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Zehn laufen vorbei, drei greifen ein

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Die Bahnreisenden im Heilbronner Hauptbahnhof werden auf die Probe gestellt. Am Abgang von Bahnsteig 3 erleben sie hautnah mit, wie sich eine Frau und ein großer, kräftiger Mann lautstark streiten. Als der Mann die Frau in der Unterführung auch körperlich bedrängt, sie um Hilfe ruft, laufen gut zehn Passanten ungerührt weiter. Dann aber greifen drei junge Männer ein, schirmen die Frau ab und reden auf den Mann ein, aufzuhören. Sie kennen sich nicht – und haben am Aktionstag Zivilcourage ein Sonderlob der Polizei verdient.

"Das war richtig gut. Sie haben erst abgewartet, wie sich die Situation entwickelt, und dann eingegriffen", fasst Bundespolizistin Janna Künzle zusammen. Sie hat in der Szene das Opfer gespielt, ihr Kollege Achim Werner war der "Täter“.

Er habe der Frau einfach helfen wollen, erklärt Harry Buchhorn (25), ein Heilbronner mit russischen Wurzeln. "Sie hat um Hilfe gerufen, da muss doch jemand helfen", findet auch Khalid El-Gohari (41) sein Eingreifen normal. Michael Berger (35) aus München schritt ein, weil er sich dies in solchen Situationen bewusst vorgenommen hat.

 

Minderheit


Die drei Männer gehören eher zu einer Minderheit. Am Aktionstag klären Bundes- und Landespolizei am Hauptbahnhof auf, wie man Zivilcourage zeigen kann, ohne sich selbst zu gefährden. Die Verpflichtung, anderen in Notsituationen zu helfen, "ist leider nicht besonders stark ausgeprägt", stellt Polizeipräsident Hartmut Grasmück fest. Die Meinung, wenn man sich raushalte, gerate man auch in nichts hinein, sei weit verbreitet. Für Grasmück ein falscher Ansatz, weil die Polizei nicht überall sein könne.

Einige Beamte sprechen Stadtbahngäste am Bahnsteig an, andere fahren in Bahnen mit. Wenn dort Menschen bedroht würden, sollte man andere Mitreisende gezielt mit "Sie in der hellen Jacke" ansprechen, um gemeinsam dem Opfer zu helfen, rät Harald Pfeifer vom Präventionsreferat. Ist man alleiniger Zeuge, sei es schwieriger. Den Fahrer informieren oder Tätermerkmale einprägen, aussteigen und die Polizei anrufen, sind Alternativen.

 

Manko


Einige Klassen der Helene-Lange-Realschule erleben im Mitmachbus durch das Aktionstheater "Q-Rage", wie ein Opfer in eine brenzlige Situation geraten kann. Ob sie in so einem Fall den Mut hätten, einzugreifen? "Ich nicht", ist Aybüke (14) ehrlich, Eslem (14) weiß es nicht, allein eher nicht, während Laura (14) "schon was sagen würde", wenn jemand angefasst wird. "Man könnte auch zum Busfahrer gehen", wirft Ricardo (16) ein. Ein Jahr hat Deutschlehrer Stefan Kohler im Unterricht das Thema Zivilcourage einfließen lassen. Er ist überzeugt, dass das Vorgehen seiner Schüler sich verändert hat und sie nun "nicht blind in gefährliche Situationen reinlaufen".

Zeugen prägen sich leider zu oft keine besonderen Tätermerkmale ein, sieht Jörg Scheeser, Leiter der Bundespolizeiinspektion Stuttgart, ein Manko, das durch Aufklärung verbessert werden kann. Seine Präventionsbeamten zeigen typische Szenen inzwischen in Schulen – was auch in der Region Heilbronn denkbar sei. Aber auch Senioren könne man zeigen, dass man in der Gruppe "eine ganze Menge tun kann".

Dass eine Frau in Lauffen vor kurzem einem Grundschulkind zu Hilfe eilte, das von einem verdächtigen Autofahrer im Schritttempo längere Zeit ausgefragt wurde, berichtet Harald Pfeifer. Die Frau lief auf die Straße, der Autofahrer fuhr davon. Sie brachte das Kind nach Hause. Pfeifer: "Das war vorbildlich."


 

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