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Antiheld einer schönen neuen Welt

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Marlon Roudette breitet die Arme aus, dreht den Kopf nach oben und kreist wie ein Derwisch um die eigene Achse: "We gonna fly, we gonna fly, we gonna go, gonna follow the line". Mit dem Refrain von "Come along" trudelt der 31-jährige Musiker von der Bühne im Audi-Forum. Ein letzter Handkuss und ein Winken für die 1750 Fans. So fröhlich, wie er 70 Minuten zuvor mit "Runaway" auf die Bühne sprang, so federnd leicht scheint er davonzufliegen.

Das Neckarsulmer Publikum will mehr und bekommt zwei Burner als Zugabe: die Wiederholung von "New Age" und "Big City Life", den Hit seines Debütalbums "Matter Fixed". Nicht enden wollender Applaus, die Menge ruft ihn ein weiteres Mal aufs Podium. "When the beat drops out", schon die Intro mit der Steel Pan schürt das Feuer der Begeisterung. Roudettes tanzbare Uptempo-Hymne, war auf Platz eins der Deutschen Pop Charts (derzeit sechs) und ist seit zehn Wochen die Nummer eins der Euro Top 100. Dieser Sommerhit, im leichten Sinkflug begriffen, verbreitet nicht nur Ferienstimmung und Karibikfeeling, er leitet mit einem Hauch von Intimität und Melancholie wunderbar über in den goldenen Oktober. Ein Finale, das die Fans aller Altersgruppen - viele Teenager sind mit ihren Eltern da - beschwingt, und das mit einem Fanfoto im Foyer besiegelt wird.

Das Konzert ist eine Koproduktion von Audi mit dem SWR3 New Pop Festival. 1400 Karten waren schnell vergriffen, auch nach Aufstockung des Kontingents um 350 weitere Tickets dauert es keine Woche, und alle Tickets waren weg.

 

Sympathisch


Warum Roudette gerade im deutschsprachigen Raum so gut ankommt, ist schwer zu beantworten. Zwar spricht er auch deutsch, er hat eine Zeit lang in Berlin gelebt, aber das allein ist es nicht. Dass er so sympathisch auf Menschen mit unterschiedlichstem Musikgeschmack wirkt, mag an einer gewissen Indifferenz der Texte im Zusammenspiel mit dem unaufdringlichen, unverbindlichen Sound zu liegen. Da ist viel Platz für freie Deutungen und Interpretation. Ein Titel wie "When the beat drops out" hat die Netzgemeinde zu wildesten Spekulationen verführt, unter anderem fand man, er könne der Soundtrack für einen Zombie-Film sein.

Sicherlich ist Roudette der "Antiheld" ("Anti hero") einer schönen, neuen Welt. Dem Lockruf der Karibik kann er sich auch in London, wo er lebt, nicht entziehen, denn dort, bei seiner Mutter, hat er seine Jugend verbracht.

Er liebt die Schwingung des Instruments, das mal rhythmischer, mal melodiöser, daherkommt und immer einem lässig-lockeren, zugleich elegischen Schlenderton anschlägt. Das Album "Electric Soul" sei wesentlich persönlicher als der Vorgänger, sagt Roudette und verpackt das so in Worte: "Life, happens, you're making plans, flying, highing, shaking hands, a song will write you, you don't write it." Offenbar reflektiert dieser fatalistische Unterton - frei übersetzt: "Es kommt immer anders als man denkt" - ein Stück Zeitgeist.


 

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