stöffler.

Die deutsche Schrift trägt den Titel "Der ander Theil von Nutz und brauch des Astrolabiums auß dem Latein in Deutsch gebracht durch den hochberümten Herrn Johanes Antoni Linden Bürger und Kaltschmit zu Heilbron." Das Werk sei allerdings nur als Abschrift eines Kupferhammerschmieds aus dem Jahr 1604 überliefert. Die illustrierte Handschrift liegt heute in der Württembergischen Landesbibliothek.

 

Blütezeit


Und wie sah es damals in Heilbronn aus? Zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg blühte die Reichstadt in Zeiten des Handels und Wandels regelrecht auf. Es wurde viel gebaut, von öffentlichen Gebäuden wie Rathaus und Kilians-turm, bis zu einer neuen Infrastruktur, siehe: die erste Wasserleitung, die vom Cäcilienbrunnen-Häuschen in die Altstadt führte.


 
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